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ThermTec Ventus 650L: Was bringt ein Multispektral-Fernglas auf Gamsjagd?

8. Aug.
9 Min. Lesezeit
"Schuss & Stille" nahm das ThermTec Ventus 650L mit auf Gamsjagd in die österreichischen Alpen.
"Schuss & Stille" nahm das ThermTec Ventus 650L mit auf Gamsjagd in die österreichischen Alpen.

Wärmebild, 4K-Tages- und Nachtsicht, Laser-Entfernungsmesser, Foto und Video – das ThermTec Ventus 650L will gleich mehrere Geräte in einem einzigen Fernglas ersetzen. Auf dem Datenblatt klingt das beeindruckend. Doch wie schlägt sich ein digitales Multispektralglas ausgerechnet dort, wo klassische Premium-Ferngläser seit Jahrzehnten zu Hause sind? "Schuss & Stille" nahm das Ventus mit auf Gamsjagd in die österreichischen Alpen. Bei Tageslicht. Im Hochsommer. Und auf Distanzen, die mit den üblichen Wärmebild-Demonstrationen wenig gemeinsam haben.



Noch liegt das Tal im Dunkeln. Über uns zeichnen sich die Konturen der Berge nur schemenhaft gegen den langsam heller werdenden Himmel ab. Schritt für Schritt geht es bergauf. Gamsjagd beginnt selten bequem. Sie beginnt mit schweren Beinen, feuchtem Gras, dem ersten Schweiß unter der Jacke und der Gewissheit, dass jeder Höhenmeter später wieder hinunter muss.


Dann trifft das erste Licht die Gipfel. Die österreichischen Alpen im Hochsommer. Anfang August, die Gams ist offen, und irgendwo zwischen Latschen, Felsbändern und schattigen Rinnen soll heute unser Wild stehen.


Mit dabei ist ein Gerät, über das derzeit erstaunlich viel gesprochen wird: das ThermTec Ventus 650L. Ein digitales Multispektral-Fernglas, das Wärmebildkamera, hochauflösenden Tag-/Nachtkanal, Laserentfernungsmesser und digitale Dokumentation in einem binokularen Gehäuse vereint.


Thermtec Ventus 650L
Thermtec Ventus 650L

ThermTec bewirbt das 650L mit einem 640×512-Pixel-Wärmebildsensor, 12-µm-Pixelpitch, einem NETD von unter 15 mK und einer 50-mm-F/1.0-Thermaloptik. Die theoretische Detektionsreichweite liegt bei bis zu 2600 Metern. Parallel arbeitet ein digitaler 12-Megapixel-Kanal mit 3536×3536 Pixeln und 50-mm-F/1.4-Objektiv. Hinzu kommen ein Laserentfernungsmesser bis 1000 Meter, ein 1600×1200-AMOLED-Display sowie zuschaltbare 850- und 940-nm-IR-Beleuchtung.


Das klingt nach ziemlich viel Technik. Aber Datenblätter jagen nicht.



Warum ausgerechnet Gamsjagd?


Wer heute auf YouTube nach dem Ventus 650L sucht, findet beeindruckende Bilder. Schwarzwild auf kurze Entfernung. Rehe am Waldrand. Rotwild auf offenen Flächen. Wärmebildaufnahmen, bei denen jedes Stück beinahe aus dem Bildschirm springt.

Das sieht spektakulär aus. Nur: Wenn ich einen Keiler auf 20 Meter vor mir habe, ist die Frage, wie gut ich ihn mit einer Wärmebildkamera entdecke, jagdlich nicht mehr besonders spannend. Uns interessierte etwas anderes.


Was bringt diese Technik dort, wo Wild schwer zu finden ist? Nicht im Wildpark. Nicht am Kirrplatz. Nicht auf 80 Meter mitten auf einer gemähten Wiese. Sondern im Hochgebirge. Zwischen Fels, Schatten, Latschen, Geröll, Geländekanten und Entfernungen, bei denen ein Stück Wild plötzlich nur noch wenige Pixel im menschlichen Sehfeld einnimmt.


Und noch etwas machte diesen Test interessant: Wir waren am helllichten Tag unterwegs. Genau dort also, wo ein Swarovski, Leica, Zeiss oder Kahles normalerweise kaum Konkurrenz fürchten muss. Kann ein digitales Fernglas hier überhaupt mithalten? Oder sind Wärmebild und 4K lediglich technische Spielerei, sobald die Sonne aufgeht?



