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Warum Pflichtkurs für elektronische Zielgeräte mehr ist als Formalität!

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
In Kärnten dürfen Jäger elektronische Zielgeräte bei der Wildschweinjagd verwenden.
In Kärnten dürfen Jäger elektronische Zielgeräte bei der Wildschweinjagd verwenden.

Die Nacht ist längst kein Schutzraum mehr für Schwarzwild. Moderne Technik hat die Spielregeln verändert – und mit ihr die Anforderungen an jene, die sie einsetzen wollen. In Kärnten ist der Umgang mit Infrarot- und elektronischen Zielgeräten deshalb klar geregelt: Wer damit auf Schwarzwild jagen will, muss zuvor einen gesetzlich verpflichtenden Kurs absolvieren.


In Althofen wurde kürzlich bei einem dieser Pflichtkurse - die landesweit von der Kärntner Jägerschaft veranstaltet werden - einmal mehr sichtbar, dass es dabei nicht um Technikbegeisterung geht – sondern um Kontrolle, Verantwortung und ein sensibles Gleichgewicht zwischen jagdlicher Praxis und gesellschaftlicher Akzeptanz.


130 Jägerinnen und Jäger hatten sich zur Schulung angemeldet und schon zu Beginn machte St. Veits Bezirksjägermeister Alfons Kogler deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte: „Moderne Zieltechnik eröffne neue Möglichkeiten – aber sie erhöhe gleichzeitig die Verantwortung jedes einzelnen Jägers.“ Kogelers Appell: „Technik dürfe niemals dazu führen, dass die Grundsätze der weidmännischen Jagd in den Hintergrund geraten.“


Der St. Veiter Bezirksjägermeister Alfons Kogler eröffnete die Pflichtschulung.
Der St. Veiter Bezirksjägermeister Alfons Kogler eröffnete die Pflichtschulung.

Ursprung der Regelung: Seuchenprävention


Mario Deutschmann,  Verwaltungsdirektor der Kärntner Jägerschaft
Mario Deutschmann, Verwaltungsdirektor der Kärntner Jägerschaft

Der rechtliche Rahmen wurde von Mario Deutschmann, dem Verwaltungsdirektor der Kärntner Jägerschaft, eingeordnet. Seine zentrale Botschaft: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist der eigentliche Treiber hinter der Öffnung der Nachtzieltechnik. Im Seuchenfall zählt jede Stunde – und damit die Fähigkeit, Schwarzwild auch unter schwierigen Sichtverhältnissen sicher und effizient zu bejagen.


Dass Kärnten hier einen klar geregelten Weg gewählt hat, ist kein Zufall. Jagdrechtliche Anpassungen in diesem Bereich müssen europarechtlich abgestimmt werden, was Zeit und politische Abstimmung erfordert.


Mehr als 3000 Jäger haben den Kurs in den vergangenen Jahren bereits absolviert – Tendenz steigend. „Mittlerweile kommen viele ein zweites oder drittes Mal, weil sich die Technik so schnell weiterentwickelt“, sagte Deutschmann.



Technischer Fortschritt verändert die Jagdpraxis


Den Übergang in die jagdliche Praxis gestaltete Eric Leitner, Schwarzwildreferent der Kärntner Jägerschaft. Seine Rolle ist klar: weniger Theorie, mehr Realität aus dem Revier. Ein Punkt war ihm besonders wichtig: Der Kurs soll keine Plattform für Produktverkäufe sein. Vielmehr gehe es darum, ein Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen der Technik zu entwickeln. Denn genau hier entscheidet sich, ob moderne Zielgeräte ein Fortschritt oder ein Risiko sind.


