10 Fehler bei der Schwarzwildjagd – und wie Sie sie vermeiden!
- 12. Juni
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Wildschwein-Referent Eric Leitner verrät gegenüber "Schuss & Stille", wie Kärntens Jäger erfolgreich, sicher und weidgerecht Schwarzkittel bejagen und warum Kärntens Jäger dabei gesetzlich auf Wärmebild und Nachtsicht verwenden dürfen.
Es ist kurz nach Mitternacht. Der Wald liegt still. Kein Laut, kein Rascheln, kein Schuss. Nur das leise Klicken eines Wärmebildgerätes durchbricht die Dunkelheit. Plötzlich erscheinen auf dem Display helle Flecken. Erst einer, dann mehrere. Eine Rotte Schwarzwild zieht durch die Nacht. Für Wildschwein-Referent Eric Leitner von der Kärntner Jägerschaft beginnt genau hier die anspruchsvollste Jagdform unserer Zeit.
„Schwarzwild ist intelligent, anpassungsfähig und überwiegend nachtaktiv. Wer heute erfolgreich Wildschweine bejagen will, muss ihre Lebensweise verstehen“, sagt der leidenschaftliche Schwarzwildjäger.

Die neuen Herren der Almen
Noch vor wenigen Jahrzehnten galt Schwarzwild in Kärnten als Ausnahmeerscheinung. Heute sieht die Situation anders aus. Rund 700 Stück Schwarzwild werden jährlich im südlichsten Bundesland Österreichs erlegt. Besonders in den Bezirken Feldkirchen und Spittal an der Drau nehmen die Bestände zu. Bemerkenswert: Die Wildschweine erobern mittlerweile sogar hoch gelegene Almgebiete der Nockberge.
Während die Abschusszahlen österreichweit zuletzt leicht zurückgingen, bleibt die Schwarzwildbejagung eine der größten Herausforderungen der heimischen Jagd. Der Grund trägt einen Namen: Afrikanische Schweinepest (ASP).
Die ASP steht mittlerweile nur noch rund 150 Kilometer vor den Toren Österreichs. Für den Menschen ungefährlich, für Haus- und Wildschweine jedoch fast immer tödlich. „Ein geringer Schwarzwildbestand ist die beste Vorsorge gegen eine mögliche Ausbreitung der Schweinepest“, betont Leitner.

Warum Kärntens Jäger mit Wärmebild jagen dürfen
Um dieser Herausforderung zu begegnen, ermöglichte das Land Kärnten bereits seit 2021 den Einsatz elektronischer Zielhilfen bei der Schwarzwildbejagung. Für Leitner ist das ein entscheidender Fortschritt: „Mit moderner Nachtsicht- und Wärmebildtechnik lassen sich Fehlabschüsse deutlich reduzieren.“
Gerade in der Nacht können Jäger dadurch die Sozialstruktur einer Rotte besser erkennen. Führende oder tragende Bachen lassen sich wesentlich leichter ansprechen und schonen.
Die Technik ist allerdings streng geregelt. Wer elektronische Zielhilfen verwenden möchte, muss einen speziellen Ausbildungskurs absolvieren. Dort werden rechtliche Grundlagen, jagdliche Praxis und technische Aspekte vermittelt.
„Die Technik ersetzt niemals den Jäger. Sie hilft ihm lediglich, bessere Entscheidungen zu treffen“, sagt Leitner.
Die 10 größten Fehler bei der Schwarzwildjagd
Fehler 1: Mais statt Strategie
Sobald Schwarzwild auftaucht, werfen viele Jäger Mais aus. Für Leitner ist das der falsche Ansatz. „Das wichtigste Werkzeug bei der Schwarzwildjagd ist die Kommunikation.“ Wer sich mit Jagdnachbarn abstimmt, Wechsel beobachtet und Informationen austauscht, steigert seine Erfolgschancen erheblich.
Fehler 2: Zu wenig Geduld
Viele Jäger verlassen den Ansitz zu früh. Schwarzwild hält sich selten an feste Uhrzeiten. Nur weil die Rotte gestern um 22 Uhr erschien, muss sie heute nicht pünktlich sein.
„Sitzfleisch ist die wichtigste Eigenschaft eines Schwarzwildjägers.“
Fehler 3: Den Wind unterschätzen
Wildschweine verfügen über einen außergewöhnlich feinen Geruchssinn. Ein ungünstiger Luftzug genügt oft und die gesamte Rotte verschwindet lautlos in der Nacht.
Fehler 4: Die falsche Sau schießen
Der größte jagdliche Fehler ist die Erlegung einer führenden Bache. Leitners Grundsatz ist einfach: „Wer den kleinsten Frischling erlegt, macht nie einen Fehler.“ Gerade weibliche Frischlinge spielen bei der Bestandsregulierung eine entscheidende Rolle.
Fehler 5: Den starken Keiler suchen
Viele Jäger träumen vom kapitalen Keiler. Für die Bestandskontrolle sind jedoch Frischlinge und Überläufer wesentlich wichtiger. Wer ausschließlich auf Trophäen aus ist, verfehlt oft das eigentliche Ziel der Schwarzwildbejagung.
Fehler 6: Die Technik nicht beherrschen
Wärmebildgeräte und Nachtsichttechnik sind wertvolle Hilfsmittel. Sie ersetzen aber keine Erfahrung. Wer die Technik nicht beherrscht, riskiert Fehleinschätzungen und Fehlabschüsse.
Fehler 7: Schlecht platzierte Schüsse
Schwarzwild gilt als robustes Wild. Der sichere Schuss gehört breit stehend hinter das Blatt. „Experimente sind bei der Schwarzwildjagd fehl am Platz“, warnt Leitner.
Fehler 8: Zu früh nachgehen
Ein tödlich getroffenes Schwein kann noch erstaunliche Strecken zurücklegen. Wer unmittelbar nach dem Schuss nachgeht, erschwert die Nachsuche häufig zusätzlich.
Fehler 9: Angeschweißtes Schwarzwild unterschätzen
Ein verletzter Keiler oder eine verletzte Bache sind ernstzunehmende Gegner. „Schwarzwild verletzt jedes Jahr zahlreiche Jäger“, sagt Leitner. Eine Nachsuche gehört deshalb in die Hände erfahrener Nachsuchenführer und leistungsfähiger Hunde.
Fehler 10: Die ASP nicht ernst nehmen
Die Schwarzwildjagd dient längst nicht mehr nur der Wildbretgewinnung. Mit jedem verantwortungsvoll regulierten Bestand leisten Jäger auch einen wichtigen Beitrag zur Vorsorge gegen die Afrikanische Schweinepest.
Die Könige der Nacht

Trotz aller Herausforderungen warnt Leitner davor, Wildschweine als Schädlinge zu betrachten. „Manche würden Schwarzwild am liebsten ausrotten. Das ist völlig falsch.“
Für ihn sind Schwarzkittel ein unverzichtbarer Bestandteil der heimischen Biodiversität. Ziel sei nicht die Ausrottung, sondern eine verantwortungsvolle Regulierung. Vielleicht macht genau das den besonderen Reiz dieser Jagd aus: Die Intelligenz der Tiere, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Fähigkeit, selbst erfahrene Jäger immer wieder zu überraschen.
„Manchmal habe ich das Gefühl, die Schweine sind gescheiter als wir Jäger", so Leitner. Wer jemals erlebt hat, wie eine Rotte lautlos aus der Dunkelheit auftaucht und ebenso lautlos wieder verschwindet, versteht sofort, warum die Schwarzwildjagd als Königsdisziplin der Nacht gilt.









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