Mauser M25: Geradeaus in eine neue Jagdwaffen-Ära!

Mauser und Geradezug – das klingt zunächst fast wie ein Widerspruch. Seit mehr als 125 Jahren steht der Name aus Isny wie kaum ein zweiter für klassische Repetierbüchsen. Mit der M25 bricht Mauser nun bewusst mit dieser Tradition. Schuss-&-Stille-Waffenexperte David von der Alpen Adria Jagd in Villach hat die M25 Max in .308 Winchester mit Minox RS-4 und Svemko-Schalldämpfer zerlegt, begutachtet und schließlich auf dem Schießstand getestet. Dabei zeigt sich: Hinter dem vergleichsweise günstigen Geradezugrepetierer steckt mehr Technik, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Wer „Mauser“ sagt, denkt zwangsläufig an den 98er. An Drehzylinderverschluss, massive Verriegelungswarzen und ein System, das Waffenbaugeschichte geschrieben hat. Und jetzt das: Einmal ziehen, einmal drücken – fertig.
Die Mauser M25 ist ein Geradezugrepetierer. „Für Mauser ist das eigentlich schon ungewöhnlich“, sagt David, als die Büchse vor ihm auf dem Tisch liegt. Schließlich war das Unternehmen über Jahrzehnte geradezu ein Synonym für den klassischen Repetierer.
Ganz neu ist die Idee allerdings selbst bei Mauser nicht.
Mauser konnte schon vor 30 Jahren Geradezug
Ein beinahe vergessenes Kapitel der Firmengeschichte macht die M25 noch interessanter: Bereits Mitte der 1990er-Jahre brachte Mauser mit der M96 einen Geradezugrepetierer auf den Markt. Der große Durchbruch blieb damals aus, das Modell verschwand wieder.
Fast drei Jahrzehnte später wagt Mauser nun einen neuen Anlauf.
Diesmal allerdings in einem völlig anderen Markt. Geradezugrepetierer sind längst keine exotische Konstruktion mehr. Viele Jäger schätzen die schnelle Bedienung, vor allem bei Bewegungsjagden oder beim Training im Schießkino. Der Schütze muss den Kammerstängel nicht anheben und drehen, sondern bewegt ihn lediglich geradlinig zurück und nach vorne.
Genau hier will die M25 punkten – und das zu einem Preis, der deutlich unter jenem vieler Premium-Geradezugrepetierer liegt.
Unsere M25: Schichtholz statt Plastik

Schuss & Stille testet die M25 Max. Und die fällt schon optisch aus der Reihe. Der Lochschaft besteht aus laminiertem Schichtholz. David ist bekennender Fan dieser Bauweise. Nicht nur wegen der Optik: Schichtholz ist formstabil, widerstandsfähig und verzeiht im jagdlichen Alltag einiges. „Sie halten extrem viel aus und schauen einfach cool aus“, fasst er es zusammen.
Vor allem die Ergonomie gefällt. Der Pistolengriff steht relativ steil, die Hand findet eine entspannte Position und das großzügige Daumenloch bietet ausreichend Platz. Auch größere Hände stoßen nicht unangenehm am Schaft an. Die Schaftbacke lässt sich in der Höhe einstellen und damit an Zielfernrohr und Anschlag anpassen. Die Lösung erfolgt bewusst einfach über Schrauben.
Kein Luxusmechanismus, kein Knopfdruck. Einmal einstellen, festziehen – fertig.
Und genau das beschreibt die Philosophie der M25 ziemlich gut.
Das Spannendste sieht man von außen kaum
Das technische Herz der M25 trägt den Namen Spread-Lock-250. Anders als bei einem klassischen Drehzylinderverschluss muss sich der Verschlusskopf beim Verriegeln nicht drehen. Stattdessen arbeiten im Inneren zwei massive Verriegelungselemente beziehungsweise Stützklappen, die beim Schließen nach außen gedrückt werden. Die Konstruktion verriegelt unmittelbar im Bereich der Laufaufnahme. Der entscheidende Effekt: Der Kammerstängel kann geradlinig geführt werden.
Zurückziehen – Hülse raus. Nach vorne – neue Patrone ins Lager. Der Vorgang fühlt sich überraschend leicht an. Auch David fällt beim Zerlegen auf, dass hier keine improvisierte Lösung entstanden ist. Der Verschluss ist konstruktiv auf dieses Prinzip ausgelegt. Die Verriegelung sitzt vorne, seitlich befinden sich Entlastungsbohrungen, und zwei Ausstoßer sorgen dafür, dass die Hülse energisch aus dem System befördert wird.
Im Anschlag lässt sich die M25 entsprechend flott repetieren.
Schnell – aber nicht lautlos
Ein Punkt fällt allerdings ebenfalls auf: Der Geradezugmechanismus arbeitet nicht gerade flüsterleise. Das ist auf dem Schießstand weitgehend egal. Bei einer sehr ruhigen Ansitzsituation kann es dagegen eine Rolle spielen.
Dafür funktioniert der Mechanismus sauber, und genau das ist David wichtiger als kosmetische Perfektion. „Hauptsache, es funktioniert.“ Und das tut es.
Die Sicherung sitzt dort, wo sie hingehört

