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Steyr Luxus: Als Jagdbüchsen noch für die Ewigkeit gebaut wurden

vor 12 Minuten
6 Min. Lesezeit
Schuss & Stille-Waffenexperte David Mischkulnig ist von der Steyr Mannlicher Luxus fasziniert.
Schuss & Stille-Waffenexperte David Mischkulnig ist von der Steyr Mannlicher Luxus fasziniert.


Nussbaumholz, Stahl und jede Menge österreichische Büchsenmachertradition: Die Steyr Mannlicher Luxus war Ende der 1970er-Jahre eine der edelsten Jagdbüchsen aus heimischer Fertigung. Fast 50 Jahre später begeistert der legendäre Repetierer noch immer viele Jäger. „Schuss & Stille“-Waffenexperte David Mischkulnig von der Alpen Adria Jagd in Villach hat sich eine klassische Luxus im Kaliber .243 Winchester vorgenommen. Und die alte Dame beweist: Gutes Handwerk hat kein Ablaufdatum.



Es gibt Jagdgewehre die Geschichte erzählen. Weil sich das Holz anders anfühlt, der Verschluss satt läuft und man an jeder Ecke erkennt, dass sich die Konstrukteure seinerzeit Gedanken gemacht haben. „Für mich ist das eine der besten Waffen, die Steyr je gebaut hat“, schwärmt „Schuss & Stille“-Waffenexperte David Mischkulnig, als er die alte Österreicherin in seiner Werkstatt unter die Lupe nimmt.


Und tatsächlich: Obwohl die Büchse bereits rund vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat, wirkt sie keineswegs veraltet. Im Gegenteil. Die schlanke Silhouette, das dunkle Nussbaumholz und die aufwendigen Schaftverschneidungen verleihen ihr eine Eleganz, die man bei modernen Jagdgewehren oft vergeblich sucht. Doch die Luxus kann mehr als nur gut aussehen.



Von Josef Werndl zur legendären Mannlicher Luxus


Um die Geschichte dieser Jagdbüchse zu verstehen, müssen wir ins Jahr 1864 zurückblicken. Damals gründete der Industrielle Josef Werndl gemeinsam mit seinem Bruder Franz in Oberletten bei Steyr eine Waffenfabrik samt Sägemühle. Aus diesem Unternehmen entwickelte sich einer der bedeutendsten Waffenhersteller Europas.


Besonders prägend wurde die Zusammenarbeit mit dem Konstrukteur Ferdinand Ritter von Mannlicher. Seine Repetiersysteme machten Steyr international bekannt. 1903 folgte mit dem von Ferdinand Mannlicher und Otto Schönauer entwickelten Mannlicher-Schönauer einer der berühmtesten Jagdrepetierer der Geschichte. Charakteristisch waren sein geschmeidiger Verschlussgang und das außergewöhnliche Trommelmagazin. Die aufwendig gefertigte Büchse blieb bis 1973 im Programm.


Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte Steyr ab 1950 wieder Jagdwaffen herstellen. Ende der 1960er-Jahre begann schließlich eine neue Ära: Mit der modernen Steyr-Mannlicher-Baureihe und dem Präzisionsgewehr SSG 69 setzte das Unternehmen auf neue Materialien und Fertigungstechnologien. Doch nicht jeder Jäger war von den Kunststoffteilen der neuen Repetierer begeistert.


1977 präsentierte Steyr deshalb die Mannlicher Luxus. Sie verband moderne Waffentechnik mit klassischen Werkstoffen und einer deutlich aufwendigeren Ausstattung. Das Modell wurde rasch zu einem Aushängeschild der österreichischen Jagdwaffenfertigung. Damals gehörte die Waffenproduktion noch zum Steyr-Daimler-Puch-Konzern. 1989 wurde die Waffensparte selbstständig, 2004 übersiedelte das Unternehmen nach Kleinraming. Seit 2019 firmiert es unter dem Namen Steyr Arms.



Ein Schaft, der Geschichten erzählt


Schon beim ersten Blick auf die Luxus wird deutlich, worauf die Konstrukteure Wert legten.

Der Nussbaumholzschaft besitzt eine ausgeprägte Backe, einen schlanken Pistolengriff und einen sogenannten Kaisergriff, dessen unteres Ende mit einer kleinen Abschlussplatte versehen ist.


„Kaisergriff. Voll geil!“, freut sich David, als er die Waffe in Anschlag nimmt. Besonders auffällig sind die traditionellen Verschneidungen. Neben floralen Ornamenten findet sich jene schuppenartige Fischhaut, die für zahlreiche Steyr-Jagdgewehre dieser Epoche typisch war. David erklärt, dass solche Verzierungen nicht nur schmückenden Charakter hatten. Teilweise dienten sie auch dazu, Übergänge zwischen unterschiedlichen Holzteilen optisch zu kaschieren.


