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Sauer 202 Highland: Eine Jagdbüchse, die ihrer Zeit voraus war

vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit
David würde die Sauer 202 Highland am liebsten gar nicht mehr hergeben.
David würde die Sauer 202 Highland am liebsten gar nicht mehr hergeben.


Sie wiegt nur rund 2,7 Kilogramm, besitzt ein Leichtmetall-System, einen kurzen kannelierten Lauf und stammt aus einer Zeit, in der Carbon bei Jagdgewehren noch kaum eine Rolle spielte. Trotzdem – oder gerade deshalb – zählt die Sauer 202 Highland für Waffenexperte David Mischkulnig von Alpen Adria Jagd in Villach bis heute zu den spannendsten Jagdbüchsen aus Isny. Wir wollten wissen: Was kann die alte Dame noch?


„Wir haben wieder eine von meinen Favoriten gefunden.“ David braucht nicht lange, um klarzumachen, dass diesmal keine beliebige Gebrauchtwaffe auf seiner Werkbank liegt. Vor ihm steht eine Sauer 202 Highland im Kaliber .30-06 Springfield. Rund 20 Jahre hat sie auf dem Buckel. Und trotzdem fährt der Verschluss so satt durchs System, dass David grinst.

„Die 202 ist heute noch ein Wahnsinn. Sie halten ihren Preis extrem gut und sie haben eigentlich immer schon gut geschossen.“


Das ist keine reine Nostalgie. Hinter der Sauer 202 steckt ein Konstruktionsprinzip, das seiner Zeit erstaunlich weit voraus war.



Eine Sauer, die Geschichte geschrieben hat


David ist von der Sauer 202 fasziniert.
David ist von der Sauer 202 fasziniert.

Die Geschichte beginnt bereits 1985 mit der Sauer 200. Sie war laut Sauer die erste modulare Repetierbüchse des Unternehmens und konnte mit unterschiedlichen Läufen, Schäften und anderen Komponenten konfiguriert werden. 1993 entwickelte Sauer daraus die Sauer 202. Erst 2015 kam mit der Sauer 404 offiziell ihr Nachfolger. Mehr als zwei Jahrzehnte lag die 202 damit im Zentrum des Sauer-Programms.


Das erklärt, warum heute noch so viele davon in deutschen und österreichischen Revieren unterwegs sind.


Die eigentliche Besonderheit war die modulare Konstruktion. Lauf, Verschluss, Magazin, Schaft und System wurden nicht als untrennbare Einheit gedacht. Sauer bot über die Jahre eine fast unüberschaubare Zahl an Varianten an: Classic, Elegance, Forest, Outback, Wolverine, Stutzen – und eben die Highland. Und deren Auftrag war eindeutig: runter mit dem Gewicht.



Highland: Leichtbau, bevor alle von Carbon sprachen


Heute sind 2,7 Kilogramm für eine Bergbüchse nichts Außergewöhnliches mehr. Carbon-Schäfte, dünne Läufe und Leichtmetallteile haben die Drei-Kilo-Marke längst entzaubert.

Bei der Sauer 202 Highland sah das anders aus.


Sauer gab die Highland mit nur rund 2,7 Kilogramm, einem 51 Zentimeter kurzen Lauf, einem Leichtmetall-Gehäuse, kanneliertem Lauf und kannelierter Kammer sowie einem Monte-Carlo-Schaft aus Nussbaumholz der Klasse 3 an. Je nach Katalogjahr wurde eine Gesamtlänge von rund 103 bis 104 Zentimetern genannt. Das sogenannte Rucksack-Packmaß lag bei lediglich 71,5 Zentimetern.


Und genau deshalb war die Highland eine ausgesprochene Pirsch- und Bergjagdbüchse. Das Interessante dabei: Sauer sparte zwar Gewicht, wollte aber nicht auf Holz verzichten. Genau darin liegt bis heute ein Teil ihres Reizes. Die Highland fühlt sich nicht wie eine ultraleichte Kunststoffbüchse an. Man hält weiterhin eine klassische Jagdwaffe mit schön gemasertem Nussbaum in der Hand – nur eben eine erstaunlich leichte. David bringt es pragmatisch auf den Punkt: „Weniger Gewicht, dafür mehr Willhaben-Effekt.“


Das System der Sauer 202 Highland wurde aus solch einem Block Aluminium gefräst.
Das System der Sauer 202 Highland wurde aus solch einem Block Aluminium gefräst.


