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Kaiser Franz Joseph – Der wohl berühmteste Jäger Österreichs

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Kaiser Franz Joseph im Kreise seiner Förster mit einem erlegten Zwölfender in Mitter-Weißenbach bei Bad Ischl am 24. August 1912. Quelle: Landessammlungen Niederösterreich
Kaiser Franz Joseph im Kreise seiner Förster mit einem erlegten Zwölfender in Mitter-Weißenbach bei Bad Ischl am 24. August 1912. Quelle: Landessammlungen Niederösterreich


Über 55.000 Stück Wild, unzählige Pirschgänge und eine Leidenschaft, die sein Leben bis ins hohe Alter prägte: Kaiser Franz Joseph I. war weit mehr als Staatsoberhaupt der Donaumonarchie. In den Wäldern des Salzkammerguts, den Bergen der Steiermark und den Revieren rund um Bad Ischl war er vor allem eines – ein leidenschaftlicher Weidmann. Seine Jagden schrieben Geschichte und prägen die österreichische Jagdkultur bis heute.


Wenn Kaiser Franz Joseph I. seine Uniform gegen eine Lodenjoppe tauschte, die kurze Lederhose anzog und den Gamsbarthut aufsetzte, verschwand für einige Stunden der mächtigste Mann der Donaumonarchie. Aus dem Kaiser wurde ein Jäger. Einer, der den Tag oft noch vor Sonnenaufgang begann, stundenlang durch steiles Gelände stieg und in den Bergen jene Ruhe fand, die ihm das politische Leben kaum erlaubte.


Die Jagd war für Franz Joseph keine höfische Inszenierung. Sie war Ausgleich, Lebensinhalt und jahrzehntelang fester Bestandteil seines Alltags. Historiker bezeichnen ihn nicht ohne Grund als den wohl berühmtesten Jäger Österreichs. Während seiner fast 68-jährigen Regentschaft führte er unzählige Jagden durch und soll im Laufe seines Lebens rund 55.000 Stück Wild erlegt haben – darunter Hirsche, Gämsen, Rehe, Wildschweine sowie Auer- und Birkwild. Sämtliche Strecken wurden akribisch dokumentiert und in den Hofjagdbüchern festgehalten.



Der Kaiser als Bergjäger


Wer heute an Franz Joseph denkt, hat meist das Bild des alten Monarchen vor Augen: weißer Vollbart, grüner Lodenrock, Lederhose und Bergstock. Dieses Bild entstand nicht zufällig. Die Jagd war sein einziges echtes Hobby. Während andere Herrscher Europas prunkvolle Hofgesellschaften bevorzugten, suchte Franz Joseph die Einsamkeit der Wälder.


Besonders liebte er das Salzkammergut. Rund 60 Sommer seines Lebens verbrachte er in Bad Ischl, das er selbst als seine eigentliche Heimat bezeichnete. Von der Kaiservilla aus brach er beinahe täglich in die umliegenden Reviere auf. Auch Mürzsteg in der Steiermark, Eisenerz, Offensee, Langbathsee oder Radmer gehörten zu seinen bevorzugten Jagdgebieten.



Ein Foto, das Geschichte erzählt


Die Aufnahme von Franz Joseph mit seinen Förstern und dem erlegten Zwölfender wurde mittels Adobe Photoshop nachkoloriert, um die Kleidung besser darstellen zu können. Quelle: Landessammlungen Niederösterreich
Die Aufnahme von Franz Joseph mit seinen Förstern und dem erlegten Zwölfender wurde mittels Adobe Photoshop nachkoloriert, um die Kleidung besser darstellen zu können. Quelle: Landessammlungen Niederösterreich

Zu den bekanntesten historischen Aufnahmen zählt jenes Bild vom 24. August 1912, das Franz Joseph gemeinsam mit seinen Förstern in Mitterweißenbach bei Bad Ischl zeigt.

Vor den Männern liegt ein kapitaler Zwölfender, den der Kaiser kurz zuvor erlegt hatte.


Franz Joseph ist damals bereits 82 Jahre alt. Trotzdem nimmt er noch regelmäßig an Pirschgängen teil. Die Aufnahme wirkt beinahe zeitlos: Der Kaiser steht nicht im Mittelpunkt einer militärischen Inszenierung, sondern als Teil einer Jagdgesellschaft. Links und rechts von ihm seine Berufsjäger, im Vordergrund der Hirsch – ein klassisches Streckenbild jener Zeit.


