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Warum Schultz & Larsen unter Jägern ein Geheimtipp geblieben ist

vor 1 Tag
8 Min. Lesezeit
Schuss & Stille-Waffenexperte David mit einer Schultz & Larsen Legacy.
Schuss & Stille-Waffenexperte David mit einer Schultz & Larsen Legacy.

Schultz & Larsen gehört zu jenen Waffenherstellern, die man nicht überall im Schaufenster sieht – deren Name bei Kennern aber sofort Aufmerksamkeit erzeugt. Cut-Rifling-Läufe, klassische Stahlbauweise, ein ungewöhnlich geschmeidiger Verschluss und ein durchdachtes Wechsellaufsystem prägen die dänischen Büchsen. „Schuss & Stille“-Waffenexperte David Mischkulnig hat sich die kompakte Legacy in .223 Remington genauer angesehen. Und die ist nur ein Teil einer bemerkenswerten Modellfamilie.


Es gibt Waffen mit viel Carbon, mit kantigen Chassis, verstellbaren Schaftteile und Schienen in allen Richtungen. Und dann gibt es eine Schultz & Larsen. Holz. Stahl. Ein schlanker Lauf. Ein ziemlich unspektakulärer Zylinderverschluss. Zumindest so lange, bis man ihn zum ersten Mal bewegt.


„Der Schlossgang ist ein Wahnsinn“, sagt David Mischkulnig von Alpen Adria Jagd in Villach, als er für „Schuss & Stille“ eine Schultz & Larsen Legacy im Kaliber .223 Remington in die Hand nimmt. Seine Assoziation kommt schnell: alte Sauer-Systeme, jene Zeit, als ein sauber eingepasster Verschluss noch eines der Dinge war, an denen man die Qualität einer Büchse unmittelbar beurteilen konnte.


Auch Abzug, schlanker Schaft, Verarbeitung und Schussleistung überzeugen ihn beim Test. Und genau damit landet man mitten in der Philosophie von Schultz & Larsen.



Eine Firma, bei der selbst das Gründungsjahr eine Geschichte erzählt


Wer nach dem Gründungsjahr von Schultz & Larsen sucht, findet mitunter 1889 und 1919. Das ist kein Fehler, sondern liegt an der ungewöhnlich langen Vorgeschichte. 1889 machte sich Hans Christian Schultz in Otterup auf der dänischen Insel Fünen selbstständig. Anfangs arbeitete er als Drechsler, war aber selbst begeisterter Sportschütze und begann bald, Visierungen zu verbessern und Waffen für andere Schützen zu bearbeiten.


1904 entstand daraus eine eigentliche Büchsenmacherwerkstatt. Später kam Niels Larsen hinzu, der schließlich Schultz' Tochter Ellen heiratete und Geschäftspartner wurde. Das Unternehmen unter dem Namen Schultz & Larsen wurde 1919 registriert.


Dabei waren Schultz und Larsen nicht nur Männer, die Waffen bauten. Sie schossen selbst auf höchstem Niveau. Niels Larsen gewann zwischen 1912 und 1924 nicht weniger als fünf olympische Medaillen: einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. Sein Sohn Uffe Schultz Larsen trat später ebenfalls bei vier Olympischen Spielen an. Die DNA der Firma kommt also vom Schießstand und das erklärt einiges.


Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Modelle wie M52, M58, M60, M65, M68, später M84 und M100. Besonders die präzisen Schultz-&-Larsen-Läufe erarbeiteten sich international einen ausgezeichneten Ruf.


1994 endete die ursprüngliche Ära der Fabrik in Otterup. Die Marke wurde weitergeführt und die Produktion technisch neu aufgestellt. Das heutige Unternehmen steht unter der Leitung von Morten Krogh. Was geblieben ist, ist ausgerechnet eine der aufwendigsten Arten, einen Lauf herzustellen.



Warum bei Schultz & Larsen alles beim Lauf beginnt


Schultz & Larsen Büchsen sind für ihre präzisen Läufe bekannt,  wie dem eigenen Wechsellaufsystem
Schultz & Larsen Büchsen sind für ihre präzisen Läufe bekannt, wie dem eigenen Wechsellaufsystem

Cut Rifling, auf Deutsch sinngemäß Zugschneiden, gehört zum Markenkern. Während bei anderen Herstellungsverfahren die Züge beispielsweise durch ein Werkzeug in einem Arbeitsgang eingeprägt oder ein Lauf kaltgehämmert wird, werden beim klassischen Cut Rifling die einzelnen Züge durch viele sehr feine Schneidvorgänge erzeugt. Es wird jeweils nur eine winzige Menge Material abgetragen. Das dauert.


