Mannlicher Luxus: Geniale Jagdbüchse mit einem kleinen Schönheitsfehler

Edles Nussbaumholz, kunstvolle Gravuren, ein ausgeklügeltes Wechsellaufsystem und österreichische Büchsenmachertradition: Mit der Mannlicher Luxus wollte Steyr Mitte der 2000er-Jahre neue Maßstäbe setzen. Technisch war der Repetierer seiner Zeit in mancher Hinsicht voraus. Doch ausgerechnet eine seiner innovativsten Konstruktionen konnte zum Problem werden. „Schuss & Stille“-Waffenexperte David Mischkulnig von der Alpen Adria Jagd in Villach hat sich eine Luxus im Kaliber .308 Winchester näher angeschaut Und am Schießstand erlebt die Österreicherin eine interessante Überraschung.
Wenn man eine Vorliebe für klassische Jagdwaffen mit ungewöhnlicher Technik hat, dann ist man bei der Mannlicher Luxus richtig. „Sie war ihrer Zeit ein bisschen voraus“, meint „Schuss & Stille“-Waffenexperte David Mischkulnig, während er den Repetierer in seiner Werkstatt betrachtet. Und damit trifft er den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Denn die Mannlicher Luxus ist nicht jene legendäre Büchse aus den 1970er-Jahren. Es handelt sich um ihre deutlich jüngere Nachfolgerin. Eine Jagdwaffe, die traditionelle Eleganz mit einem modularen System verbinden sollte.
Das Konzept war ebenso einfach wie verlockend: Eine hochwertige Jagdbüchse für unterschiedliche Wildarten und Jagdreviere – vom heimischen Rehbock bis zum afrikanischen Büffel.
Eine Luxus, die mit ihren Vorgängern wenig gemein hat
Die Geschichte des Namens Mannlicher Luxus beginnt 1977. Damals präsentierte Steyr einen besonders hochwertigen Repetierer mit klassischem Nussbaumholzschaft, Stahlmagazin und einem Sechswarzenverschluss, dessen Verriegelung im hinteren Systembereich erfolgte.
Die Waffe wurde zu einem Klassiker österreichischer Jagdwaffenfertigung. Doch während andere Hersteller zunehmend auf modulare Systeme setzten, blieb die ursprüngliche Luxus ihrer traditionellen Konstruktion treu.
Das änderte sich Mitte der 2000er-Jahre. Steyr entwickelte eine völlig neue Luxus, deren Markteinführung in die Jahre 2006/2007 fällt. Der Name blieb, technisch schlug das Unternehmen jedoch einen anderen Weg ein. Erstmals stand bei diesem Modell die Möglichkeit eines einfachen Lauf- und Kaliberwechsels im Mittelpunkt.
Damit bewegte sich Steyr in einem Markt, in dem unter anderem Blaser mit der R93 und Mauser mit der M03 bereits auf Wechselkalibersysteme setzten. Allerdings wollte Steyr nicht einfach ein bestehendes Konzept kopieren. Die Österreicher entwickelten eine eigene Lösung – mit einigen bemerkenswerten Details.
Aluminium, Stahl und sechs Verriegelungswarzen
Der erste große Unterschied zur ursprünglichen Luxus steckt im Systemgehäuse. Statt einer klassischen Stahlkonstruktion besitzt die jüngere Mannlicher Luxus ein Gehäuse aus einer hochfesten Aluminiumlegierung.
Das spart Gewicht und ermöglicht eine interessante Bauweise: Vorderschaft und Hinterschaft sind getrennte Bauteile, die am zentralen System befestigt werden.
Doch wie verträgt sich Aluminium mit den enormen Kräften beim Schuss? „Die Verriegelung erfolgt natürlich wieder in Stahl“, erklärt David.
Tatsächlich verriegelt der Zylinderverschluss mit sechs Warzen unmittelbar im stählernen Verriegelungsbereich der Laufgruppe. Anders als bei der alten Luxus befinden sich diese Warzen vorne am Verschlusskopf.
Dadurch werden die beim Schuss entstehenden Kräfte überwiegend innerhalb der Stahlkomponenten aufgenommen. Das Aluminiumgehäuse dient vor allem als tragende Verbindung zwischen Laufgruppe, Verschlussführung und Schaft.
Eine Jagdbüchse, viele Möglichkeiten
Richtig interessant wird die Luxus durch ihre Modularität. Steyr entwickelte die Büchse so, dass sich unterschiedliche Laufgruppen verwenden lassen. Der Jäger konnte damit beispielsweise zwischen einer .243 Winchester für die Rehwildjagd und einer .30-06 Springfield für stärkeres Schalenwild wechseln. Je nach Kaliberkombination waren zusätzlich ein passender Verschluss und ein anderes Magazin erforderlich.

