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Jagd als Wirtschaftsmotor: Warum Österreichs Jäger 800 Millionen Euro bewegen

8. Juli
3 Min. Lesezeit
Österreichs Jägerinnen und Jäger sind ein bedeutender Wirtschaftsmotor.
Österreichs Jägerinnen und Jäger sind ein bedeutender Wirtschaftsmotor.

Immer mehr Menschen lösen in Österreich eine Jagdkarte. Doch der wahre Wert der Jagd lässt sich nicht allein an den steigenden Zahlen ablesen. Hinter jedem Revier, jedem Hochsitz und jeder Wildäsungsfläche steckt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schafft, den ländlichen Raum stärkt und jährlich hunderte Millionen Euro zur österreichischen Wertschöpfung beiträgt.


Wer an Jagd denkt, hat meist den morgendlichen Ansitz, den Ruf des Hirsches in der Brunft oder den stillen Pirschgang im Kopf. Kaum jemand verbindet das Weidwerk mit Volkswirtschaft, Steueraufkommen oder Arbeitsplätzen. Dabei zählt die Jagd längst zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen des ländlichen Raums.


Von der Büchse über Wärmebildtechnik bis hin zum Geländewagen, der Revierpflege oder dem Bau eines Hochsitzes – nahezu jeder Euro, den Jäger investieren, fließt wieder in heimische Unternehmen zurück. Die Jagd ist damit weit mehr als ein Hobby. Sie ist ein beachtlicher Wirtschaftsmotor.



Fast 800 Millionen Euro Wertschöpfung


Bereits die von Wirtschaftswissenschafter Univ.-Prof. Friedrich Schneider erstellte Studie zeigte, welche volkswirtschaftliche Bedeutung die Jagd besitzt. Demnach erwirtschaftet sie in Österreich jährlich eine Bruttowertschöpfung von rund 731 Millionen Euro.


Durch Preissteigerungen, höhere Investitionen und die wachsende Zahl an Jägerinnen und Jägern wird die Wirtschaftsleistung der Jagd heute bereits auf nahezu 800 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Gleichzeitig fließen jährlich rund 126 Millionen Euro an direkten Steuern und Sozialabgaben sowie weitere 146 Millionen Euro an indirekten Steuern in die öffentlichen Kassen.


Gemessen am österreichischen Bruttoinlandsprodukt mag dieser Anteil auf den ersten Blick klein erscheinen. Betrachtet man jedoch, dass diese Wertschöpfung von einer vergleichsweise kleinen Bevölkerungsgruppe erwirtschaftet wird, gewinnt sie eine völlig neue Dimension.




So viele Jäger wie noch nie


Auch die aktuelle Jagdstatistik der Statistik Austria zeigt deutlich: Die Jagd erfreut sich weiterhin wachsender Beliebtheit. Im Jagdjahr 2024/25 wurden österreichweit rund 139.600 gültige Jahresjagdkarten ausgegeben. Dazu kommen etwa 11.500 Jagdgastkarten. Damit wurde erneut ein Höchststand erreicht.


Innerhalb von nur vier Jahren ist die Zahl der Jahresjagdkarten damit um fast 10.000 beziehungsweise rund 7,5 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung zeigt, dass sich immer mehr Menschen für Jagd, Natur und nachhaltige Wildbewirtschaftung begeistern.




Jäger investieren überdurchschnittlich viel


Nahezu 800 Millionen Euro geben Österreichs Jäger alljährlich für die Jagd aus, wie etwa für den Erwerb von hochmodernen Jagdwaffen.
Nahezu 800 Millionen Euro geben Österreichs Jäger alljährlich für die Jagd aus, wie etwa für den Erwerb von hochmodernen Jagdwaffen.

Jagd zählt zu den kostenintensivsten Freizeitbeschäftigungen überhaupt. Bereits die Schneider-Studie errechnete jährliche Ausgaben von rund 575 Millionen Euro, die ausschließlich für die Jagdausübung aufgewendet werden. Seitdem haben sich Preise für Waffen, Optiken, Wärmebildtechnik, Munition, Fahrzeuge und Jagdbekleidung deutlich erhöht.


