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Bergara Premier Elevate: Wenn Präzision keine Entfernung kennt

22. Juli
6 Min. Lesezeit
Waffenexperte David hat für "Schuss & Stille" die Bergara Premier Elevate.
Waffenexperte David hat für "Schuss & Stille" die Bergara Premier Elevate.


Carbon-Chassis. Carbonlauf. TriggerTech-Abzug. 7 PRC. Die neue Bergara Premier Elevate gehört zu den modernsten Jagdbüchsen, die aktuell am Markt erhältlich sind. Doch steckt hinter den beeindruckenden Datenblättern tatsächlich eine Waffe für anspruchsvolle Jäger – oder handelt es sich lediglich um eine Long-Range-Büchse im Tarnanzug? Waffenexperte David hat die neue Spanierin für "Schuss & Stille" bis ins kleinste Detail zerlegt und auf dem Schießstand getestet.



Schon der erste Blick verrät, dass die Spanier hier nichts dem Zufall überlassen wurde. Der futuristische Carbon-Schaft des kanadischen Chassis-Spezialisten MDT, das freistehende System, der Carbonlauf und die massive 20-MOA-Schiene wirken eher wie eine Präzisionsbüchse aus dem PRS-Sport als wie eine klassische Jagdwaffe.


Doch genau das war Bergaras Ziel. Mit der Elevate wollte der spanische Hersteller eine Büchse entwickeln, die das Beste aus zwei Welten verbindet: das geringe Gewicht einer modernen Bergbüchse mit der Präzision eines Long-Range-Gewehrs.



Vom Laufhersteller zur Weltmarke


Wer Bergara nur als Waffenhersteller kennt, kennt eigentlich nur die halbe Geschichte.

Das Unternehmen stammt aus dem Baskenland – einer Region Spaniens, in der seit Jahrhunderten Waffen gefertigt werden. Ursprünglich produzierte Bergara Läufe. Dabei griff das Unternehmen auf Fertigungstechnologien zurück, die unter anderem vom amerikanischen Laufexperten Ed Shilen mitentwickelt wurden. Erst später begann Bergara, komplette Repetierbüchsen zu bauen.


Heute gehört die Premier-Serie zu den Aushängeschildern des Unternehmens. Während sich die bekannte B14-Serie an den klassischen Jagdmarkt richtet, spielt die Premier-Linie technisch bereits in einer anderen Liga.


Herzstück ist ein hochpräzise gefertigtes System aus 416-Edelstahl, das vollständig auf dem Remington-700-Footprint basiert. Für den Schützen bedeutet das einen enormen Vorteil: Montagen, Chassis, Abzüge und zahlreiches Zubehör lassen sich problemlos aus dem riesigen Zubehörmarkt übernehmen.



MDT HNT26 – eines der besten Jagdchassis der Welt


Der ultraleichte und stabile MDT HNT26 Schaft
Der ultraleichte und stabile MDT HNT26 Schaft

David muss die Büchse nur wenige Sekunden in der Hand halten. “Unglaublich leicht.” Kein Wunder. Das MDT HNT26 zählt derzeit zu den modernsten Jagdchassis weltweit. Der kanadische Hersteller MDT entwickelte das System ursprünglich für Jäger, die lange Märsche im Gebirge mit höchster Präzision verbinden wollten.


Magnesium bildet den tragenden Kern, Carbonfaser sorgt für maximale Steifigkeit bei minimalem Gewicht. Das komplette Chassis wiegt weniger als 700 Gramm – Werte, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wären.


David gefällt vor allem die Ergonomie. Der nahezu senkrechte Pistolengriff erinnert an eine AR-15 und bringt Handgelenk und Abzugsfinger in eine entspannte Position. Die verstellbare Schaftbacke lässt sich exakt an jede Optik anpassen, Distanzstücke verändern die Schaftlänge, M-Lok-Schnittstellen ermöglichen den Anbau von Zweibeinen, ARCA-Schienen oder weiterem Zubehör.


Besonders interessant: Das System liegt direkt im Chassis. Auf eine zusätzliche Bettung verzichtet Bergara vollständig. Das erhöht die Steifigkeit erheblich – und genau dort beginnt Präzision.



