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Sako 90 Finnlight Black: Wenn Finnland auf digitale Ballistik trifft

  • vor 15 Minuten
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Eine echte Weitschuss-Kombi: Die Sako 90 Finnlight Black mit Burris Veracity.
Eine echte Weitschuss-Kombi: Die Sako 90 Finnlight Black mit Burris Veracity.


Leicht genug für die Bergjagd, leistungsstark genug für weite Distanzen und technisch alles andere als konservativ: Waffenexperte David Mischkulnig von der Alpen Adria Jagd in Villach hat für Schuss & Stille ein spannendes Jagd-Setup zusammengestellt. Im Mittelpunkt stehen die neue Sako 90 Finnlight Black im Kaliber 7 mm PRC, das digitale Burris Veracity PH 4–20x50 und der neue, vollständig aus Titan 3D-gedruckte Hausken HX-Ti³. Doch wie viel Hightech braucht eine Jagdbüchse wirklich?



„Skandinavisch und kompromisslos“ – so bringt David Mischkulnig die Idee hinter der neuen Kombination auf den Punkt. Der Waffenexperte der Alpen Adria Jagd in Villach hat diesmal keine klassische .308er-Allroundbüchse zusammengestellt, sondern ein Gewehr, das ganz bewusst auf die Jagd im offenen Gelände, im Gebirge und auf größere Distanzen zugeschnitten ist.


Die Basis: eine Sako 90 Finnlight Black in 7 mm PRC. Darüber sitzt ein Burris Veracity PH 4–20x50 mit elektronisch unterstütztem Ballistikturm. Vorne arbeitet mit dem Hausken HX-Ti³ eine der derzeit interessantesten Schalldämpfer-Neuerscheinungen: 184 Millimeter lang, nur 235 Gramm schwer und vollständig additiv aus Titan gefertigt. Eine Kombination also, die Tradition und Digitalisierung ziemlich konsequent zusammenbringt.



Sako Finnlight: kein Leichtgewicht um jeden Preis


Waffenexperte David hat die Sako 90 Finnlight mit Burris Optik und Hausken Titan-Schalldämpfer  für die heurige Rotwild- und Gamsjagd zusammengestellt.
Waffenexperte David hat die Sako 90 Finnlight mit Burris Optik und Hausken Titan-Schalldämpfer für die heurige Rotwild- und Gamsjagd zusammengestellt.

Der Name Finnlight hat bei Sako Tradition. Mit der 90er-Generation wurde das Konzept jedoch grundlegend überarbeitet. Der neue Kunststoffschaft besitzt eine strukturierte Oberfläche sowie griffige Einlagen an Pistolengriff und Vorderschaft. Dazu kommt eine federunterstützte, höhenverstellbare Schaftbacke, die gerade bei höher montierten Optiken einen sauberen Anschlag erleichtert. Sako setzt außerdem auf QD-Buchsen für den Gewehrriemen.


David gefällt vor allem die Haptik. Der Kunststoff fühlt sich nicht hohl oder billig an, sondern massiv und erstaunlich leise. Ein wichtiger Punkt für eine Büchse, die nicht nur auf dem Schießstand, sondern auf Pirsch und Bergjagd eingesetzt werden soll. Die Black-Version unterscheidet sich von der normalen Finnlight vor allem durch den zusätzlichen dunklen keramischen Schutz von Lauf und System. Die metallischen Komponenten basieren auf Stainless Steel, die Beschichtung erhöht den Schutz gegen Witterung und Korrosion.


Auch beim Abzug hat Sako gegenüber der 85er-Serie nachgelegt. Das Abzugsgewicht lässt sich ohne Ausschäften in fünf Stufen von ungefähr einem bis zwei Kilogramm einstellen. Zusätzlich kann das Abzugszüngel um rund sieben Millimeter vor- und zurückgesetzt werden.


Für Mischkulnig ist genau diese Ergonomie entscheidend: Der Abzugsfinger soll ohne Verrenkung sauber am Züngel liegen. „Wenn der Kopf sagt Schuss, dann soll er brechen“, formuliert David es gewohnt pragmatisch.



Schuss & Stille-Waffenexperte David ist von der Sako 90 Serie begeistert.
Schuss & Stille-Waffenexperte David ist von der Sako 90 Serie begeistert.


Sako bleibt bei drei Warzen – und einer bemerkenswerten Präzisionsgarantie


Technisch arbeitet die Sako 90 mit einem Push-Feed-System und drei Verriegelungswarzen. Die Optikaufnahme ist bei dieser Modellvariante direkt in das System integriert. Das reduziert zusätzliche Schnittstellen zwischen System und Montage und ergibt eine sehr stabile Basis für die Optik.