Nach Angaben des Schultz-&-Larsen-Vertriebs kann allein das Schneiden der Züge eines Laufes rund eineinhalb Stunden beanspruchen. Anschließend werden die Läufe innen mit einem individuell angepassten Läppwerkzeug bearbeitet.


Der technische Vorteil liegt weniger in einem pauschalen „Cut Rifling ist immer präziser“ – das wäre zu einfach – als in der sehr kontrollierten Herstellung. Beim Schneiden entstehen vergleichsweise geringe zusätzliche Spannungen im Material. Die Qualität hängt anschließend stark von Bohrung, Schneidprozess, Läppen, Laufgeometrie und Qualitätskontrolle ab. Schultz & Larsen investiert genau dort viel Aufwand. Und das merkt man spätestens auf der Scheibe.



Legacy: die kleine Schultz & Larsen


Die Legacy nimmt innerhalb der Modellfamilie eine Sonderstellung ein. Während Classic, Victory, Ambassador und Tactical einen größeren gemeinsamen Systembaukasten nutzen können, besitzt die Legacy ein eigens für kleine Patronen dimensioniertes, kompaktes System. Genau das macht sie interessant.


Die klassische Legacy wurde für .222 Remington, .223 Remington, 6×45 mm und .300 Blackout angeboten. Das System ist also nicht einfach eine große Büchse, in die eine kleine Patrone gesteckt wurde, sondern tatsächlich auf diese Kalibergruppe zugeschnitten. Das Grundgewicht wird mit etwa 2,8 Kilogramm angegeben. Je nach Kaliber stehen unterschiedliche Laufprofile zur Verfügung.


Der Verschluss besitzt drei Verriegelungswarzen, der Öffnungswinkel beträgt nur 60 Grad. Verriegelt wird direkt im Lauf. Das hat einen entscheidenden konstruktiven Vorteil: Der beim Schuss entstehende Kraftfluss wird zwischen Verschlusskopf und Lauf aufgenommen. Die Systemhülse muss nicht dieselbe Verriegelungsaufgabe übernehmen wie bei klassischen Konstruktionen mit Warzenlager im System.


Gleichzeitig ermöglicht diese Konstruktion das Schultz-&-Larsen-Wechsellaufprinzip. Die Legacy bleibt dabei allerdings unter sich: Ihre Läufe können nicht einfach mit den Läufen der großen Schultz-&-Larsen-Systeme getauscht werden. Classic, Victory, Ambassador und Tactical teilen sich dagegen grundsätzlich dieselbe Lauf-Schnittstelle; abhängig vom Kaliber können zusätzlich ein anderes Magazin oder bei Magnumkalibern ein anderer Verschluss notwendig werden.



Ein Verschluss, den man freiwillig zehnmal öffnet


Auf dem Papier klingt das alles technisch. In der Hand versteht man die Legacy schneller. Der Verschluss gleitet außergewöhnlich sauber durch die kleine Systemhülse. Keine unnötige Masse, kein langer Repetierweg. Genau das fiel David Mischkulnig bei unserem Test sofort auf.


Dazu kommt ein einstellbarer Direktabzug und eine Dreistellungssicherung. In der mittleren Position bleibt das Abzugssystem gesichert, der Verschluss kann jedoch geöffnet werden. Damit lässt sich eine geladene Büchse entladen, ohne sie zuvor in Feuerstellung bringen zu müssen. In der hinteren Stellung werden Verschluss und Schussauslösung blockiert.


Das Magazin ist herausnehmbar und aus Metall gefertigt. Auch das ist typisch Schultz & Larsen: Man sucht Kunststoff dort, wo er technisch nicht notwendig ist, ziemlich lange.




Schlank – und zwar wirklich


Interessant wird die Legacy beim Schaft. David misst und greift, dreht die Büchse in der Hand und kommt immer wieder auf dasselbe Wort zurück: schlank.


Keine dicke Varmint-Plattform, kein überdimensionierter Pistolengriff. Die getestete Büchse ist eher das klassische Werkzeug für Reh, Fuchs, Murmeltier oder Schießstand. Gerade mit .223 Remington entsteht eine Kombination, die sich leicht tragen und ausgesprochen angenehm anschlagen lässt.