Der CURE Carbon Lauf


Carbonläufe sind heute längst keine Neuheit mehr. Doch die Art und Weise, wie Bergara den CURE Carbon Barrel baut, allerdings schon. Im Inneren arbeitet ein vergleichsweise dünner Präzisionslauf aus Stahl. Außen wird dieser mit Carbon ummantelt. Das Besondere: Bergara integriert zusätzlich feine Edelstahlfasern in die Carbonstruktur. Sie verbessern die Wärmeleitung und reduzieren sogenannte Hot Spots, die bei klassischen Carbonläufen auftreten können. Dadurch erwärmt sich der Lauf gleichmäßiger und kühlt schneller wieder aus.


Genau das bestätigt sich auch auf dem Schießstand. David: “Nach mehreren Schüssen ist der Lauf gerade einmal handwarm. Das ist wirklich beeindruckend.” Der Testlauf selbst misst 62 Zentimeter – eine ideale Länge für das verwendete Kaliber 7 PRC, das seine Leistung erst mit ausreichend Lauflänge vollständig entfaltet.




7mm PRC – gebaut für die weite Distanz


Mit der 7mm PRC (Precision Rifle Cartridge) hat Hornady eines der modernsten Jagdkaliber der vergangenen Jahre entwickelt. Im Gegensatz zur klassischen 7 mm Remington Magnum wurde die Patrone konsequent auf lange, aerodynamisch günstige Geschosse ausgelegt.


Das Ergebnis:

  • geringere Winddrift

  • flachere Flugbahn

  • hohe Restenergie

  • ausgezeichnete Präzision auch jenseits der 500-Meter-Marke


Für den Test verwendet David die Norma Bondstrike mit 165 Grain (10,7 Gramm).

Die Laborierung passt hervorragend zum Konzept der Elevate. “Mit der Bondstrike haben wir in der 7 PRC bislang durchwegs sehr gute Erfahrungen gemacht.”


Bemerkenswert: Selbst auf 500 Meter liefert die Patrone noch rund 2.480 Joule Restenergie – ausreichend selbst für starkes Schalenwild. Entscheidend bleibt allerdings immer der sichere Treffer.



TriggerTech – wenn der Schuss überrascht


TriggerTech Black-Abzug
TriggerTech Black-Abzug

Beim Abzug vertraut Bergara auf den kanadischen Premiumhersteller TriggerTech. Verbaut ist der TriggerTech Black. Im Gegensatz zu herkömmlichen Matchabzügen arbeitet TriggerTech mit einer patentierten Frictionless Release Technology. Dabei gleiten keine Metallflächen übereinander. Stattdessen lösen rollengelagerte Bauteile nahezu reibungsfrei aus.


Das Ergebnis ist sofort spürbar. Kein Kriechen. Kein Nachziehen. Kein Überraschungsmoment.

David reduziert das Abzugsgewicht auf rund 600 Gramm. David: “So mag ich Jagdabzüge. Kurz, trocken und absolut sauber.”



Premier-System mit Liebe zum Detail


Auch der Verschluss zeigt, wie viel Entwicklungsarbeit in der Premier-Serie steckt. Der geflutete Edelstahlverschluss läuft außergewöhnlich weich. Verantwortlich dafür sind zusätzliche Führungsflächen, die den Verschluss praktisch spielfrei durch das System gleiten lassen. Zwei kräftige Ausstoßer sorgen dafür, dass selbst langsam repetierte Hülsen zuverlässig ausgeworfen werden. Ein kleines Detail mit großer Wirkung.



Schießstand: Vielversprechender Start


Testgeschossen wurde auf 100 Meter. Wie bei jeder neuen Büchse benötigt auch die Elevate zunächst einige Schüsse, bis Lauf und System optimal harmonieren. Bereits nach den ersten Gruppen zeigt sich das Potenzial.


Die Kombination aus Carbonlauf, Premier-System und TriggerTech liefert saubere Schussbilder. David ist überzeugt, dass mit einer individuell abgestimmten Laborierung oder präziser Wiederladungsmunition nochmals eine deutliche Steigerung möglich ist. Bergara selbst gibt für die Premier-Serie eine Sub-MOA-Garantie mit geeigneter Match- oder Premiumfabrikmunition an.



Leichtbau mit Konsequenzen


Kahles K624i mit Spuhr-Montage montiert auf der Bergara Premier Elevate
Kahles K624i mit Spuhr-Montage montiert auf der Bergara Premier Elevate

Mit knapp 2,9 Kilogramm ohne Optik und Zubehör ist die Bergara Premier Elevate für eine Büchse in 7 PRC außergewöhnlich leicht. Genau darin liegt einer ihrer größten Vorteile: Wer im Gebirge viele Höhenmeter zurücklegt, spürt jedes eingesparte Gramm. Das MDT-HNT26-Chassis und der CURE-Carbonlauf machen die Elevate deshalb zu einer ernsthaften Option für körperlich fordernde Jagden.