Der Lauf wird bei Sako kaltgehämmert; bei der Finnlight ist er zur Gewichtsreduzierung kanneliert. In der von David getesteten 7-mm-PRC-Konfiguration kommt ein 620 Millimeter langer Lauf zum Einsatz. Sako bietet die Finnlight in diesem Kaliber je nach Ausführung auch mit 569 Millimetern an; der Drall beträgt 1:8 Zoll. Das Mündungsgewinde ist M15x1.


Bemerkenswert ist Sakos Werksversprechen: Die Finnen testen ihre Büchsen mit Fünf-Schuss-Gruppen und garantieren für ihre Jagdgewehre eine Präzision von unter einer MOA.


Dass nicht jede Laborierung aus jedem Lauf gleich gut schießt, zeigte sich allerdings auch bei den bisherigen Versuchen von David. Genau deshalb will Schuss & Stille die Finnlight nicht nach drei Schüssen abhaken, sondern unterschiedliche Fabrikmunition ausprobieren.



Warum ausgerechnet 7 mm PRC?


Die 7 mm Precision Rifle Cartridge ist eine verhältnismäßig junge Entwicklung von Hornady. Sie wurde für lange, aerodynamisch günstige und vergleichsweise schwere 7-mm-Geschosse konstruiert und liegt leistungsmäßig zwischen 6,5 PRC und .300 PRC. Hornady bezeichnet sie als Long-Action-Patrone und bietet ab Werk unter anderem Geschosse zwischen 160 und 180 Grains an.


Für die heimische Jagdpraxis ist sie damit vor allem dort interessant, wo Gams, Rotwild oder anderes Schalenwild in offenem Gelände bejagt werden und Reserven bei größerer Entfernung gefragt sind. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass weite Schüsse zum Selbstzweck werden sollen. Eine flache Flugbahn ersetzt weder Entfernungsmessung noch Windbeurteilung, stabile Auflage und die eigene Schießfertigkeit.


Beim ersten Standbesuch verwendete David Norma Bondstrike. Die gemessenen Geschwindigkeiten bewegten sich um die 900 m/s. Das endgültige Urteil über Munition und Präzision soll aber erst nach weiteren Serien fallen.



Burris Veracity PH: Der Ballistikturm denkt mit


Während die Sako mechanisch ziemlich klassisch bleibt, beginnt beim Zielfernrohr die digitale Seite des Projekts. Das Burris Veracity PH 4–20x50 besitzt einen elektronisch erfassten, mechanischen Höhenturm namens PĒK – Programmable Elevation Knob. Er arbeitet bewusst ohne fühlbare Klicks. Ein Sensor erfasst die Stellung des Turms mit einer digitalen Auflösung bis 1/10 MOA. Die ballistischen Daten werden zuvor über Bluetooth und die BurrisConnect-App übertragen


Das Entscheidende passiert anschließend direkt im Zielfernrohr: Im integrierten Heads-Up-Display können unter anderem die eingestellte ballistische Entfernung, Waffenverkantung, eine Windinformation sowie der Batteriestatus angezeigt werden. Man bleibt dabei mit dem Auge am Glas.


Das ist ein anderer Ansatz als bei Zielfernrohren mit eingebautem Laser-Entfernungsmesser. Das Veracity PH misst die Distanz nicht selbst. Der Jäger benötigt weiterhin einen Entfernungsmesser oder ein entsprechendes Fernglas. Danach kann die ermittelte Entfernung über den Turm umgesetzt werden.


Und noch etwas gefällt David: Die Elektronik ist Unterstützung, aber keine Voraussetzung dafür, dass das Zielfernrohr grundsätzlich funktioniert. Burris hat die mechanische Funktion so ausgelegt, dass das Glas nach erfolgter Konfiguration auch dann nutzbar bleibt, wenn die Stromversorgung ausfällt.


Die aktuelle RC-MOA-Version arbeitet mit einem Absehen in der ersten Bildebene, einem 30-mm-Mittelrohr, 50-mm-Objektiv und verbessertem ED-Glas. Burris gibt 29,1 oz – rund 825 Gramm – Gewicht an. Die österreichische UVP liegt derzeit bei rund 1.699 Euro, Händlerpreise bewegen sich teilweise darunter.


Davids erster optischer Eindruck fiel ausgesprochen positiv aus: klares Bild, guter Kontrast und für ein technisch derart aufwendiges Glas überraschend konventionelle Abmessungen.




Der neue Hausken ist tatsächlich etwas Besonderes


Fast noch spannender ist das schwarze Rohr an der Mündung. Denn hier handelt es sich nicht um einen klassischen Hausken JD184, sondern um den 2026 vorgestellten Hausken HX-Ti³. Die Zahl 184 begegnet einem trotzdem wieder: Der komplette Schalldämpfer ist exakt 184 Millimeter lang.