Auch die ventilierte Schaftkappe verdient Beachtung. Obwohl diese an unserem Testexemplar bereits etliche Jahrzehnte alt ist, erfüllt sie noch immer ihren Zweck. Allerdings hat die elegante Linienführung einen konstruktiven Nachteil. Der besonders schlanke Schafthals ist empfindlich gegenüber heftigen Stößen. „Das ist einfach eine Schwachstelle“, erklärt David. In seiner Werkstatt hat er bereits zahlreiche ältere Steyr-Büchsen mit gebrochenen Schäften gesehen. Besonders gefährdet sind die Bereiche rund um den Pistolengriff und den Übergang zum System.


Wer eine solche Büchse besitzt, sollte deshalb sorgsam mit ihr umgehen. Denn während sich viele mechanische Komponenten instand setzen lassen, kann eine beschädigte Originalschaft die Restaurierung erheblich erschweren.



Sechs Verriegelungswarzen und ein ungewöhnlicher Verschluss


Der Signalstift, der im Dunkeln auch ertastet werden kann,  zeigt den Zustand der Waffe, also ob sie entspannt oder gespannt ist.
Der Signalstift, der im Dunkeln auch ertastet werden kann, zeigt den Zustand der Waffe, also ob sie entspannt oder gespannt ist.

Unter dem schönen Holz steckt eine bemerkenswerte Konstruktion. Die ursprüngliche Steyr Mannlicher Luxus besitzt einen Zylinderverschluss mit sechs Verriegelungswarzen, die im hinteren Bereich der Systemhülse verriegeln. Eine Besonderheit: Beim Repetieren dreht sich nicht der gesamte Verschlusskörper. Stattdessen übernimmt der Kammerstängel die Drehbewegung zur Entriegelung. Das sorgt für einen angenehm weichen Verschlussgang.

Mit einem Öffnungswinkel von rund 60 Grad bietet das System zudem ausreichend Platz für die Bedienung unter einem niedrig montierten Zielfernrohr.


Die Luxus wurde in drei Systemausführungen angeboten: L für kürzere Standardpatronen, M für längere Patronen und S für leistungsstarke Magnumkaliber. Entsprechend groß war die Auswahl. Vom Kaliber .243 Winchester über .308 Winchester, 7×64 und .30-06 Springfield bis zu .300 Winchester Magnum und 8×68 S war vieles erhältlich. Angeboten wurden außerdem verschiedene Schaftformen, darunter klassische Halbschäfte und vollgeschäftete Stutzen.


Ein weiterer Unterschied zur gewöhnlichen Steyr-Mannlicher jener Zeit war das Magazin. Während dort Kunststoff verwendet wurde, erhielt die Luxus ein herausnehmbares Stahlmagazin mit drei Patronen Kapazität. Optional gab es sogar ein sechsschüssiges Drückjagdmagazin.


Der französische Stecher hat seine Eigenheiten


Abzug der Steyr Mannlicher Luxus
Abzug der Steyr Mannlicher Luxus

Unser Testexemplar im Kaliber .243 Winchester stammt aus der frühen Modellgeneration und besitzt noch die seitliche Schiebesicherung. Spätere Luxus-Modelle erhielten eine Rollensicherung am Kolbenhals. Eine weitere Besonderheit ist der französische Stecher, auch Rückstecher genannt. Anders als beim klassischen deutschen Doppelstecher kommt er mit einem einzigen Abzugszüngel aus.


David kennt die Eigenheiten dieser Konstruktion aus seiner täglichen Arbeit als Büchsenmacher. Gelegentlich bringen Kunden ihre älteren Steyr-Büchsen in die Werkstatt, weil der eingestochene Abzug nicht mehr zuverlässig auslöst. Ursache können verschlissene oder ermüdete Bauteile sein.


Meist liegt das Problem aber an einer ungünstigen Betätigung des Abzugszüngels, wenn man nämlich den Stecherabzug nicht sauber von vorne zieht, sondern nur seitlich berührt, kann es dazu kommen, dass der Schuss nicht ausgelöst wird.