Das technische Geheimnis sitzt ganz vorne


Dass Sauer überhaupt ein Aluminiumgehäuse verwenden konnte, hängt unmittelbar mit der Verriegelung zusammen. Bei der von David gezeigten .30-06 greifen sechs Verriegelungswarzen direkt in den Lauf. Das Systemgehäuse muss damit nicht jene Verriegelungskräfte aufnehmen, die bei klassischen Konstruktionen über die Systemhülse übertragen werden. Genau diese direkte Verriegelung im Lauf war eine Grundlage des modularen Sauer-Konzepts. Der Verschluss öffnet mit einem Winkel von lediglich 60 Grad.


Wer einmal eine gut erhaltene 202 repetiert hat, versteht schnell, warum Besitzer immer wieder vom Schlossgang schwärmen. Auch David lässt den Verschluss mehrmals laufen.

„Das fühlt sich sowas von fein an.“ Die Kammer der Highland ist zusätzlich kanneliert. Das spart ein paar Gramm, sieht gut aus – und David sieht darin noch einen praktischen Vorteil: Schmutz und Rückstände können sich eher in den längs laufenden Nuten sammeln, anstatt großflächig zwischen Kammer und System zu reiben. Nach rund zwei Jahrzehnten zeigt die Testwaffe innen jedenfalls erstaunlich wenige Spuren.




Leichtmetall hat auch eine Kehrseite


Ganz ohne Nachteile funktioniert Leichtbau allerdings nicht. Während andere 202-Varianten mit Stahlgehäuse gebaut wurden, besteht das Gehäuse der Highland aus Leichtmetall. Das spart erheblich Gewicht, ist oberflächlich aber empfindlicher gegenüber harten Stößen und Montagespuren.


David zeigt kleine Macken an der Beschichtung. Technisch belanglos – optisch bei einer gepflegten Büchse ärgerlich. Die Stahlteile der Highland wurden seinerzeit mit Ilaflon beschichtet, einer widerstandsfähigen Oberflächenbeschichtung. Sauer bewarb die Kombination aus Leichtmetallgehäuse, beschichteten Stahlflächen und kannelierten Komponenten ausdrücklich als Kern der Highland-Ausstattung.


Eine zwanzig Jahre alte Jagdbüchse darf trotzdem Patina haben. Vielleicht gehört genau das inzwischen zum Charme dieser Gewehre.



Eine Sicherung, die man ertasten kann


Gut sichtbar: der Sauer-Druckknopf der Sicherung
Gut sichtbar: der Sauer-Druckknopf der Sicherung

Ungewöhnlich ist aus heutiger Sicht auch die Sicherung. Oben am Kolbenhals sitzt der charakteristische Sauer-Druckknopf. Zum Entsichern befindet sich ein separates Bedienelement geschützt vor dem Abzug. Die Konstruktion blockiert bei gesicherter Waffe mehrere sicherheitsrelevante Komponenten; auch der Verschluss lässt sich dann nicht öffnen. Sauer bezeichnete das System als indirekte Schlagbolzensicherung.


Der Vorteil im jagdlichen Alltag: Der Zustand lässt sich nicht nur sehen, sondern auch ertasten. Die 202 war außerdem mit verschiedenen Abzugssystemen erhältlich. Sauer führte einen Direktabzug, einen Direktabzug mit Rückstecher sowie einen Matchabzug. Beim Stecher nannte Sauer ab Werk etwa 300 Gramm Widerstand; der Matchabzug lag laut Anleitung bei rund 700 Gramm.


David kennt allerdings auch die Eigenheiten alter Stecher-Systeme und rät dazu, Einstellungen nicht unnötig extrem zu wählen – gerade bei Waffen, die zwischen warmem Schießstand und eisigem Winterrevier eingesetzt werden.


Schaftwechsel sind bei der Sauer 202 kinderleicht möglich.
Schaftwechsel sind bei der Sauer 202 kinderleicht möglich.