Das Gehäuse und seine innere Struktur werden vollständig aus Titan im 3D-Druck hergestellt. Der Over-Barrel-Dämpfer reicht 84 Millimeter über den Lauf zurück und verlängert die Waffe deshalb lediglich um 100 Millimeter. Mit 45 Millimetern Durchmesser und nur 235 Gramm Gewicht bleibt er für einen magnumtauglichen Titandämpfer bemerkenswert kompakt. Hausken gibt eine Dämpfungsleistung von bis zu 30 dB an; angeboten werden Versionen bis .338.


Damit passt der HX-Ti³ konzeptionell hervorragend zur Finnlight: wenig zusätzliches Gewicht an der Mündung und trotzdem Eignung für leistungsstarke Patronen.


Beim ersten Schießen zeigte sich allerdings auch etwas, das wir weiter beobachten werden: Aus dem neuen Dämpfer war bei mehreren Schüssen deutlicher Funkenflug sichtbar. David vermutet Partikel beziehungsweise Rückstände aus dem additiven Fertigungsprozess. Nach dem Schießen fanden sich außerdem feine Ablagerungen, die bei der senkrecht abgestellten Büchse bis zum Stoßboden gelangten und den ansonsten sehr eng laufenden Verschluss kurzzeitig schwergängig machten. Nach dem Entfernen der Partikel arbeitete die Sako wieder völlig normal.


Für uns ist genau das der Grund, warum ein Test nicht nach dem Auspacken endet. Ob der Effekt lediglich während der ersten Schüsse eines fabrikneuen 3D-Titandämpfers auftritt oder länger anhält, werden die kommenden Einsätze zeigen.


Auch thermisch macht der kleine Titan-Hausken klar, dass Physik nicht verhandelbar ist: Bei der leistungsstarken 7 mm PRC wird der kompakte Dämpfer nach wenigen Schüssen sehr heiß. Für einzelne jagdliche Schüsse ist das kein Problem – auf dem Stand sollte man ihm zwischen Serien entsprechend Zeit geben.


Der Hausken HX-Ti³ 184 Schalldämpfer
Der Hausken HX-Ti³ 184 Schalldämpfer

4,9 Kilogramm – Finnlight ist relativ


Komplett mit Zielfernrohr, Montage und Schalldämpfer brachte Davids Kombination rund 4,9 Kilogramm auf die Waage. Wer beim Wort „Finnlight“ eine ultraleichte 2,5-Kilo-Bergbüchse erwartet, wird deshalb zunächst schlucken.


Doch das wäre der falsche Vergleich. Allein die 7-mm-PRC-Ausführung der Finnlight liegt je nach Lauflänge bei etwa 3,5 bis 3,8 Kilogramm. Dazu kommen ein ausgewachsenes 4–20fach-Zielfernrohr, Montage und Dämpfer.


Und David sieht das zusätzliche Gewicht nicht ausschließlich als Nachteil: Bei einer Büchse, die auch aufgelegt auf größere Distanz eingesetzt werden soll, bringen ein ruhiger Anschlag und ein kontrollierbares Schussverhalten ebenfalls Vorteile.


Nach dem Schießstand wird das Schuss & Stille-Team die Sako 90 Finnlight Black im Kaliber 7mm PRC heuer bei der Jagd auf Rotwild und Gamswild in den heimischen Bergrevieren führen.
Nach dem Schießstand wird das Schuss & Stille-Team die Sako 90 Finnlight Black im Kaliber 7mm PRC heuer bei der Jagd auf Rotwild und Gamswild in den heimischen Bergrevieren führen.

Technisch – aber nicht verspielt


Das Interessante an dieser Kombination ist nicht eine einzelne spektakuläre Komponente. Es ist das Zusammenspiel. Die Sako 90 Finnlight Black liefert eine konventionelle, robuste mechanische Basis. Die 7 mm PRC bringt die ballistischen Voraussetzungen für offenes Gelände. Das Burris Veracity PH nimmt dem Schützen einen Teil der Rechenarbeit ab, ohne ihn vollständig von Elektronik abhängig zu machen. Und der Hausken HX-Ti³ zeigt, wohin sich Schalldämpfer durch Titan und additive Fertigung entwickeln.


Das Ganze funktioniert aber nur, wenn aus Technik nicht blindes Vertrauen wird. Genau deshalb ist der erste Schießstandbesuch für uns noch kein abschließender Test. Das "Schuss & Stille"-Team wird die Kombination in den kommenden Wochen auch jagdlich führen – unter anderem dort, wo sie eigentlich hingehört: bei Rotwild und Gams im Gebirge.

Dann wird sich zeigen, ob aus einem technisch beeindruckenden Setup auch ein echter Weidgefährte wird. Und genau das ist für Schuss & Stille am Ende die entscheidende Frage.






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