Bemerkenswert ist auch die Kleidung. Franz Joseph trägt jene Ausrüstung, die bis heute als Inbegriff der traditionellen österreichischen Jagdbekleidung gilt: Lodenjoppe, kurze Lederhose, Wadenstrümpfe, Gamsbarthut und genagelte Bergschuhe.



Seine Förster waren mehr als Begleiter


Auf historischen Fotos stehen neben dem Kaiser fast immer dieselben Männer – seine Förster und Berufsjäger. Sie waren weit mehr als Jagdbegleiter. Sie beobachteten die Wildbestände über Monate hinweg, kannten die Einstände der Hirsche, führten Abschusslisten und sorgten dafür, dass die Jagden des Kaisers reibungslos verliefen.


Viele von ihnen galten als hervorragende Pirschführer und Wildbiologen ihrer Zeit. Was heute als professionelles Wildtiermanagement bezeichnet wird, hatte damals bereits erstaunlich moderne Ansätze. Wildbestände wurden dokumentiert, Brunftplätze beobachtet und Abschüsse genau geplant. Der Kaiser legte großen Wert darauf, dass seine Reviere langfristig leistungsfähig blieben.



Kein Trophäensammler ohne Disziplin


Die beeindruckende Zahl von über 55.000 erlegten Wildtieren wirkt aus heutiger Sicht gewaltig. Man darf sie jedoch nicht mit modernen Maßstäben vergleichen.

Franz Joseph jagte über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg, oftmals an mehreren Tagen pro Woche. Hofjagden dauerten häufig mehrere Tage und fanden in einigen der wildreichsten Reviere Mitteleuropas statt.


Zeitzeugen beschrieben den Monarchen als äußerst disziplinierten Schützen, der seine Pirschgänge ernst nahm und selbst im hohen Alter noch weite Märsche durch alpines Gelände absolvierte.



Welche Waffen führte der Kaiser?


Auch waffengeschichtlich war Franz Joseph eine prägende Figur. Im Laufe seines langen Lebens erlebte er den wohl größten technischen Wandel der Jagdwaffen des 19. Jahrhunderts – vom Vorderlader über Kipplaufbüchsen bis hin zu modernen Repetiergewehren.


Besonders eng verbunden war der Kaiser mit der österreichischen Waffenindustrie in Steyr. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen zunehmend Mannlicher-Repetierer bei den Hofjagden zum Einsatz. Individuell angefertigte Jagdbüchsen gehörten ebenso zu seiner Ausrüstung wie hochwertige Kipplaufwaffen aus Ferlach und anderen Hoflieferanten. Die legendäre Mannlicher-Schönauer, die 1903 vorgestellt wurde, fiel zwar noch in seine Regierungszeit, ob sie tatsächlich regelmäßig von Franz Joseph geführt wurde, lässt sich jedoch historisch nicht eindeutig belegen.



Ein Denkmal für den Weidmann


Das berühmte Jagdstandbild in Bad Ischl
Das berühmte Jagdstandbild in Bad Ischl

Wie sehr die österreichischen Jäger ihren Kaiser verehrten, zeigt ein außergewöhnliches Denkmal in Bad Ischl.


1910, zu seinem 80. Geburtstag, wurde dort das berühmte Jagdstandbild Kaiser Franz Josephs enthüllt. Rund 3.000 Jäger sollen damals am Monarchen vorbeimarschiert sein. Die Bronzefigur zeigt ihn nicht als Feldherrn oder Herrscher, sondern in Jagdkleidung, mit Bergstock und einem erlegten Hirsch zu seinen Füßen – ein deutliches Zeichen dafür, womit ihn seine Zeitgenossen am stärksten verbanden.



Das Vermächtnis eines Weidmannes


Mit dem Ende der Monarchie verschwand zwar die kaiserliche Hofjagd, ihr Einfluss ist jedoch bis heute spürbar. Loden, Lederhose, Gamsbarthut und Jagdhorn gehören ebenso zur österreichischen Jagdkultur wie der respektvolle Umgang mit dem Wild und die hohe Wertschätzung gut ausgebildeter Berufsjäger.


Franz Joseph verstand die Jagd nicht als gesellschaftliches Spektakel, sondern als festen Bestandteil seines Lebens und vielleicht fasziniert er uns genau deshalb noch bis heute. Hinter dem Monarchen stand ein Mensch, der in den Bergen Ruhe fand, der das Weidwerk liebte und der Österreichs Jagdgeschichte wie kaum ein anderer geprägt hat.






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