Baukastensystem – aber nicht grenzenlos


Einer der größten Reize der 202 war ihr modularer Aufbau. Schäfte konnten gewechselt werden, verschiedene Montagen waren verfügbar und innerhalb der vorgesehenen System- und Kalibergruppen ließen sich auch Läufe tauschen. Doch genau hier räumt David mit einem Missverständnis auf: Eine Sauer 202 ist kein universelles Laufwechselsystem, in das sich beliebig jedes Kaliber einsetzen lässt.


Sauer arbeitete mit unterschiedlichen System- beziehungsweise Kalibergruppen. Eine Standard-202 in .30-06 lässt sich also nicht einfach durch einen Laufwechsel zur Magnum-Version machen. Magnum-Ausführungen besitzen konstruktive Unterschiede. Sauer selbst beschrieb Kaliberwechsel deshalb ausdrücklich als Wechsel innerhalb der jeweiligen Kaliberkategorie


Genau diese Modularität war für die 1990er- und 2000er-Jahre trotzdem bemerkenswert – und erklärt mit, weshalb die Plattform so lange erfolgreich blieb.



Und die Präzision?


Stecher-Abzug der Sauer 202 Highland
Stecher-Abzug der Sauer 202 Highland

Hier zeigt die alte Sauer, warum die 202 ihren Ruf bekommen hat. Die Highland schießt trotz kurzem Lauf und niedrigem Gewicht sauber. Schon zeitgenössische Tests kamen zum gleichen Ergebnis: Bei einem Test einer .30-06 Highland mit 51-cm-Lauf lagen mehrere 180-Grain-Laborierungen auf 100 Meter unter 30 Millimeter, die beste geprüfte Laborierung sogar bei 17 Millimetern für drei Schuss. Gleichzeitig stellten die Tester genau das fest, was David heute spürt: In einer nur 2,7 Kilogramm schweren .30-06 ist der Rückstoß deutlich vorhanden.


Das ist vielleicht die ehrlichste Beschreibung der Highland. Sie ist keine schwere Matchbüchse. Sie wurde gebaut, um getragen zu werden. Und wenn es darauf ankommt, soll sie treffen.



Warum gebrauchte 202er noch immer gesucht werden


Eine neue Sauer 202 kann man heute nicht mehr bestellen. Seit 2015 hat die Sauer 404 offiziell ihre Rolle als modulare Premiumbüchse übernommen. Trotzdem – oder deswegen – hat sich um gute 202er längst ein eigener Gebrauchtmarkt entwickelt.


David sieht ordentliche Exemplare grob zwischen rund 1.500 und 3.000 Euro, abhängig von Ausführung, Zustand, Holz, Kaliber und Zubehör. Gravierte Stahlversionen oder seltene Varianten können deutlich darüber liegen. Und gerade bei der Highland dürfte der Faktor Angebot entscheidend sein. David würde jedenfalls sofort eine nehmen. „Wenn irgendwer eine Sauer 202 Highland hat und sie nicht mehr braucht: bei mir melden.“ Man glaubt ihm das.



Eine Büchse aus einer Zeit, als „modular“ noch kein Modewort war


Die Sauer 202 Highland ist technisch nicht mehr die jüngste Jagdbüchse. Sie besitzt keine verstellbare Schaftbacke, keinen Carbon-Schaft, keine integrierte Picatinny-Schiene und kein modernes Handspannsystem.


Und dennoch wirkt erstaunlich wenig an ihr wirklich alt. Direkt im Lauf verriegelnder Verschluss. 60-Grad-Öffnungswinkel. Wechselbare Komponenten. Abnehmbares Magazin. Leichtmetall-System. Kannelierter Lauf. 2,7 Kilogramm Gewicht.


Vieles davon wird heute als Verkaufsargument moderner Premiumbüchsen präsentiert.

Die Highland konnte es vor rund zwei Jahrzehnten schon. Vielleicht erklärt genau das Davids Begeisterung am besten. Er streicht noch einmal über den schlanken Nussbaumschaft, lässt die Kammer zufahren und sagt einen Satz, der keinen Ballistikrechner braucht: „Die 202 ist einfach extrem geil.“ Und nach diesem Test fällt es erstaunlich schwer, ihm zu widersprechen






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