Sako 90 Quest Ultra: Präzision in ihrer leichtesten Form
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit

Es sind oft die ersten Sekunden, die entscheiden. Man nimmt ein Jagdgewehr in die Hand – und weiß sofort, ob es passt. Balance, Griff, Gefühl. Bei der Sako 90 Quest Ultra ist dieser Moment schnell da. Leicht, straff, präzise gebaut. Die neue 90er-Serie von Sako ist erst seit kurzem am Markt – und sorgt bereits für Aufmerksamkeit. Für das Jagdmagazin "Schuss & Stille" hat Büchsenmacher David Mischkulnig von Alpen Adria Jagd Villach die Quest Ultra im Kaliber 6,5 Creedmoor ausführlich getestet.
Für Mischkulnig, der selbst seit Jahren mit Sako arbeitet, ist die Einordnung klar: „Ich schieße selbst die Peak – aber die Quest Ultra ist für mich das Nonplusultra, wenn es um die Kombination aus Gewicht und Präzision geht.“
Der erste Eindruck bestätigt das. Carbon ist das prägende Element dieser Waffe. Der Schaft ist sauber verarbeitet, der Lauf kaltgehämmert und mit einer Carbon-Ummantelung versehen, das System Cerakote-beschichtet und damit robust gegen Witterungseinflüsse.
Mit rund 3,2 Kilogramm bleibt die Büchse leicht genug für lange Märsche im alpinen Gelände, ohne dabei instabil zu wirken. „Du hast nicht das Gefühl, dass dir etwas fehlt“, sagt Mischkulnig. „Im Gegenteil – sie ist leicht, aber extrem ruhig im Schuss.“
Handling, das sofort Vertrauen schafft

Im Anschlag zeigt sich die eigentliche Stärke der Quest Ultra. Der Schaft ist modern geformt, erinnert an sportliche Systeme, wie von GRS, ohne die jagdliche Praxis aus den Augen zu verlieren. Die Daumenauflage ist sauber ausgeführt, der Pistolengriff ermöglicht eine entspannte Handhaltung.
„Du kommst sofort richtig auf den Abzug“, erklärt Mischkulnig. „Das ist etwas, was viele unterschätzen – aber genau da beginnt Präzision.“ Hinzu kommt die Anpassbarkeit. Die Schaftbacke lässt sich in der Höhe verstellen, ebenso die Schaftlänge. Gerade in Kombination mit unterschiedlichen Zielfernrohren oder Vorsatzgeräten ein entscheidender Punkt. „Du kannst dir die Waffe so einstellen, dass sie wirklich zu dir passt – und nicht umgekehrt.“
Feinarbeit im Detail
Sako hat bei der 90er-Serie viele kleine Dinge verbessert, die im Alltag den Unterschied machen. Besonders beim Abzug fällt das auf. „Früher war das oft ein Herumprobieren mit dem Inbus“, sagt Mischkulnig. „Jetzt stellst du das Abzugsgewicht in klaren Stufen ein – das funktioniert einfach.“
Auch die Sicherung wurde überarbeitet. Sie greift nun direkt am Schlagbolzen und nicht mehr nur am Abzug. Gleichzeitig lässt sich der Verschluss im gesicherten Zustand öffnen. „Das ist für mich ein riesiger Sicherheitsgewinn“, so Mischkulnig. „Ich kann die Waffe entladen, ohne sie zu entsichern. Das ist genau das, was du draußen brauchst.“
Ein weiteres Detail: der Spannindikator. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen lässt sich erkennen, ob die Waffe gespannt ist. „Das sind Kleinigkeiten – aber genau die machen eine gute Waffe aus.“
Montage: Endlich unkompliziert

Ein Punkt, der lange diskutiert wurde, ist bei der Quest Ultra endlich gelöst: die Optikmontage. Die integrierte Picatinny-Schiene macht Adapter und Speziallösungen überflüssig. Optiken lassen sich direkt montieren, wiederholgenau und ohne Aufwand wechseln. „Endlich musst du nichts mehr aufschieben oder herumprobieren“, sagt Mischkulnig. „Du setzt das Glas drauf – und es passt.“ Gerade für Jäger, die mit unterschiedlichen Setups arbeiten, ist das ein klarer Vorteil.
Am Schießstand: Präzision auf Anhieb
Die Theorie bestätigt sich am Schießstand. Geschossen wird im Kaliber 6,5 Creedmoor, kombiniert mit hochwertiger Optik von Zero Compromise und Schalldämpfer. Schon die ersten Schüsse zeigen, in welche Richtung es geht. „Die ersten zwei waren praktisch im selben Loch“, sagt Mischkulnig. „Dann haben wir korrigiert – und waren sofort dort, wo wir hinwollten.“
Nach kurzer Feinabstimmung ergibt sich ein Schussbild, das sich im Bereich von zwei bis zweieinhalb Zentimetern auf fünf Schuss einpendelt. „Für eine neue Waffe ist das ein sehr starkes Ergebnis“, betont er. „Und da geht noch viel mehr.“
Wärme als Faktor

Was im Test ebenfalls auffällt: Der leichte Carbonlauf und der Schalldämpfer reagieren auf Temperatur. „Nach ein paar Schuss merkst du, dass das Zielbild leicht verschwimmt“, erklärt Mischkulnig. „Das ist kein Fehler der Waffe – das ist Physik.“
Wer maximale Präzision will, muss dem System Zeit geben. „Lauf abkühlen lassen, sauber arbeiten – dann spielt sie ihre Stärke voll aus.“
Das Kaliber: 6,5 Creedmoor als logische Wahl
Die Entscheidung für die 6,5 Creedmoor passt zur Ausrichtung der Quest Ultra. Das Kaliber steht für Präzision, eine gestreckte Flugbahn und einen moderaten Rückstoß. „Das ist ein Allround-Kaliber“, sagt Mischkulnig. „Vom Rehwild bis zum Rotwild absolut einsetzbar.“ Gerade im Gebirge, wo Distanzen und Bedingungen variieren, spielt diese Kombination ihre Vorteile aus.
Ein Gewehr für anspruchsvolle Jäger

Am Ende bleibt ein klares Bild. Die Quest Ultra ist keine Waffe für jedermann – und will es auch nicht sein. „Das ist eine Büchse für Leute, die wissen, was sie tun“, sagt Mischkulnig. „Die gehen viel, die tragen viel – und die brauchen etwas, das funktioniert.“
Preislich bewegt sich die Waffe im oberen Segment - knapp 6000 Euro. Doch die Einordnung fällt eindeutig aus: „Du bekommst hier ein Gesamtpaket, das durchdacht ist – vom ersten Griff bis zum letzten Schuss.“ Oder, wie Mischkulnig es zusammenfasst: „Wenn ich mir heute eine neue Jagdbüchse aufbauen würde – die Quest Ultra wäre ganz vorne dabei.“



Kommentare