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Meisterarbeit? So erkennt man ein wirklich gutes Wildpräparat

vor 1 Stunde
4 Min. Lesezeit
Präparatormeister Eric Leitner verrät, wie man ein richtig gutes Wildpräparat erkennen kann.
Präparatormeister Eric Leitner verrät, wie man ein richtig gutes Wildpräparat erkennen kann.

Ein prächtiger Gamsbock an der Wand ist noch lange kein Meisterwerk. Denn ob ein Präparat tatsächlich von höchster Qualität ist, entscheidet sich nicht allein an seiner Wirkung, sondern vor allem an kleinen, oft übersehenen Details. "Schuss & Stille"-Präparatormeister Eric Leitner zeigt anhand eines elfjährigen Gamsbocks, worauf Jäger achten sollten – und warum gerade Augen, Äser, Windfang und Lauscher die wahre Handschrift eines Könners verraten.



Für seine Demonstration hat sich Eric Leitner ein ganz besonderes Stück ausgesucht. Einen elfjährigen Gamsbock, den der Präparatormeister selbst erlegen durfte. Eine Trophäe, an der Erinnerungen hängen – und ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, woran sich die Qualität handwerklicher Präparationskunst erkennen lässt.


Über unterschiedliche Stellungen, den passenden Untergrund oder die gesamte Anatomie möchte er diesmal gar nicht diskutieren. Denn darüber können die Geschmäcker durchaus auseinandergehen. Bei der handwerklichen Ausführung gibt es hingegen klare Qualitätskriterien. Und die lassen sich selbst von einem Laien erkennen, wenn er weiß, wohin er schauen muss.



Die Lichter: Hier zeigt sich die wahre Meisterschaft


Das Auge, jagdlich gesprochen das Licht,  entscheidet, ob ein Präparat lebensecht wirkt
Das Auge, jagdlich gesprochen das Licht, entscheidet, ob ein Präparat lebensecht wirkt

Erics erster Blick gilt den Augen, in der Jägersprache den Lichtern. Sie entscheiden maßgeblich darüber, ob ein Präparat lebendig wirkt oder bloß wie eine Nachbildung.


„Schaut euch die Lichter an. Da dürfen keine Spalten sein. Das muss fein gearbeitet sein. Es muss natürlich aussehen“, erklärt der Präparatormeister. Tatsächlich gehören die Augen zu den anspruchsvollsten Bereichen einer Dermoplastik. Die eingesetzten Glasaugen müssen hinsichtlich Größe, Farbe, Stellung und Tiefe zum jeweiligen Wildtier passen. Ober- und Unterlid müssen exakt angearbeitet sein, ohne sichtbare Fugen oder unnatürliche Übergänge.


Ebenso wichtig ist die Symmetrie. Schon geringfügige Abweichungen bei den Augenwinkeln oder der Position der Pupillen können den gesamten Gesichtsausdruck verändern. Besonders kritisch sind die Übergänge zwischen Glasauge und präparierter Haut. Durch das Trocknen kann sich die Haut leicht zusammenziehen. Wird nicht entsprechend sorgfältig gearbeitet und nachgearbeitet, entstehen unschöne Spalten.



Äser und Windfang: Kleine Fehler mit großer Wirkung


Äser und Windfang müssen sauber gearbeitet sein
Äser und Windfang müssen sauber gearbeitet sein

Anschließend wandert Erics Blick zum Äser und zum Windfang des Gamsbocks. Auch hier gilt für den Meister eine einfache Regel: keine offenen Spalten, keine unsauberen Übergänge und vor allem keine Formen, die vom natürlichen Erscheinungsbild abweichen.


Gerade der Bereich um die Nasenöffnungen ist besonders anspruchsvoll. Feine Konturen, die Form der Nasenflügel und die Übergänge zur behaarten Gesichtshaut müssen sorgfältig rekonstruiert werden.


Dasselbe gilt für die Lippen. Sie dürfen weder unnatürlich wulstig noch auffällig eingefallen wirken. Vor allem die Maulwinkel verraten häufig, wie gewissenhaft gearbeitet wurde. Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Farbgebung. Ein Präparat darf nicht aussehen, als wären Nase oder Lippen mit einem dicken Lack überzogen worden. Gute Präparatoren arbeiten mit feinen Farbabstufungen, die sich möglichst harmonisch in das natürliche Erscheinungsbild einfügen.


