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Carbon: Wie ein Kärntner Bergjäger die Jagdausrüstung leichter macht

  • vor 21 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
 HEP Carbon-Gründer Christian Fleischhacker in der Werkstatt mit Highend-Zielstock "Ultimate Flexible!"
HEP Carbon-Gründer Christian Fleischhacker in der Werkstatt mit Highend-Zielstock "Ultimate Flexible!"

Der Morgennebel hängt noch zwischen den Lärchen. Hier oben auf der Kärntner Flattnitz, auf über 1.400 Metern Seehöhe, wo Hirsch und Gams zum Alltag gehören, entstehen Produkte, die mittlerweile weit über Kärnten hinaus bekannt sind. Kein Großkonzern, keine sterile Entwicklungsabteilung, kein Marketinglabor. Sondern eine Werkstatt, ein Tüftler – und eine Menge Leidenschaft.


Christian Fleischhacker begrüßt uns mit festem Händedruck. Der Diplomingenieur, Bergjäger und Tüftler verbringt einen großen Teil seines Lebens draußen im Revier. Genau dort entstehen auch seine Ideen. „Viele Produkte werden heute am Computer entwickelt und konstruiert. Meine entstehen draußen am Berg“, sagt Christian und greift nach einem seiner Carbon-Zielstöcke.


Denn HEP Carbon steht für „High End Precision Carbon“. Und der Name ist Programm. Was als persönliches Tüftlerprojekt begann, entwickelte sich während der Corona-Zeit zu einem Unternehmen, dessen Produkte heute bei Bergjägern weltweit im Einsatz sind.



Der Wunsch nach dem perfekten Schuss


Begonnen hat alles mit einem Problem.

Schon als Bub war Fleischhacker mit seinem Onkel auf der Jagd. Der setzte bereits damals konsequent auf Zielstöcke und sichere Schussauflagen. „Er hat immer gesagt: Ein sicherer Schuss ist die Grundlage einer weidgerechten Jagd.“ Später jagte Fleischhacker selbst mit klassischen Holzstöcken. Doch ganz zufrieden war er nie.


„Holz hat Grenzen. Es ist schwerer, lauter und bei der Steifigkeit eingeschränkt.“ Durch sein Studium der Holz- und Naturfasertechnologie kannte er die Eigenschaften moderner Werkstoffe genau. Schnell war klar: Wenn man maximale Steifigkeit bei minimalem Gewicht sucht, führt kein Weg an Carbon vorbei. Also begann der heute 35-Jährige zu experimentieren.


Carbon ist Fleischhackers Werkstoff
Carbon ist Fleischhackers Werkstoff

Die ersten Prototypen bestanden aus einfachen Carbonrohren. Danach folgten zahllose Versuche mit Materialstärken, Fasertypen und Verbindungssystemen. Heute verwendet Fleischhacker hochfeste Carbonfasern mit Wandstärken zwischen 1,5 und 2,2 Millimetern – je nach Einsatzbereich.


Besonderes Augenmerk legte er auf ein Problem, das viele Bergjäger kennen: Geräusche. Während Carbonrohre oft hart und laut wirken, entwickelte Fleischhacker spezielle Ummantelungen, die den Stock nahezu lautlos machen. Gleichzeitig verbessert die Oberfläche die Griffigkeit und verhindert kalte Hände im Winter.



Vom Zielstock zum Bergstock


Fleischhacker zeigt uns seinen Highend-Carbon-Zielstock "Ultralight Silent"
Fleischhacker zeigt uns seinen Highend-Carbon-Zielstock "Ultralight Silent"

In seiner Werkstatt präsentiert Fleischhacker uns seine beiden Zielstöcke „Ultralight Silent“ und seinen "Ultimate Flexible!". Ziel- und Bergstöcke, der beides können soll: sicherer Schuss und zuverlässige Unterstützung im alpinen Gelände. Der Stock lässt sich in Sekunden vom Bergstock zur Schießhilfe umbauen. Besonders stolz ist der Kärntner auf sein fünftes Bein - beim Modell "Ultimate Flexible!"


Was zunächst kurios klingt, entpuppt sich in der Praxis als geniale Lösung. Das zusätzliche Carbonbein wird mittels Neodym-Magnet befestigt und ermöglicht eine erstaunlich ruhige Schussposition. „Wenn es schnell gehen muss, bleibt das fünfte Bein einfach verstaut. Für weite Schüsse montiere ich es in Sekunden.“

Dazu kommen Wolframspitzen für felsiges Gelände, geräuscharme Kunststoffspitzen für die Pirsch sowie verschiedene Längen- und Teilungsvarianten.