Das Besondere: Die Zielfernrohrmontage sitzt nicht auf dem eigentlichen Systemgehäuse, wie etwa bei der Blaser R8, sondern auf einer Schiene, die zur Laufgruppe gehört. Somit bleibt das Zielfernrohr beim Laufwechsel mit dem jeweiligen Lauf verbunden.
Steyr bewarb dieses Konzept seinerzeit ausdrücklich mit der Möglichkeit, den Lauf samt Optik ohne neuerliches Einschießen zu wechseln. Ein interessanter Ansatz, der gerade für Jäger mit unterschiedlichen Revieren attraktiv war.
Bei der Kontrolle zeigt David, wie sich Laufgruppe und System voneinander unterscheiden. Dabei wird auch die Stahlaufnahme sichtbar, über die der Lauf seine definierte Position im Gehäuse erhält. „Das ist schon gut überlegt“, meint der Waffenexperte anerkennend. Wie bei jedem Wechselkalibersystem müssen dabei sämtliche Komponenten zum jeweiligen Kaliber passen. Und auch wenn der Hersteller eine wiederholgenaue Treffpunktlage versprach, gehört deren Kontrolle nach einem Wechsel für einen verantwortungsbewussten Jäger selbstverständlich dazu.
Luxus bedeutet auch Individualität
Neben der Technik hat Steyr bei der jüngeren Luxus großen Wert auf die Optik gelegt.
Die Steyr Mannlicher Luxus besitzt einen eleganten Nussbaumholzschaft mit ausgeprägter Maserung, sauber geschnittener Fischhaut und einer bayerischen Backe. Doch die wirkliche Besonderheit befindet sich am Systemgehäuse.
Dort sitzen auf beiden Seiten dekorative Metallplatten mit aufwendigen Jagdmotiven. Und diese lassen sich tatsächlich austauschen! David demonstriert das Prinzip in seiner Werkstatt. Die Platten werden über ein einfaches Druckknopfsystem befestigt. „Das hält bombenfest“, erklärt er.
Die Idee dahinter: Der Besitzer sollte seine Jagdbüchse nach persönlichen Vorstellungen gestalten können. Heute ein Hirschmotiv, morgen eine Wildschweingravur oder vielleicht sogar ein individuell angefertigtes Schmuckstück. Damit war die Luxus nicht bloß ein Gebrauchsgegenstand, sondern auch ein Ausdruck persönlicher Jagdleidenschaft.
Das war keineswegs selbstverständlich. Schließlich dominierten damals längst funktionelle Kunststoffschäfte und sachlich gestaltete Systemgehäuse den Markt. Steyr setzte bewusst einen Kontrapunkt. Selbst die Magazinbodenplatte konnte als dekoratives Element gestaltet werden. Eine kleine Besonderheit, die zur exklusiven Positionierung des Modells passte.
Die bewährte Steyr-Rollensicherung
Bei aller Experimentierfreude griffen die Konstrukteure aber auch auf bewährte Technik zurück. Dazu gehört die charakteristische Steyr-Rollensicherung am Kolbenhals. Das dreistufige System unterscheidet zwischen Feuerstellung, gesicherter Ladestellung und vollständiger Sicherung mit blockiertem Kammergriff.
Besonders praktisch ist die Möglichkeit, den Verschluss bei gesichertem Abzug öffnen zu können. David kennt diese Sicherung aus zahlreichen anderen Steyr-Modellen. „Das ist ein super System. Funktioniert auch nach Jahren noch zuverlässig“, erklärt er.
Unser Luxus besitzt außerdem einen kombinierten Direkt- und Stecherabzug. Dieser lässt sich gewöhnlich mit einem Abzugsgewicht von rund 1,8 bis 1,9 Kilogramm betätigen. Für einen besonders feinen Abzug kann der französische Stecher verwendet werden. Allerdings kennt David aus der Werkstatt auch eine Eigenheit dieser Konstruktion: Wird der eingestochene Abzug ungünstig seitlich belastet, kann die Auslösung ausbleiben. Für einen Büchsenmacher ist das kein unbekanntes Phänomen.
Ein wunderschöner Lauf – und ein ungewöhnliches Detail
Auch die jüngere Mannlicher Luxus besitzt jene kaltgehämmerten Läufe, für die Steyr seit Jahrzehnten bekannt ist. Ihre charakteristische spiralförmige Oberflächenstruktur ist sofort erkennbar.
„Das ist für mich einfach ein Markenzeichen von Steyr“, sagt David. Für unseren Test wurde die Büchse mit einem Swarovski Z8i 2–16×50 und einem Schalldämpfer von Svemko ausgestattet. Gerade das Zielfernrohr begeistert den Waffenexperten. Der große Vergrößerungsbereich ermöglicht einen vielseitigen jagdlichen Einsatz, während das 50-Millimeter-Objektiv auch bei schwächerem Licht gute Voraussetzungen bietet.