Der erste Aha-Moment kommt beim Aufstieg


Die Antwort kommt früher als erwartet. Noch während des Anstiegs nehmen wir den gegenüberliegenden Hang ins Visier. Entfernung: mehrere hundert Meter. Mit dem normalen Fernglas sieht man nur Konturen. Dann Wärmebild. Plötzlich steht dort etwas. Ein heller Punkt inmitten einer ansonsten unscheinbaren Struktur.

Noch einmal genauer schauen. Entfernung messen.1045 Meter. Ein Kilometer.


Rotwild. Nicht bildfüllend. Nicht gestochen scharf. Und selbstverständlich lässt sich auf diese Entfernung mit dem Thermalkanal kein sauberes jagdliches Ansprechen durchführen.

Aber darum geht es in diesem Moment überhaupt nicht. Es geht darum, dass wir das Rotwild entdeckt haben. Detektion ist die große Stärke des Ventus.


Mit einem klassischen Fernglas sucht das Auge Strukturen ab. Es versucht, eine Rückenlinie von einem Ast zu unterscheiden, eine Bewegung zwischen Latschen wahrzunehmen oder eine Farbnuance im Hang zu erkennen. Das Wärmebild macht etwas völlig anderes: Es trennt Temperaturunterschiede.


Wild wird nicht schöner dargestellt. Es wird auffälliger. Und genau das kann im Gebirge entscheidend sein. Der Sensor des Ventus 650L arbeitet mit einer thermischen Empfindlichkeit von NETD <15 mK. Vereinfacht gesagt: Je kleiner dieser Wert, desto geringere Temperaturunterschiede kann das System voneinander unterscheiden. Gerade bei wenig thermischem Kontrast, hoher Luftfeuchtigkeit oder strukturreichen Hintergründen ist das relevant. ThermTec kombiniert dies mit seinem TSR-Algorithmus zur Bildaufbereitung; der Hersteller nennt außerdem eine AI-gestützte Kalibrierung.



Mit dem Thermtec Ventus 650L auf Gamsjagd
Mit dem Thermtec Ventus 650L auf Gamsjagd


50 Millimeter statt Weitwinkel


Das Ventus 650L ist innerhalb der Ventus-Reihe klar auf Reichweite ausgelegt. Die 50-mm-Wärmebildoptik liefert ein Sehfeld von 8,8 × 7 Grad beziehungsweise rund 15,4 × 12,3 Meter auf 100 Meter. Die thermische Grundvergrößerung beträgt 3,7-fach, digital lässt sich bis 14,8-fach vergrößern. ThermTec selbst positioniert das 650L als Weitstreckenmodell mit bis zu 2600 Metern theoretischer Detektionsreichweite; das kleinere 635L setzt mit seiner 35-mm-Optik stärker auf ein breites Sehfeld.


Für die Gamsjagd passt diese Auslegung erstaunlich gut. Man sucht weniger auf 40 Meter durchs Unterholz. Man scannt Gräben. Latschenfelder. Felsbänder. Gegenhänge.

Und dort spielt Reichweite eine andere Rolle.



833 Gramm Technik in der Hand


Wer das Ventus erstmals aufnimmt, merkt allerdings auch sofort: Das ist kein klassisches 8×42. 833 Gramm bringt das Gerät laut Hersteller auf die Waage. Es misst 164 × 127,6 × 73 Millimeter und ist nach IP67 gegen Staub und zeitweiliges Untertauchen geschützt. Der Augenabstand lässt sich zwischen 60 und 72 Millimetern einstellen, der Dioptrienausgleich reicht bis ±5 dpt.


Trotzdem wirkt das Gerät nicht klobig. Im Gegenteil. Die Haptik hat uns während der vergangenen Wochen positiv überrascht. Das Gehäuse liegt satt in beiden Händen, die Daumen finden auf der Unterseite ihre Position, und die wesentlichen Bedienelemente lassen sich nach kurzer Eingewöhnung blind erreichen. Besonders gelungen ist der mechanische Hauptschalter. Aus. Standby. Ein.


Während der Jagd blieb das Ventus bei uns meist in der mittleren Standby-Position. Ein kurzer Griff, Schalter nach rechts, und das Gerät ist praktisch unmittelbar einsatzbereit. Das klingt banal – ist es aber nicht. Wer draußen ständig zehn Sekunden auf einen Bootvorgang warten muss, wird selbst die spektakulärste Elektronik irgendwann verfluchen. Das Ventus verhielt sich anders. Hochnehmen. Einschalten. Beobachten.