Auch bei den Schäften steckt mehr Aufwand dahinter, als man zunächst vermutet. Für Standardqualitäten wird unter anderem amerikanisches Walnussholz verwendet, höhere Qualitäten können aus kaukasischem Nussbaum gefertigt werden. Die Schäfte werden mit Leinöl behandelt und gebettet.


Das führt allerdings zu einer Eigenheit, die David ebenfalls erwähnt: Ein neuer Schultz-&-Larsen-Schaft kann zunächst erstaunlich trocken beziehungsweise unspektakulär wirken. Etwas Schaftpflege holt Maserung und Tiefe des Holzes sichtbar hervor.



Slide & Lock: typisch dänische Lösung


Abzug und Sicherung
Abzug und Sicherung

Ein zweites Schultz-&-Larsen-Merkmal sitzt oben auf dem System. Die hauseigene Slide-&-Lock-Montage benötigt keine zusätzliche Basis. Die Stahlringe greifen direkt in die dafür bearbeitete Systemhülse ein. Dadurch lässt sich ein Zielfernrohr sehr tief montieren.


Bei Classic und Victory gibt es sogar zwei Positionen. Die Idee dahinter ist ungewöhnlich praxisnah: eine Sommer- und eine Winterposition. Wird mit dicker Winterbekleidung geschossen, kann das Zielfernrohr weiter hinten montiert werden, um den Augenabstand auszugleichen. Bei der kurzen Legacy reicht der Platz hingegen nur für eine Position.


Wer moderner unterwegs sein möchte, kann Picatinny verwenden.



Dann muss sie schießen


Schönes Holz und ein seidiger Verschluss sind nett. Am Ende zählt die Scheibe. David nimmt die Legacy in .223 Remington mit auf den 100-Meter-Stand. Keine handverlesene Matchlaborierung, sondern Munition, die zur jagdlichen Verwendung der Büchse passt.

Und die Dänin tut das, was man von ihr erwartet.


Schon mit normaler Fabrikmunition bleibt das Schussbild jagdlich völlig unproblematisch. Über eine längere Serie liegen die Treffer eng beisammen; einzelne Ausreißer verändern das Gesamtbild, aber die grundsätzliche Präzision der Waffe ist offensichtlich. David ist überzeugt, dass mit einer konsequent auf den Lauf abgestimmten Matchlaborierung noch deutlich mehr herauszuholen wäre.



Die anderen Dänen: Von Classic bis Tactical


Schultz & Larsen führt auf seiner aktuellen Website sechs Gewehrfamilien: Legacy, Classic, Traveller, Victory, Ambassador und Tactical.

Classic – das Arbeitstier


Die Classic ist wahrscheinlich die nüchternste Interpretation des Schultz-&-Larsen-Prinzips.

Der Hersteller beziehungsweise Vertrieb beschreibt sie selbst als „working rifle“. Rund 3,4 Kilogramm wurden für die klassische Version angegeben, Rechts- und Linksausführung sind verfügbar. Dazu kommen Dreistellungssicherung, 60-Grad-Verschluss, Wechsellauf und Slide & Lock.


Kaliberseitig ist das große System wesentlich universeller als die Legacy. Die dokumentierte Auswahl reicht von .22-250 Remington und .243 Winchester über 6,5 Creedmoor, 6,5×55, 7×64, .308 Winchester und .30-06 bis zu .300 Winchester Magnum, 9,3×62 und weiteren Magnumkalibern.


Für den österreichischen Jäger wäre eine Classic in .308 Win., 6,5 Creedmoor, 7×64 oder 9,3×62 wahrscheinlich genau das, was ihr Name verspricht: kein Schaustück, sondern eine klassische Alltagsbüchse.


Traveller – für den Jäger mit Koffer


Die Traveller treibt das Wechsellaufprinzip weiter. Bei ihr sind die Schrauben der Laufklemmung durch Öffnungen im Vorderschaft erreichbar. Dadurch kann der Lauf ausgebaut werden, ohne jedes Mal System und Schaft komplett voneinander trennen zu müssen.


Das macht aus der Konstruktion eine echte Take-down-Lösung. Gerade für Flugreisen oder kompakte Waffenkoffer ist das interessant. Ein Gewehr, drei Läufe und ein relativ kompakter Koffer – das hat etwas.

Victory – die feine Schwester


Wer Holz mag, landet zwangsläufig bei der Victory. Technisch bleibt vieles vertraut: drei Warzen, direkte Verriegelung im Lauf, Cut-Rifling, Stahlmagazin, Wechsellauf und der bemerkenswert glatte Schlossgang.