Der Kärntner Tüftler zeigt uns seine Bergstöcke, die es zwei oder dreiteilig gibt oder sogar als innovatives Hybrid-Modell, das Wanderstöcke und einen Bergstock kombiniert.
Der Kärntner Tüftler zeigt uns seine Bergstöcke, die es zwei oder dreiteilig gibt oder sogar als innovatives Hybrid-Modell, das Wanderstöcke und einen Bergstock kombiniert.

Wenn jedes Gramm zählt


Wer Christian Fleischhacker in seiner Werkstatt besucht, erkennt schnell ein Muster.

Alles dreht sich um Gewicht. Oder besser gesagt: um die Reduktion davon. Seine Bergstöcke bestehen aus hochfesten Carbonblanks mit bis zu 2,2 Millimetern Wandstärke. Titan und 7075er Flugzeugaluminium kommen dort zum Einsatz, wo höchste Belastbarkeit gefragt ist.


Das Ziel: maximale Stabilität bei minimalem Gewicht. Besonders eindrucksvoll wird diese Philosophie bei der Lastenkraxe „Sherpa“. Fleischhacker suchte jahrelang nach einer Trage, die den Anforderungen moderner Bergjäger entspricht. Holzkraxen waren ihm zu schwer, Aluminiumkraxen ebenfalls.



Also entwickelte er eine eigene Carbon-Konstruktion. Das Ergebnis ist eine ultraleichte Lastenkraxe mit Carbonrahmen, dicker Polsterung und modularen Taschenlösungen. Wild kann quer getragen werden, wodurch das Gewicht deutlich näher am Körper liegt. Fleischhacker: „Gerade beim Bergen von erlegtem Wild oder beim Salztragen merkt man sofort, wie wichtig die Gewichtsverteilung ist.“



Rucksäcke für die Bergjagd


Auch bei den Rucksäcken folgt Fleischhacker konsequent seiner Philosophie. Der Gladiator mit 46 Litern sowie die kleinere Light-Version wurden speziell für die Bergjagd entwickelt. Beide Modelle sind mit der Sherpa-Kraxe kompatibel und verfügen über ausgeklügelte Waffenhalterungen.



Die Büchse kann seitlich oder mittig getragen werden und lässt sich mit einem Griff aus der Halterung lösen. Das Besondere: Trotz montierter Waffe bleibt der Rucksack vollständig zugänglich. Im Inneren sorgt eine orangefarbene Auskleidung dafür, dass Ausrüstung auch bei schlechten Lichtverhältnissen schnell gefunden wird.




HEP Carbon Jagdmesser Elite Hunter Carbon
HEP Carbon Jagdmesser Elite Hunter Carbon

Messer für Minimalisten


Selbst bei Jagdmessern verfolgt Fleischhacker konsequent den Leichtbaugedanken. Die Modelle „Elite Hunter“ und „Ultralight“ setzen auf hochwertige Böhler-Stähle, Carbon-Griffschalen und extrem leichte Konstruktionen.


Dazu kommt eine eigens entwickelte Knochensäge mit Titanrahmen und K390-Stahl. Auch hier gilt: So viel Material wie nötig. So wenig Gewicht wie möglich.




Entwickelt im Revier


Längst ist uns klar geworden, warum die Produkte von HEP Carbon so völlig anders wirken. Sie entstehen nicht auf Basis von Marktanalysen oder Trendstudien. Sie entstehen aus jagdlichen Erfahrungen.


Genau das beschreibt auch die Philosophie des Unternehmens: Produkte werden im Revier entwickelt und müssen sich dort bewähren. Nur Ausrüstung, die in der Praxis überzeugt, schafft es ins Sortiment. Fleischhacker: „Ich bin Jäger, Bergjäger und Tüftler. Mir macht es Freude, Probleme zu lösen.“ Und genau das spürt man in jedem Detail.



HEP Carbon ist somit weit mehr als ein Hersteller ultraleichter Jagdausrüstung. Hinter der Marke steht ein Kärntner Bergjäger, der Produkte nicht entwickelt, um Kataloge zu füllen. Vom Zielstock über die Carbon-Kraxe bis zum Jagdmesser zieht sich ein roter Faden durch das gesamte Sortiment: maximale Funktion, kompromisslose Praxistauglichkeit und der Wille, jedes Detail immer weiter zu verbessern.


Genau das macht HEP Carbon zu einer der spannendsten Innovationen, die derzeit aus den Kärntner Bergen kommen.




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