top of page

Der Volksrepetierer von Keltenarms für die neue Jägergeneration

  • vor 7 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit
David Mischkulnig von Alpe Adria Jagd testete für Schuss & Stille den neuen Volksrepetierer.
David Mischkulnig von Alpe Adria Jagd testete für Schuss & Stille den neuen Volksrepetierer.

Manchmal kommt eine neue Büchse nicht mit großem Trommelwirbel auf den Markt, sondern mit einer deutlich gefährlicheren Botschaft: Sie soll funktionieren. Ohne Allüren, ohne Luxusgehabe, ohne Preisregionen, die junge Jäger sofort wieder auf den Gebrauchtmarkt treiben. Genau in diese Lücke stößt nun Kelten Arms mit dem VR1, dem selbstbewusst als „Volksrepetierer“ positionierten neuen Modell.


Für Schuss & Stille hat Büchsenmacher David Mischkulnig von Alpen Adria Jagd den neuen VR1 in die Hand genommen, montiert, probegeschossen und genau dorthin geschaut, wo bei einer Jagdbüchse am Ende alles entschieden wird: Verschluss, Abzug, Ergonomie, Preis-Leistungs-Verhältnis und ehrliche Reviertauglichkeit.



Ein Name mit Ansage


Schon die Bezeichnung ist kein Zufall. VR1 steht für „Volksrepetierer 1“ – und dieser Name trägt Programm in sich. Kelten Arms will keine elitäre Nischenwaffe präsentieren, sondern einen Repetierer, der für breite jagdliche Praxis gedacht ist. Keltenarms spricht von einer zuverlässigen Wahl für Jäger und Sportschützen, trocken stehenden Feinabzug und praktisches Laufwechselsystem. Zusätzlich gibt es den VR1 auch als Success-Lochschaft-Variante.


Allein dieser Ansatz ist interessant. Denn der Markt für Repetierbüchsen ist dicht besetzt: unten die kompromisslosen Einstiegssysteme, oben die edlen Prestigegewehre. Dazwischen klafft seit Jahren ein Bereich, in dem viele Jäger eigentlich suchen: ein klassischer, ordentlich gebauter Repetierer mit sauberem Schlossgang, gutem Abzug, moderner Montagebasis und einem Preis, der noch nicht weh tut. Genau dort will der VR1 hinein.



Was der VR1 auf dem Papier bietet


Volksrepetierer im Kaliber .308 Win
Volksrepetierer im Kaliber .308 Win

Unsere Testwaffe ist im Kaliber .308 Winchester mit 560 Millimeter Lauflänge, 1.075 Millimeter Gesamtlänge, 3.000 Gramm Gewicht, Mündungsgewinde M15x1, Standard-Picatinny-Schiene und Magazinkapazität 3+1. Das Abzugsgewicht beträgt rund 450 Gramm. Der Preis des Volksrepetierers liegt bei 1.750 Euro; die Lochschaft-Version soll 1.950 Euro kosten. 


Für David Mischkulnig ist der Volksrepetierer ein klassischer Repetierer mit Zylinderverschluss: "Ein sehr gutes Gewehr mit einem gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, das gerade für junge Jäger oder für alle interessant sein könne, die einen ehrlichen Einstieg in die Klasse der modernen Repetierbüchsen suchen."



Der erste Eindruck: klassisch – aber nicht altmodisch


Was am VR1 sofort auffällt, ist die bewusste stilistische Linie. Mischkulnig beschreibt die Waffe als klassischen Repetierer in traditioneller Optik, allerdings mit Details, die klar in die Gegenwart zeigen. Dazu zählt aus seiner Sicht vor allem der relativ steile Pistolengriff, der der Büchse mehr Kontrolle in der Schusshand geben soll als viele konservativ geformte Schäfte alter Schule.


Gerade bei schnellen Anschlägen, sitzendem Schuss oder beim wiederholten Repetieren auf dem Stand entscheidet die Griffgeometrie oft stärker über das subjektive Schießgefühl als jeder Katalogwert. Ein steilerer Pistolengriff bringt die Hand nämlich näher in eine natürliche Linie zum Abzug – das kann das Gefühl für den Druckpunkt und die Kontrolle beim Auslösen spürbar verbessern.