Der Unterschied liegt stärker in Ausstattung und Finish. Ein klassischer Victory-Sporter mit Holzschaft bringt ungefähr 3,6 Kilogramm auf die Waage. Es gibt beziehungsweise gab daneben aufwendig ausgestattete Schäfte und moderne Synthetic-Thumbhole-Versionen mit verstellbarer Backe. Wer eine traditionelle Jagdbüchse sucht, aber auf modularen Laufwechsel nicht verzichten möchte, findet hier vermutlich den typischsten Schultz & Larsen.


Ambassador – der Gentleman


Die Ambassador steht noch stärker auf der klassischen Seite. Schlanker, englisch inspirierter Schaft, offener Pistolengriff, hochwertige Holzsortierungen und zurückhaltende Linien. Ein Standardmodell wird mit etwa 3,6 Kilogramm angegeben, geflutete Läufe können das Gewicht etwas reduzieren.


Die Ambassador ist weniger „Werkzeugkasten“ und mehr klassische Jagdbüchse. Technisch steckt darunter trotzdem das moderne Schultz-&-Larsen-Prinzip.


Tactical – wenn Holz keine Pflicht mehr ist


Und schließlich gibt es die andere Seite der Marke. Die Tactical überträgt Lauf- und Systemtechnik in Richtung Präzisions- und Long-Range-Gewehr. Bei GMG Austria, dem Generalimporteur von Schultz & Larsen in Österreich finden sich im Produktkatalog Varianten mit Stahl- beziehungsweise Aluminiumsystem sowie MDT-Konfigurationen und Integral-MDT-Ausführungen. Die österreichischen Listenpreise beginnen dort bei rund 4.200 Euro und reichen je nach Version über 6.000 Euro.


Das ist optisch ziemlich weit entfernt von einer Legacy mit geöltem Holz. Technisch sind die Verwandtschaftsverhältnisse aber unverkennbar.



Das vielleicht spannendste System steckt zwischen Lauf und Verschluss


Genau dort liegt für uns die eigentliche Stärke der Marke. Schultz & Larsen versucht nicht, den schnellsten Geradezugverschluss zu bauen. Auch nicht die leichteste Carbonbüchse oder das modularste Militärchassis.


Die Dänen konzentrieren sich auf ein paar Dinge, die sie seit Jahrzehnten sehr gut können:

Läufe bauen. Systeme sauber fertigen. Verschlüsse präzise einpassen. Und daraus eine Jagdbüchse machen, die sich nicht nach Massenprodukt anfühlt.


Das Wechsellaufsystem ist dabei vergleichsweise simpel. Das bedeutet aber nicht, dass nach jedem Laufwechsel blind weitergejagt werden sollte. Wie bei fast allen Wechsellaufsystem empfielt es sich, eine Kontrollgruppe nach dem Umbau zu schießen. Und das ist auch unsere Empfehlung. Mechanische Wiederholgenauigkeit ist schön. Ein Kontrollschuss ist schöner.



Und was ist die Legacy nun?


Waffenexperte David ist von der Schultz & Larsen Legacy begeistert: "Leicht, sauber, elegant!"
Waffenexperte David ist von der Schultz & Larsen Legacy begeistert: "Leicht, sauber, elegant!"

Nach unserem Test ist die Legacy vielleicht die sympathischste Schultz & Larsen. Nicht weil sie die größte oder stärkste wäre. Sondern weil sie das Konzept auf das Wesentliche reduziert. Eine kleine Büchse. Ein richtig gut laufender Verschluss. Ein hervorragender Lauf. Stahl, Holz und ein Abzug, der zum präzisen Schießen passt. Keine überflüssigen Kilos und keine Technik, die man erst nach drei YouTube-Tutorials versteht.


David bringt es am Ende einfacher auf den Punkt: „Leicht, sauber, elegant.“ Und vielleicht beschreibt das Schultz & Larsen insgesamt ziemlich gut. Die Firma ist heute weder der größte noch der lauteste Waffenhersteller Europas. Geradezug, Carbon und Elektronik verkaufen sich leichter als eine Erklärung darüber, warum jemand eineinhalb Stunden lang Züge in einen Lauf schneidet und ihn anschließend von Hand läppt.


Aber genau darin steckt der Reiz. Schultz & Larsen baut Büchsen für Jäger, die einen Verschluss einmal öffnen – und ihn danach gleich noch einmal öffnen, einfach weil er sich so gut anfühlt.






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