Die M25 besitzt keinen klassischen Handspanner, sondern eine Sicherung, die unmittelbar auf das Schlosssystem wirkt. David zeigt im Video, wie das Schlagstück bei entsicherter Waffe freigegeben wird. Wird gesichert, blockiert der Mechanismus das Schlagstück beziehungsweise den entsprechenden Bereich des Verschlusses.
Seine Einschätzung dazu ist eindeutig: Je näher eine Sicherung am eigentlichen Schlagbolzen beziehungsweise Schlagstück eingreift, desto überzeugender ist das Konzept aus technischer Sicht.
Für Jäger, die von einem Handspannersystem kommen, bedeutet das dennoch eine Umgewöhnung. Die Bedienlogik der Mauser ist eine andere.
Woher kommt der günstige Preis?
Spätestens beim Zerlegen entdeckt David allerdings auch jene Stellen, an denen Mauser offenbar den Rotstift angesetzt hat. Denn billig ist eine M25 nicht – aber für einen neu entwickelten Geradezugrepetierer liegt sie preislich erstaunlich niedrig.
Das funktioniert nur, wenn nicht jedes Teil aus gefrästem Stahl oder Aluminium besteht.
Und genau das sieht man. Abzugsbügel und mehrere Verkleidungselemente bestehen aus Kunststoff. Besonders bei einzelnen sichtbaren Komponenten hätte David persönlich lieber Metall gesehen.
Nicht weil Kunststoff technisch grundsätzlich schlecht wäre. Sondern weil sich eine Mauser eben auch wie eine Mauser anfühlen soll. „Das hätte man schon ein bisschen wertiger machen können“, lautet sinngemäß seine Kritik.
Das Interessante daran: Die Kritik betrifft vor allem die Haptik und Anmutung – nicht die Funktion. Der Verschluss läuft. Die Sicherung funktioniert. Die Büchse repetiert. Und am Ende muss sie vor allem eines können: schießen.
Ein genauer Blick aufs Magazin
Auch beim Magazin gibt es Erfahrungen aus der Praxis. Die M25 verwendet ein herausnehmbares Magazin. David berichtet, dass bei einzelnen Exemplaren die Magazinlippen nach häufiger oder ungünstiger Belastung etwas auseinandergehen können. Dadurch kann die nächste Patrone zu früh freigegeben werden. In manchen Fällen lässt sich das korrigieren, irgendwann kann allerdings ein neues Magazin notwendig werden.
Das ist kein Drama – aber ein Detail, das bei einem ehrlichen Langzeittest nicht verschwiegen werden sollte.
Minox RS-4: bewusst vernünftig
Auf unserer Testwaffe sitzt ein Minox RS-4 2,5–10x50. Und irgendwie passt genau dieses Glas zur M25. Es ist kein Zielfernrohr, mit dem man am Stammtisch den höchsten Preis gewinnt. Stattdessen bietet es einen praxisnahen Vergrößerungsbereich für klassische Jagdsituationen und bleibt preislich in einem Rahmen, der zum Konzept der Büchse passt.
David kennt Minox seit Jahren und bewertet insbesondere das Preis-Leistungs-Verhältnis positiv.
„Die Gläser sind gut. Preis-Leistung funktioniert super“, sagt er. Lichtleistung und Randschärfe seien ordentlich, die Mechanik habe bei den bisher von ihm eingeschossenen Gläsern funktioniert.
Ein Kritikpunkt zeigt sich später am Schießstand: Für sehr kleine Zielpunkte empfindet David das Absehen bei zehnfacher Vergrößerung als etwas kräftig.
Für die klassische Jagdpraxis dürfte das weit weniger ins Gewicht fallen als beim Präzisionsschießen auf kleine Scheiben.
Vorne sitzt ein Svemko
Die .308 Winchester besitzt einen kompakten Lauf und ein M15x1-Mündungsgewinde.
Unsere Testwaffe trägt darauf einen Svemko-Schalldämpfer.
Damit entsteht ein ausgesprochen zeitgemäßes Jagdsetup: kurzer Lauf, Schalldämpfer, Geradezug und ein universelles Zielfernrohr. Die M25 wird dadurch nicht zur filigranen Bergbüchse. Aber sie wird handlich. Und genau das dürfte für viele Jäger wichtiger sein.
Einen Punkt sollte man nicht vergessen: Pflege
Interessant wird es beim Blick auf die Metalloberflächen. David entdeckt an der Testwaffe bereits kleinere Roststellen. Mauser behandelt Lauf und System zwar mit einer modernen Oberflächenbehandlung, doch eine Beschichtung ersetzt offenbar nicht die klassische Waffenpflege.
Wer seine M25 bei Regen, Schnee und hoher Luftfeuchtigkeit führt, sollte sie danach nicht einfach in den Waffenschrank stellen. „Sie hat auf jeden Fall Pflegebedarf“, lautet Davids Urteil. Gerade bei einer Jagdbüchse ist das ein Punkt, den man wissen sollte.