Doch nun kommen wir zu jenem Detail, das ausgerechnet bei dieser technisch anspruchsvollen Jagdbüchse Fragen aufwirft: Die freischwingende Montageschiene.
Die Zielfernrohrschiene ist konstruktionsbedingt mit der Laufgruppe verbunden. Im hinteren Bereich liegt sie nicht vollflächig auf dem Aluminiumgehäuse auf. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Schließlich muss sich der Lauf samt Optik vom System trennen lassen.
Allerdings kann sich diese Konstruktion unter ungünstigen Umständen als empfindlich erweisen. „Wenn ich hinten auf das Glas drücke, bewegt sich die Schiene“, erklärt David.
Genau darin liegt das Problem.
Wird beim Schießen beispielsweise ein Rucksack so als Auflage verwendet, dass Druck auf das Zielfernrohr beziehungsweise die Montageschiene entsteht, kann sich deren Position geringfügig verändern. Und das wirkt sich möglicherweise auf die Treffpunktlage aus. David kennt diese Eigenheit aus seiner langjährigen Werkstattpraxis. Bei einigen Luxus-Büchsen wurde deshalb versucht, die hintere Schienenabstützung konstruktiv zu verbessern. Entscheidend ist dabei eine fachgerechte Ausführung. Eine verspannte oder falsch abgestützte Montage kann selbst wieder zum Präzisionsproblem werden.
Dass es sich nicht bloß um eine theoretische Überlegung handelt, zeigt unser Schießstandtest.

Warum konnte sich die Mannlicher Luxus dennoch nicht dauerhaft durchsetzen?
Bleibt nur noch die Frage, weshalb diese interessante Jagdbüchse heute nur noch vergleichsweise selten anzutreffen ist. Schließlich bot sie zahlreiche Eigenschaften, die auch moderne Jäger schätzen: hochwertige Verarbeitung, ein modular aufgebautes System, mehrere Kaliberoptionen und eine eigenständige Optikmontage.
David erinnert sich, dass die Luxus ursprünglich recht teuer angeboten wurde und später teilweise deutlich günstiger erhältlich war. Auch die technische Komplexität dürfte die Vermarktung nicht erleichtert haben. Denn so interessant das Konzept war, so anspruchsvoll konnte es bei Wartung und Montage werden.
Andere Hersteller setzten teilweise auf einfachere Lösungen. Blaser etwa befestigte die Zielfernrohrmontage direkt am Lauf, während Mauser mit der M03 ebenfalls ein eigenständiges Wechselkalibersystem entwickelte. Aus Sicht von David war die Luxus ihrer Zeit in manchen Bereichen schlicht voraus. Das mag erklären, weshalb sie bei Kennern hingegen heute noch große Interesse weckt.

Lohnt sich eine gebrauchte Mannlicher Luxus?
Wer heute eine solche Büchse erwerben möchte, sollte nicht nur auf den Zustand des Schaftes und die Gravuren achten. Mindestens ebenso wichtig sind der technische Zustand des Laufes, die Funktion von Verschluss, Abzug und Sicherung sowie die Qualität der Zielfernrohrmontage.
Gerade die Verbindung zwischen Laufgruppe und Montageschiene verdient eine fachkundige Begutachtung. Bei Exemplaren mit mehreren Laufgruppen sollte außerdem sichergestellt sein, dass sämtliche Wechselkomponenten vollständig vorhanden und aufeinander abgestimmt sind.
Ein weiterer Punkt ist die Ersatzteilversorgung. Da es sich um eine ältere, nicht mehr regulär angebotene Baureihe handelt, können bestimmte Originalteile schwieriger zu beschaffen sein. Dafür erhält man mit einer gepflegten Mannlicher Luxus eine interessante Kombination aus klassischer Jagdwaffe und ungewöhnlicher Konstruktion. Die Standardausführung brachte laut damaligen Herstellerangaben rund 3,5 Kilogramm auf die Waage und besaß üblicherweise einen 558 Millimeter langen Lauf. Angeboten wurden auch eine kürzere Mountain-Ausführung sowie Magnumvarianten mit längeren Läufen. Damit war die Luxus keine ausgesprochene Leichtgewichtsbüchse, aber durchaus angenehm zu führen. Und wer Freude an edlem Holz, fein gravierten Seitenteilen und österreichischer Büchsenmacherkunst hat, bekommt ohnehin mehr als nur einen gewöhnlichen Repetierer.



Kommentare