Ob moderne Wärmebildvorsatzgeräte, Schalldämpfer, hochwertige Zieloptiken oder Geländefahrzeuge – Jäger investieren kontinuierlich in ihre Ausrüstung. Davon profitieren Büchsenmacher ebenso wie Waffenhändler, Optikhersteller, Forstbetriebe, Revierausstatter oder regionale Handwerksbetriebe.


Auch die Pflege der Reviere verursacht erhebliche Investitionen. Wildäcker werden angelegt, Hochsitze gebaut, Forstwege instand gehalten und Äsungsflächen gepflegt. Viele dieser Arbeiten vergeben Jagdpächter an heimische Unternehmen oder erledigen sie gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben.



Millionen Stunden freiwillige Arbeit


Ein oft unterschätzter Aspekt ist die enorme Eigenleistung der österreichischen Jägerschaft.

Jäger verbringen unzählige Stunden mit Wildzählungen, Biotoppflege, Nachsuchen, Wildschadensverhütung, Hegearbeiten oder der Betreuung von Wildtieren.


Nach aktuellen Berechnungen leisten Österreichs Jäger jährlich rund 10,6 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit. Der volkswirtschaftliche Gegenwert dieser Leistungen wird auf etwa 240 Millionen Euro geschätzt.


Ohne dieses freiwillige Engagement müssten viele dieser Aufgaben von der öffentlichen Hand übernommen oder finanziert werden.




Besonders der ländliche Raum profitiert


Kaum ein anderer Wirtschaftszweig ist so eng mit dem ländlichen Raum verbunden wie die Jagd. Von kleinen Büchsenmacherbetrieben über Forstunternehmen bis hin zu Gastronomie, Hotellerie und Jagdtourismus profitieren zahlreiche Branchen direkt oder indirekt vom Weidwerk. Nach aktuellen Berechnungen sichert die Jagd österreichweit rund 5.900 Arbeitsplätze.


Gerade in strukturschwächeren Regionen entstehen dadurch wichtige Einkommen, die vielfach in der Region bleiben und dort erneut investiert werden.



Mehr als nur Zahlen


Die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd lässt sich zwar in Millionenbeträgen ausdrücken. Ihr tatsächlicher Wert geht jedoch weit darüber hinaus. Jäger erhalten Lebensräume, investieren in den Schutz heimischer Wildarten, leisten unzählige Stunden freiwilliger Arbeit und sorgen dafür, dass nachhaltige Wildbewirtschaftung überhaupt möglich bleibt.


Die steigende Zahl der Jagdkarten zeigt deshalb nicht nur das wachsende Interesse am Weidwerk. Sie dokumentiert auch, dass immer mehr Menschen bereit sind, Verantwortung für Natur, Wildtiere und Kulturlandschaft zu übernehmen.


Die Jagd ist damit weit mehr als Tradition oder Freizeitbeschäftigung – sie ist ein bedeutender Bestandteil des ländlichen Österreichs und ein Wirtschaftsfaktor, dessen Bedeutung in den kommenden Jahren weiter wachsen dürfte.



Die Jagd in Österreich – aktuelle Zahlen (2024/25)


  • 139.600 gültige Jahresjagdkarten

    11.500 Jagdgastkarten

  • 800 Mio. Euro jährliche Wirtschaftsleistung

  • 731 Mio. Euro Bruttowertschöpfung (Schneider-Studie)

  • 126 Mio. Euro direkte Steuern und Sozialabgaben

  • 146 Mio. Euro indirekte Steuern

  • 10,6 Mio. Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Jahr

  • 240 Mio. Euro geschätzter Wert der freiwilligen Leistungen

  • rund 5.900 Arbeitsplätze werden durch die Jagd gesichert


Quellen: Statistik Austria (Jagdstatistik 2024/25), Jagd Österreich, Studie Univ.-Prof. Friedrich Schneider.






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