Zwei Kanäle, zwei Fokussierungen


Die Bedienung folgt einer gewissen Logik. Der thermische und der digitale Kanal besitzen jeweils ihre eigene Fokussierung. Das bedeutet zwar, dass man anfangs etwas mehr einstellen muss, dafür lässt sich jeder Kanal sauber auf die jeweilige Distanz abstimmen.

Über das zentrale Multifunktionsrad wird vergrößert und durch Funktionen navigiert. Ein Druck beziehungsweise eine Bewegung des Bedienelements erlaubt den Wechsel zwischen den Bildkanälen. Separate Tasten steuern unter anderem Entfernungsmessung sowie Foto- und Videoaufnahme.


Das Ventus bietet darüber hinaus Bild-in-Bild, sechs Wärmebild-Farbpaletten, Heat-Tracking, digitalen Kompass, elektronische Bildstabilisierung und einen lokalen Bildspeicher mit 64 GB. Foto, Video und Ton können direkt im Gerät aufgezeichnet werden. Das klingt nach Gadget-Overkill. Draußen zeigt sich aber, dass einige dieser Funktionen tatsächlich Sinn ergeben.




Der Entfernungsmesser ist mehr als eine Zugabe


Besonders der integrierte LRF hat uns überrascht. ThermTec gibt eine Reichweite von 1000 Metern bei ±1 Meter Messgenauigkeit an. Der Laser arbeitet mit 905 nm und entspricht Laserklasse 1. Auf dem Papier schön. Im Gebirge richtig wertvoll.


Denn Distanzen sind dort notorisch schwer einzuschätzen. Zwischen zwei gegenüberliegenden Hängen fehlen die vertrauten Größenverhältnisse. Ein Stück steht unterhalb einer Geländekante, dahinter öffnet sich ein Graben – und aus vermeintlichen 220 Metern werden schnell 300. Unser Gamsbock steht schließlich tatsächlich bei rund 300 Metern. Ein Knopfdruck. Messwert da.


Kein Umgreifen zum separaten Entfernungsmesser. Kein zweites Gerät aus der Tasche holen. Kein erneutes Suchen des Stücks. Genau hier beginnt man zu verstehen, warum ein Multispektralgerät mehr sein kann als die Summe seiner Sensoren.



Und plötzlich steht dort der Gamsbock


Wir haben unseren Sitz erreicht. Jetzt beginnt jener Teil der Gamsjagd, der sich schlecht beschleunigen lässt. Sitzen. Schauen. Warten.


Das Gebirge wird langsam lebendig. Murmeltiere. Ein Fuchs. Rehwild. Bewegung auf verschiedenen Höhenstufen. Für einen Jäger liegt darin vielleicht der schönste Teil eines langen Tages: Wild beobachten zu können, ohne sofort etwas daraus machen zu müssen. Dann taucht er auf. Ein Gamsbock.


Im normalen Kamerabild ist er Teil der Landschaft. Braunes Wild, grauer Fels, grüne Vegetation. Im Wärmebild ist die Sache eindeutiger. Der Bock löst sich klar aus dem Hintergrund. Nicht, weil Wärmebild irgendeine Magie wäre, sondern weil sein Körper eben eine andere Temperatur besitzt als große Teile seiner Umgebung.


Das Ventus verwendet dafür seinen 640×512-Sensor in Verbindung mit der 50-mm-Optik und einer Bildfrequenz von 50 Hz. Die Anzeige erfolgt auf einem 0,5 Zoll großen AMOLED mit 1600×1200 Pixeln.


300 Meter sind keine Demonstrationsdistanz. Sie sind jagdliche Realität. Und genau dort funktioniert das System.



Wo Wärmebild plötzlich an Grenzen stößt


Doch unser Test zeigt auch die andere Seite. Später steht die Sonne bereits hoch. Felsflächen werden aufgeheizt. Unterschiedlich geneigte Steinplatten nehmen unterschiedlich viel Sonnenenergie auf. Schattenkanten wechseln mit heißen Flächen.

Jetzt wird das Wärmebild unruhiger.


Eine Gams vor einem sonnenbeschienenen Felsband kann thermisch deutlich schlechter herausstechen als morgens auf einer kühlen Wiese. Auch ein Sensor mit weniger als 15 mK kann die Physik nicht abschaffen. Und das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Tests: Wärmebild ist kein Röntgenblick.


Es kann Wild spektakulär schnell sichtbar machen – aber nur dort, wo ausreichend thermischer Kontrast vorhanden ist. Gerade bei voll aufgeheiztem Fels lohnt es sich deshalb, sofort auf den digitalen Tageskanal umzuschalten.