Wildschwein-Referent Eric Leitner
Wildschwein-Referent Eric Leitner

In der praktischen Anwendung zeigt sich, wie stark die Technik die Schwarzwildjagd bereits verändert hat. Wärmebildgeräte ermöglichen es, Wild frühzeitig zu erkennen, Bewegungen klar zu verfolgen und vor allem das Umfeld besser einzuschätzen. Ein entscheidender Vorteil: Der Blick endet nicht mehr beim angetragenen Stück. Auch dahinterliegende Sauen oder Frischlinge werden sichtbar. Situationen, die früher im Dunkeln verborgen blieben, lassen sich heute besser beurteilen. Leitner formulierte es nüchtern aus der Praxis: „Du schießt einfach genauer und besser.“



Mehr Präzision – aber keine Garantie


Doch die Technik hat ihre Grenzen. Und genau darauf wurde in Althofen immer wieder hingewiesen. Moderne Geräte können unterstützen – sie ersetzen aber nicht die Entscheidung des Jägers. Leitner selbst positionierte sich bewusst zurückhaltend „Ich bin sehr konservativ eingestellt. Nicht alles, was gut klingt, ist auch gut.“


"Waffenfux" Thomas Kamp
"Waffenfux" Thomas Kamp

Denn mit jeder technischen Verbesserung wächst auch die Gefahr, sich zu sehr auf das Gerät zu verlassen. Jagd bleibt eine Entscheidungssituation – mit allen Konsequenzen.

Wie entscheidend der richtige Umgang ist, zeigte der technische Teil von "Waffenfux" Thomas Kamp. Seine Botschaft war klar und praxisnah: Moderne Zielgeräte sind nur dann ein Gewinn, wenn sie korrekt eingesetzt werden.


Ein zentraler Punkt ist das Einschießen. Kamp formulierte es unmissverständlich: „Egal welches Gerät – schießt es ein. Alles andere ist ein Risiko.“ Geräte, die einfach montiert und ungeprüft verwendet werden, führen zwangsläufig zu Fehlschüssen.


Gerade bei Vorsatzgeräten ist die saubere Abstimmung mit Waffe und Optik entscheidend.

Auch bei der Auswahl gilt: Nicht das teuerste Gerät ist automatisch das richtige. Entscheidend ist, ob es zum Revier, zur Jagdart und zum eigenen Können passt.



ASP im Fokus – auch im Revieralltag


Neben Technik und Anwendung blieb ein Thema durchgehend präsent: die Afrikanische Schweinepest. Deutschmann machte in seinen Ausführungen deutlich, wie nahe bestätigte Fälle mittlerweile an Österreich herangerückt sind.


Die Konsequenz: erhöhte Aufmerksamkeit im Revier. Auffällige Stücke, Fallwild oder Verkehrsunfälle mit Schwarzwild müssen ernst genommen und gemeldet werden. Die Technik hilft bei der Bejagung – ersetzt aber nicht die Pflicht zur Beobachtung und Dokumentation.


Die Referenten: Mario Deutschmann, Thomas Kamp und Eric Leitner. Lukas Eberle von Nocpix-Generalimporteur MAWA - Innovative Outdoor Technology stellte das Nocpix-Produkt-Linie-Up vor.
Die Referenten: Mario Deutschmann, Thomas Kamp und Eric Leitner. Lukas Eberle von Nocpix-Generalimporteur MAWA - Innovative Outdoor Technology stellte das Nocpix-Produkt-Linie-Up vor.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Monitoring. Leitner brachte die Bedeutung in einem prägnanten Satz auf den Punkt: „Wer zählt, wird jagen.“


Gemeint ist die wachsende Bedeutung belastbarer Daten. Nur wer Vorkommen dokumentiert, Entwicklungen nachvollziehbar macht und Zahlen liefern kann, wird künftig auch argumentativ bestehen. Für die Jägerschaft bedeutet das: Beobachten, melden, dokumentieren – nicht als Bürokratie, sondern als Grundlage für Handlungsspielraum.


Der Pflichtkurs der Kärntner Jägerschaft in Althofen zeigt deutlich, wer moderne Technik nutzt, muss sie verstehen – rechtlich, technisch und jagdlich.

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