Allerdings stellt sich bei einer derart leichten Büchse auch die Frage nach der passenden Optik. Ein schweres Long-Range-Glas samt massiver Montage kann den Gewichtsvorteil rasch wieder zunichtemachen.


Das im Test verwendete Kahles K624i in der Spuhr-Montage passt technisch hervorragend zum Präzisionsanspruch der Elevate, bringt die komplett ausgestattete Waffe aber auf rund 4,65 Kilogramm. Für den konsequenten Gebirgseinsatz wäre ein leichteres Zielfernrohr daher die logischere Wahl.


Doch Leichtbau hat nicht nur Vorteile. Je geringer die Waffenmasse, desto deutlicher werden Rückstoß, Hochschlag und Mündungsbewegung spürbar. Gerade bei leistungsstärkeren Kalibern wie der 7 PRC kann eine sehr leichte Büchse anspruchsvoller zu schießen sein als ein schweres Präzisionsgewehr. Der Schütze muss die Waffe sauber anschlagen, konstant halten und darf sich keine Fehler in der Schießposition erlauben.


Wie kompromisslos sich geringes Gewicht auswirken kann, zeigte bereits die Steyr Gams: Für lange Märsche im Gebirge ist eine ultraleichte Büchse ein großer Vorteil, beim Schuss mit stärkeren Kalibern kann genau dieses geringe Gewicht jedoch zum Nachteil werden. Rückstoß und Schussverhalten fallen härter aus, schnelle Folgeschüsse werden schwieriger und auch das Beobachten der Trefferwirkung durch das Zielfernrohr ist anspruchsvoller.


Die Elevate bewegt sich deshalb bewusst auf einem schmalen Grat. Sie soll leicht genug für die Gebirgsjagd bleiben, gleichzeitig aber präzise genug sein, um die Möglichkeiten moderner Long-Range-Kaliber auszuschöpfen. Wer sie in 7 PRC führt, sollte sich darüber im Klaren sein: Das geringe Gewicht erleichtert den Aufstieg – beim Schuss verlangt es jedoch umso mehr Training, eine stabile Auflage und eine konsequent saubere Technik.


Die Bergara Premier Elevate ist eine Jagdwaffe für Spezialisten
Die Bergara Premier Elevate ist eine Jagdwaffe für Spezialisten


Wo Licht ist, gibt es auch Schatten


AICS-Stahlmagazin der Bergara Premier Elevate
AICS-Stahlmagazin der Bergara Premier Elevate

Ganz ohne Kritik kommt die Bergara Premier Elevate aber nicht davon. Das AICS-Stahlmagazin erfüllt zwar zuverlässig seinen Zweck, könnte nach Davids Geschmack aber kompakter ausfallen. “Es steht relativ weit heraus und klappert etwas. Funktionell gibt es nichts zu bemängeln, optisch wäre weniger manchmal mehr.”


Die Bergara Premier Elevate ist jedenfalls keine Büchse für jedermann. Sie wurde nicht für den klassischen Ansitz auf 80 Meter entwickelt und auch nicht als ultraleichte Pirschbüchse für jede Gelegenheit.


Ihr Revier beginnt dort, wo Präzision auf größere Entfernungen gefragt ist – in den Bergen, bei anspruchsvollen Jagden oder für Jäger, die regelmäßig auf dem Schießstand trainieren und die Möglichkeiten moderner Long-Range-Technik ausschöpfen möchten.


Carbonlauf, MDT-HNT26-Chassis, Premier-System und TriggerTech-Abzug ergeben ein Gesamtpaket, das sich in dieser Preisklasse kaum verstecken muss. Wer den Schritt in die Welt moderner Präzisionsjagd gehen möchte, findet in der Elevate eine außergewöhnlich durchdachte Plattform.


Davids Urteil fällt deshalb eindeutig aus: “Bergara hat hier eine Büchse gebaut, die konsequent auf Präzision ausgelegt ist. Wer ihre Möglichkeiten nutzt, bekommt eine der spannendsten Long-Range-Jagdbüchsen am Markt.”






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