Was viele nicht wissen: Die abschließende Feinarbeit erfolgt erst, nachdem das Präparat vollständig getrocknet ist. Dabei werden gegebenenfalls entstandene Fugen geschlossen, Oberflächen nachmodelliert und die natürlichen Farbtöne wiederhergestellt.



Die Lauscher: Warum jede Falte auffällt


Lauscher dürfen keine Falten haben.
Lauscher dürfen keine Falten haben.

Besondere Aufmerksamkeit schenkt Eric den Lauschern, also den Ohren. „Schaut euch die Lauscher an, ob sie verbogen sind oder irgendwelche Falten drinnen sind. Das darf nicht sein.“


Ein hochwertiges Präparat besitzt sauber ausgeformte Ohren mit einer natürlichen Kontur und einer zum jeweiligen Tier passenden Stellung. Die Ohrmuscheln dürfen nicht verdreht oder durch die Präparation unnatürlich verformt sein. Unbeabsichtigte Falten, abstehende Hautpartien oder unsaubere Ränder sind typische Hinweise auf handwerkliche Schwächen. Davon zu unterscheiden sind natürliche Hautfalten an der Ohrbasis.


Bei der Präparation wird die Haut der Ohren über eine entsprechend geformte Unterlage gearbeitet. Sitzt sie nicht ausreichend fest, kann sich die Haut vom Untergrund lösen. Fachleute sprechen dabei vom sogenannten Drumming – einem Hohlraum zwischen Haut und künstlicher Ohrform.


Die Krucken: Auch die Übergänge müssen stimmen


Wichtig sind auch die Übergänge bei den Krucken oder den Rosenstöcken bzw. Rosen von Rehböcken.
Wichtig sind auch die Übergänge bei den Krucken oder den Rosenstöcken bzw. Rosen von Rehböcken.

Beim Gamsbock gibt es noch eine weitere Stelle, die besonders genau betrachtet werden sollte: die Übergänge zwischen den Krucken und dem behaarten Haupt. Die Krucken bestehen aus Hornschläuchen, die auf knöchernen Stirnzapfen sitzen. Sie unterscheiden sich damit grundlegend vom Geweih eines Hirsches. An ihren Ansätzen muss die Haut sauber anliegen. Es dürfen keine auffälligen Lücken entstehen, durch die etwa die darunterliegende Präparationsform sichtbar wird.


Entscheidend ist auch der natürliche Haarverlauf. Wird die Haut falsch positioniert, können unnatürliche Wirbel, kahle Stellen oder unschöne Übergänge entstehen. Ähnlich verhält es sich bei den Rosenstöcken beziehungsweise Rosen von Rehbockpräparaten. Gerade dort, wo Haut und knöcherne Trophäenteile zusammentreffen, ist Präzision gefragt.



Was man von außen nicht sofort erkennt


Die handwerkliche Qualität endet freilich nicht bei den sichtbaren Details. Moderne Wildpräparate werden längst nicht mehr im eigentlichen Sinn ausgestopft. In der Regel wird die entsprechend konservierte Haut über einen anatomisch angepassten Kunststoffkörper gezogen. Die Haut muss fachgerecht gereinigt, konserviert und auf den Körper abgestimmt werden. Eine mangelhafte Bearbeitung kann später zu Schrumpfungen, Rissen oder anderen Schäden führen. Auch eine stabile Befestigung, unsichtbare Nähte, saubere Haarverläufe und das Fehlen auffälliger Gerüche gehören zu den Qualitätskriterien.


Nicht alle diese Eigenschaften lassen sich bei der Übergabe zuverlässig mit freiem Auge beurteilen. Umso wichtiger sind das Vertrauen in den Präparator und dessen fachliche Erfahrung.



Ein Präparat soll Erinnerungen bewahren


Für Eric Leitner steht fest: Erst wenn die handwerklichen Details stimmen, ist die Grundlage für ein wirklich gutes Präparat geschaffen. Denn die Qualität eines Wildpräparats bemisst sich nicht daran, wie eindrucksvoll eine Trophäe präsentiert wird oder wie aufwendig der künstliche Lebensraum gestaltet ist.


Ein hervorragendes Präparat zeichnet sich dadurch aus, dass der Betrachter nicht zuerst die Arbeit des Präparators erkennt, sondern das Tier selbst.


Gerade der elfjährige Gamsbock des Meisters macht deutlich, worum es dabei geht. Ein solches Stück ist schließlich weit mehr als eine Trophäe. Es bewahrt die Erinnerung an ein besonderes Jagderlebnis und soll das Wildtier so naturgetreu wie möglich zeigen.






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