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Blaser R8 Professional 2.0: Das Jagdgewehr aus Isny, auf das viele gewartet haben?

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
Waffenexperte David von Alpen Adria Jagd in Villach hat die Blaser R8 Professional 2.0 getestet.
Waffenexperte David von Alpen Adria Jagd in Villach hat die Blaser R8 Professional 2.0 getestet.

Blaser und Polarisierung – das gehört irgendwie zusammen. Für die einen ist die R8 längst die Referenz unter den Jagdgewehren, für andere bleibt sie trotz aller technischen Finesse ein teures Werkzeug mit viel Kunststoff. Mit der neuen Blaser R8 Professional 2.0 versucht der Hersteller aus Isny nun genau dort anzusetzen, wo viele Jäger Kritik geäußert haben: weniger Gewicht, mehr Führigkeit und eine konsequent praxisorientierte Ausrichtung. Aber ist die Professional 2.0 tatsächlich die R8, auf die viele gewartet haben? Oder bleibt sie am Ende einfach nur eine etwas günstigere R8?


Schon beim ersten Griff wird klar: Diese Blaser will keine elegante Vitrinenwaffe sein.

Kein Lochschaft, keine auffälligen Holzelemente, kein luxuriöses Erscheinungsbild. Die Professional 2.0 setzt auf einen robusten Kunststoffschaft – kompromisslos auf Funktion ausgelegt.


Die neue Linie ist in zwei Farben erhältlich:

  • Dark Olive

  • Schwarzbraun


Der Schaft wirkt deutlich kompakter und schlanker als bei Ultimate- oder Success-Varianten. Vor allem gegenüber einer voll ausgestatteten R8 Ultimate fällt eines sofort auf: Die Waffe wirkt überraschend führig. Gerade Jäger, die bisher das Gewicht größerer R8-Konfigurationen kritisiert haben, dürften aufhorchen. "Die Ultimate kann – je nach Glas, Schalldämpfer und Ausstattung – schnell über fünf Kilo kommen. Das wird im Gebirge irgendwann einfach mühsam. Die Professional 2.0 fühlt sich dagegen deutlich kompakter an", so Waffenexperte David Mischkulnig.



Pistolengriff statt Lochschaft – ein überraschender Vorteil


Blaser verabschiedet sich bei der Professional 2.0 bewusst vom klassischen Lochschaft.

Stattdessen kommt ein steiler Pistolengriff zum Einsatz, der viele Eigenschaften des Lochschaftes übernimmt:


  • kurze Distanz zum Abzug

  • entspannte Handhaltung

  • natürlicher Anschlag

  • schnelle Schussabgabe


Dazu kommen die bekannten Elasto-Einlagen mit strukturierter Oberfläche. Gerade bei Nässe, Schnee oder kalten Händen fällt sofort auf: Die Waffe liegt beinahe “klebend” in der Hand.



Der Handspanner bleibt eines der stärksten Sicherheitskonzepte


Natürlich bleibt Blaser seiner Philosophie treu: Die Professional 2.0 besitzt wieder den bekannten Handspanner mit Illumination Control.


Die Vorteile:

  • entspannt transportieren

  • erst unmittelbar vor dem Schuss spannen

  • hohe Sicherheit

  • automatische Steuerung kompatibler Zieloptiken


Beim Repetieren zeigt sich wieder die typische Stärke des Systems: Der Daumen kann in Position bleiben. Während andere Lochschaftsysteme oft eine komplette Handbewegung verlangen, bleibt die Hand praktisch dort, wo sie ist. Das macht die R8 schnell – richtig schnell.



Radialbundverschluss: Das Herzstück der R8


Technisch bleibt die Professional 2.0 eine klassische R8. Der Radialbundverschluss verriegelt direkt im Lauf, nicht im Systemkasten.

Das sorgt für:

  • hohe Stabilität

  • präzise Wiederholgenauigkeit

  • zusätzliche Sicherheit


Besonders interessant: Schließt man die Kammer nicht vollständig, verriegelt der Verschluss nicht sauber – ein Schuss kann sich nicht lösen. David erklärt: “Man kennt das bei Blaser-Schützen. Man schließt zu vorsichtig, drückt ab – und nichts passiert. Erst wenn wirklich verriegelt ist, wird der Schuss freigegeben.” Ein Sicherheitsdetail, das im Jagdalltag durchaus relevant ist.



Laufwechsel bleibt eines der stärksten Argumente


Natürlich bleibt die modulare Bauweise erhalten.

Mit wenigen Handgriffen lassen sich wechseln:

  • Lauf

  • Kaliber

  • Magazin-Einsatz

  • Verschlusskopf


Und genau hier spielt die R8 seit Jahren ihre größte Stärke aus. Heute Rehwild im Kaliber .270 Win. Morgen Rotwild mit einer 8,5x55. Übermorgen Drückjagd mit einer .308.

Ohne neue Waffe. Ohne neues System.



Neue DLC-Beschichtung: Härter als bisher


Eine der größeren Neuerungen betrifft den Lauf. Blaser setzt auf DLC-A Plus (Diamond Like Carbon).

Die Vorteile:

  • deutlich kratzfester

  • widerstandsfähiger gegen Korrosion

  • geringere Oberflächenabnutzung


Trotzdem gilt: Pflege ersetzt sie nicht. David: “Wenn man eine kalte Waffe im Futteral ins warme Wohnzimmer legt und sie dort feucht liegen lässt, wird irgendwann auch die beste Beschichtung an ihre Grenzen kommen.”


David mit der Blaser R8 Professional 2.0 am Schießstand.
David mit der Blaser R8 Professional 2.0 am Schießstand.

Schießstand: Überraschend harmonisch


Am Schießstand ging es anschließend an die Praxis.

Konfiguration:

  • Blaser R8 Professional 2.0

  • Blaser B2 2-12x50 mit Ballistikturm

  • Original-Blaser-Sattelmontage

  • Svemko Short mit Quick-Lock

  • Norma Odin 10,5 g


Bereits die ersten Schüsse zeigten: Die Kombination harmoniert erstaunlich gut. Vier Schuss lagen eng zusammen – und das mit einer neuen Waffe und einer Munition, die nicht speziell auf das Gewehr abgestimmt wurde. David: “Das war jetzt kein stundenlanges Laborieren. Die Waffe hat mit der Norma Odin einfach sofort funktioniert.”


Fazit: Eine R8 für Jäger statt für Vitrinen


Die Professional 2.0 wirkt wie eine Antwort auf viele Wünsche aus der Praxis. Weniger Gewicht. Mehr Führigkeit. Robuster Aufbau. Keine Spielereien. Und trotzdem bleibt alles erhalten, was eine R8 ausmacht: Modularität, Sicherheit, Geschwindigkeit und Präzision.

Bleibt nur ein Punkt: Der Preis. Rund 3.300 bis knapp 4.000 Euro, je nach Ausführung, sind für eine Kunststoffwaffe kein kleiner Betrag. Aber vielleicht liegt genau dort die entscheidende Frage: Kauft man hier Kunststoff – oder ein Werkzeug? Nach unserem "Schuss & Stille"-Test spricht vieles für Letzteres.






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