Der 4K-Kanal: gut – aber noch kein Swarovski


Hier wird es interessant. Der digitale Kanal des Ventus arbeitet mit einem 12-Megapixel-Sensor mit 3536×3536 Pixeln. Die optische Grundvergrößerung beträgt 4-fach, digital sind bis zu 16-fach möglich. Das Sehfeld liegt bei 8,1 × 8,1 Grad. Bei 4-facher Darstellung liefert der Tageskanal ein überraschend angenehmes Bild. Farben, Kontraste, Wildkörper – alles ist ordentlich erkennbar.


Aber dann drehen wir die Vergrößerung hoch. Sechsfach. Achtfach. Und hier holt uns die digitale Realität ein. Das Bild wird zunehmend verarbeitet. Strukturen wirken weicher. Feinste Fellzeichnung oder Felsdetails beginnen zu verschmieren. Der Algorithmus versucht, aus den vorhandenen Bildinformationen mehr herauszuholen – nur kann digitale Vergrößerung keine Details erzeugen, die der Sensor ursprünglich nicht aufgenommen hat.

Das ist der Punkt, an dem ein hochwertiges klassisches Fernglas weiterhin seine Stärke ausspielt.


Glas bleibt Glas. Ein Premium-Fernglas braucht keinen Bildprozessor, keinen Akku und keinen Algorithmus. Es liefert dem Auge ein echtes optisches Bild mit enormer Dynamik und natürlicher Detailzeichnung. Das Ventus kann das derzeit noch nicht vollständig ersetzen. Aber der Abstand wird kleiner. Und das eigentlich Bemerkenswerte ist: Ein Swarovski kann keine Wärme sehen.



Nachts wird das Konzept komplett


Der IR-Aufheller sitzt auf der Unterseite des Ventus und kann mittels Drehrad auch entfernt werden. Mittels des Kippschalters wechselt man zwischen 940 und 850 nm.
Der IR-Aufheller sitzt auf der Unterseite des Ventus und kann mittels Drehrad auch entfernt werden. Mittels des Kippschalters wechselt man zwischen 940 und 850 nm.

Auch wenn unser Test bewusst bei Tageslicht stattfand, gehört zum Ventus noch ein dritter Beobachtungsbereich. Nachts arbeitet der digitale Sensor gemeinsam mit einem IR-Aufheller. Zwischen 850 und 940 nm kann mechanisch umgeschaltet werden. ThermTec nennt eine Reichweite von bis zu 400 Metern bei 850 nm und bis zu 350 Metern bei 940 nm.


850 nm bietet in der Regel mehr Reichweite, kann aber ein leicht sichtbares rotes Glimmen am Strahler erzeugen. 940 nm ist diskreter, kostet dafür etwas Reichweite. Damit stehen dem Jäger innerhalb eines Geräts letztlich drei grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Treibender Rehbock im Nachtsicht-Modus auf rund 150 Meter Entfernung aufgenommen.
Treibender Rehbock im Nachtsicht-Modus auf rund 150 Meter Entfernung aufgenommen.
  1. Wärmebild zum schnellen Finden von Wild.

  2. Digitales Tages-/Nachtsichtbild zum Erkennen von Strukturen und Details.

  3. Laserentfernungsmesser zur unmittelbaren Distanzbestimmung.

Dazu kommen Foto, Video, Audio und verschiedene Assistenzfunktionen. Das ist der eigentliche Reiz des Ventus. Nicht irgendeine einzelne Superfunktion. Sondern die Kombination.


Brusttasche statt Baumeln am Hals


Im Gebirge entscheidet sich die Praxistauglichkeit außerdem nicht allein am Sensor. Ein Gerät kann noch so gut sein: Wenn es beim Steigen permanent gegen den Brustkorb schlägt oder beim Kraxeln stört, bleibt es irgendwann im Rucksack.


Das Ventus wird mit einer Brusttasche getragen. Das Gerät sitzt körpernah. Beide Hände bleiben im steilen Gelände frei. Trotzdem ist das Glas innerhalb weniger Sekunden draußen. Für ein Gerät dieser Gewichtsklasse ist das aus unserer Sicht beinahe zwingend.

Denn 833 Gramm plus Akkus trägt man freiwillig nicht den ganzen Tag am klassischen Fernglasriemen.