Eine Mauser für eine neue Generation?
Die spannendste Frage nach dem Test lautet deshalb gar nicht, ob die M25 besser ist als irgendein anderer Geradezugrepetierer. Viel interessanter ist: Was will Mauser mit dieser Waffe eigentlich sein? Die Antwort liegt wahrscheinlich genau vor uns.
Die M25 will kein technisches Schmuckstück für den Waffenschrank sein. Sie verzichtet an manchen Stellen bewusst auf teure Materialien und komplizierte Lösungen. Sie verwendet Kunststoff, wo andere Hersteller Metall einsetzen. Sie besitzt keinen aufwendigen Handspanner. Ihre Schaftverstellung funktioniert mit Schrauben statt mit federunterstützten Komfortmechanismen.
Dafür bekommt man einen eigenständig konstruierten Geradezugverschluss, einen ergonomisch gelungenen Schaft, eine kompakte Jagdbüchse und ordentliche Schussleistung. Das Konzept ist bemerkenswert pragmatisch.
Für David ist die Mauser M25 nicht perfekt – aber verdammt interessant
Man kann der Mauser M25 einiges vorwerfen. Manche Kunststoffteile wirken in dieser Preisklasse nicht besonders edel. Das Magazin sollte man im Auge behalten. Und wer glaubt, die moderne Oberflächenbehandlung mache Waffenpflege überflüssig, dürfte irgendwann enttäuscht werden.
Auf der anderen Seite steht ein Geradezugrepetierer, der erstaunlich leicht läuft, sich schnell bedienen lässt und auf dem Schießstand genau das macht, wofür eine Jagdbüchse gebaut wurde. Er trifft. David fasst die M25 deshalb ziemlich nüchtern zusammen: etwas bullig, an manchen Stellen sichtbar kostenoptimiert – aber technisch simpel und funktionierend.



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