Diese kleine Blattfeder kann ebenfalls ermüden und zu Abzugsproblemen führen. Die Feder kann jedoch bei einer Steyr Mannlicher Luxus leicht ausgetauscht werden
Diese kleine Blattfeder kann ebenfalls ermüden und zu Abzugsproblemen führen. Die Feder kann jedoch bei einer Steyr Mannlicher Luxus leicht ausgetauscht werden

Ein kaltgehämmerter Lauf mit Charakter


Ein Markenzeichen vieler Steyr-Büchsen ist die charakteristische Oberflächenstruktur ihrer kaltgehämmerten Läufe. Das spiralförmige Hämmermuster ist nicht bloß eine optische Spielerei, sondern eine sichtbare Spur des Herstellungsverfahrens.


„Das ist etwas, das ich bei den neuen Steyr-Waffen vermisse“, erzählt David. Bei unserem Testexemplar wurde der ursprünglich längere Lauf im Laufe seines Lebens auf rund 52 Zentimeter gekürzt. Außerdem besitzt er inzwischen ein M13×1-Mündungsgewinde.


Die alte Dame konnte David und das "Schuss & Stille"-Team am Schießstand überzeugen.
Die alte Dame konnte David und das "Schuss & Stille"-Team am Schießstand überzeugen.

Die alte Dame muss zeigen, was sie kann


Für unseren Praxistest wird die Steyr Mannlicher Luxus mit einem Meopta-Zielfernrohr und einem Hausken-Schalldämpfer ausgestattet. Trotz des gekürzten Laufes und seines Alters liefert der Repetierer auf 100 Meter ein überzeugendes Trefferbild.


Fest steht: Die alte Steyr zeigt, dass sie jagdlich keineswegs zum alten Eisen gehört. Bei der verwendeten .243 Winchester weist David auch auf die Grenzen des Kalibers hin. Für die Rehwildjagd ist die Patrone seit Jahrzehnten bewährt. Bei stärkerem Wild, insbesondere auf größere Entfernungen, sieht er ihre Verwendung deutlich kritischer. Entscheidend sind neben den gesetzlichen Vorgaben vor allem Geschosswahl, Auftreffenergie und eine verantwortbare Schussentfernung.



Was ist eine Steyr Mannlicher Luxus heute wert?


Wer heute eine gut erhaltene Luxus sucht, entdeckt schnell, dass die alten Österreicherinnen durchaus begehrt sind. Besonders gut erhaltene Exemplare mit hochwertigem Schaftholz, originaler Ausstattung und passenden Zielfernrohrmontagen können attraktive Preise erzielen. David beobachtet diesen Markt seit Jahren. Für ihn ist der Zustand einer solchen Büchse entscheidender als ihr Alter. Ein gepflegter Repetierer mit einwandfreiem Lauf und funktionierender Mechanik kann auch nach vier oder fünf Jahrzehnten noch ein zuverlässiger Jagdbegleiter sein.


Allerdings sollte man beim Gebrauchtkauf genauer hinsehen. Abgenutzte Sicherungen, Probleme mit dem Stecher, beschädigte Schäfte oder ermüdete Auszieherfedern können zusätzliche Kosten verursachen. Hinzu kommen ältere Zielfernrohrmontagen, für die passende Ersatzteile und Ringoberteile mitunter teuer sind.


Immerhin lassen sich viele dieser Waffen auch heute noch fachgerecht instand setzen. Dass sich eine solche Arbeit wirtschaftlich lohnt, hängt allerdings vom konkreten Zustand und den benötigten Ersatzteilen ab.



Eine Jagdbüchse, die man nicht einfach ersetzt


David mit der Steyr Mannlicher Luxus.
David mit der Steyr Mannlicher Luxus.

Natürlich haben moderne Repetierer ihre Vorteile. Sie sind häufig leichter, besitzen zeitgemäße Sicherungssysteme, widerstandsfähige Schäfte und lassen sich vielfach einfacher mit neuer Optik ausstatten. Doch eine Steyr Mannlicher Luxus muss nicht mit jedem aktuellen Modell konkurrieren.


Ihr Reiz liegt gerade in der Verbindung aus klassischem Büchsenbau, ausgereifter Mechanik und einer Verarbeitung, die auch nach Jahrzehnten Freude macht. Und wenn man David beobachtet, wie er die alte Steyr in seiner Werkstatt betrachtet, wird deutlich, dass es bei seiner Begeisterung nicht allein um technische Daten geht.


Es geht um eine Büchse, die man gerne führt. Die Gebrauchsspuren haben darf, weil sie von vergangenen Jagden erzählen. Die Steyr Mannlicher Luxus war schon 1977 kein gewöhnliches Jagdgewehr. Fast ein halbes Jahrhundert später ist sie vor allem eines: ein Stück österreichischer Jagdgeschichte, mit dem man noch immer auf die Pirsch gehen kann.






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