Akkus: praktisch statt proprietär


Die Stromversorgung erfolgt über zwei wechselbare 18650-Lithium-Ionen-Akkus. ThermTec nennt etwa sechs Stunden Laufzeit. Das gefällt uns. Nicht weil sechs Stunden sensationell wären – für einen langen Jagdtag ist das eher eine Größenordnung, bei der man Reserven einplanen sollte.

Sondern weil 18650er Akkus ein verbreitetes Format sind. Wer mehrere Tage unterwegs ist, kann zusätzliche Akkus mitnehmen, anstatt auf einen fest verbauten proprietären Spezialakku angewiesen zu sein.



Was uns wirklich überrascht hat


Nach ein bis zwei Monaten mit dem Ventus 650L ist es nicht die beeindruckende Wärmebildaufnahme eines Stückes auf kurze Entfernung, die hängen bleibt.


Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der man irgendwann zwischen den Welten wechselt.

Hang absuchen. Wärmebild. Da ist etwas. Tageskanal. Ansprechen. Entfernung. 312 Meter. Aufnehmen. Weiter beobachten.


Diese Arbeitsweise verändert die Art, wie man Gelände absucht. Aber das Ventus ersetzt nicht automatisch ein Fernglas. Es ergänzt die menschlichen Augen um Fähigkeiten, die ein klassisches Fernglas schlicht nicht besitzen kann. Und darin liegt für uns sein größter Wert.



Aber billig ist diese Zukunft nicht


So viel Technik hat ihren Preis. Im österreichischen Handel liegt das ThermTec Ventus 650L derzeit grob zwischen 3.600 und 3.700 Euro. Das ist viel Geld. Und damit stellt sich zwangsläufig die Frage: Für wen lohnt sich das?


Für den Jäger, der hauptsächlich auf 100 Meter am Waldrand sitzt, dürfte ein klassisches Glas plus separates Wärmebildgerät wirtschaftlich attraktiver sein. Wer jedoch regelmäßig in großen Feldrevieren, im Gebirge oder unter stark wechselnden Lichtbedingungen jagt und Wärmebild, digitale Optik und Entfernungsmessung häufig nutzt, bekommt hier ein außergewöhnlich kompaktes Komplettsystem.




Noch kein Fernglas-Killer – aber verdammt nah dran


Wir sind mit einer ziemlich einfachen Frage ins Gebirge gegangen: Braucht man so etwas überhaupt? Und nach unserem Test lautet die Antwort überraschenderweise nicht: unbedingt. Aber sie lautet ebenso wenig: Spielzeug.


Das ThermTec Ventus 650L hat uns vor allem dort überzeugt, wo man Technik nicht inszenieren kann. Beim frühen Aufstieg. Auf dem Gegenhang. Auf 800 Meter. Beim schnellen Erfassen eines Stückes. Beim unmittelbaren Wechsel zwischen Wärmebild und Tageskanal. Und bei einer Entfernungsmessung, die selbst nahe ihrer Maximalreichweite erstaunlich schnell arbeitete.


Seine Schwäche liegt derzeit ausgerechnet dort, wo der Vergleich mit einem klassischen Spitzenfernglas am härtesten wird: im digitalen Tagesbild bei stärkerer Vergrößerung und schwierigen Lichtbedingungen. Hier bleibt Luft nach oben.


Aber genau deshalb ist dieses Gerät so interessant. Denn Wärmebildsensoren werden besser. Bildprozessoren werden besser. Displays werden besser. Algorithmen werden besser. Und wenn ThermTec oder ein anderer Hersteller es schafft, den digitalen Tageskanal eines solchen Systems irgendwann auf das Niveau echter Premiumoptik zu bringen, stellt sich die Frage nicht mehr, ob ein Multispektral-Fernglas das klassische Fernglas ersetzen kann. Dann stellt sich nur noch die Frage, wann?


Das Ventus 650L ist noch nicht ganz dort. Aber auf unserer Gamsjagd im Hochgebirge hat es gezeigt, dass der Weg dorthin möglicherweise kürzer ist, als viele Traditionalisten glauben.




Transparenzhinweis

Das ThermTec Ventus 650L wurde Schuss & Stille für diesen Praxistest leihweise von ThermFox Austria, dem österreichischen Importeur und Vertriebspartner für ThermTec-Produkte, zur Verfügung gestellt. Das Gerät ist unter anderem auch bei Alpen Adria Jagd & Sportwaffen in Villach erhältlich. Auf Inhalt, Bewertung und Fazit unseres Tests hatte die Bereitstellung des Testgeräts selbstverständlich keinen Einfluss.




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