Dazu kommt laut Mischkulnig eine Schaftausführung, die sich bewusst an jagdlichen Gewohnheiten orientiert. Er spricht von einem bayerischen Backenstück, also von einem Detail, das besonders im deutschsprachigen Raum weiterhin viele Freunde hat: klassische Linienführung, brauchbare Anlage, traditioneller Auftritt. Wer jagdlich gern mit „richtiger Büchsenoptik“ unterwegs ist und nicht mit rein taktisch gezeichneten Schäften, wird genau hier hinhören.



Der Verschluss: entscheidend für Vertrauen


Bei jeder Repetierbüchse kommt irgendwann der Punkt, an dem Marketing endet und Mechanik beginnt. Beim VR1 ist das der Verschluss, denn dieser führt die Patronen sauber zu, schließt zuverlässig und hakt beim zweiten, dritten oder schnellen Schuss nicht. "Eine ehrliche Arbeitsbüchse", so der Waffenexperte.




Lauf, Gewinde, Kaliber – praxisnah gedacht


David Mischkulnig gefällt der VR1
David Mischkulnig gefällt der VR1

Der getestete VR1 in .308 Winchester kommt mit 560-Millimeter-Lauf und M15x1-Mündungsgewinde. Das ist eine Konfiguration, die im Revier praktisch kaum Diskussionen auslöst: genug Rohr für saubere Ballistik im Standardkaliber, dazu das in Mitteleuropa weit verbreitete Gewinde für Schalldämpfer oder Mündungsbremse. 


Besonders interessant ist aber das Laufwechselsystem. Wenn dieses Konzept sauber umgesetzt ist, könnte genau darin einer der größten Pluspunkte des VR1 liegen: eine Plattform statt nur eines Einzelgewehrs. Öffentlich bestätigt ist derzeit, dass Kelten Arms das System mit Blick auf verschiedene Kaliber und Einsatzbereiche positioniert.



Picatinny statt Bastelstunde


Ein Detail, das in der Praxis oft unterschätzt wird: Der VR1 kommt mit Standard-Picatinny-Schiene. Das klingt unspektakulär, ist im Alltag aber Gold wert. Wer heute jagdlich eine Büchse kauft, will nicht mehr in jeder zweiten Werkstatt diskutieren, welche Sonderbasis, welche Fräsung oder welche exotische Brücke sich wie mit welchem Glas verheiraten lässt. Picatinny bedeutet: unkompliziert, robust, flexibel. 


Für den Testaufbau von Schuss & Stille montierte Mischkulnig ein Heimdall H8Xi 2-16x50 und ordnete das Glas als preislich interessante Lösung (ab 899 Euro) ein.

8XI, 2-16X50



Preisfrage: Warum der VR1 gerade jetzt interessant ist?


Der Markt hat sich in den letzten Jahren in eine Richtung entwickelt, die viele Jäger frustriert. Unterhalb der Premiumklasse wird um jeden Euro gefeilscht, oberhalb davon steigen die Preise oft in Regionen, in denen sich das Wort „Volks-“ fast zynisch anhört. Genau deshalb ist der VR1 so spannend. Ein aktueller Marktpreis von 1.750 Euro für die Standardausführung und knapp 1.950 Euro für die Lochschaft-Version positioniert die Waffe klar als leistungsorientierten Mittelbau


Mischkulnig sieht darin den eigentlichen Kern der Sache. Nach seinen Aussagen könnte der VR1 gerade für Einsteiger, Jungjäger oder auch für routinierte Weidmänner interessant werden, die bewusst keinen Statuskauf suchen, sondern ein scharf kalkuliertes Arbeitsgerät.



Und wie schießt der Volksrepetierer sich?


David Mischkulnig hat den VR1 für Schuss & Stille ausprobiert und probegeschossen – und sein Grundtenor ist sehr positiv. Das ist vielleicht die spannendste Aussage. Denn viele Waffen können auf dem Papier interessant wirken. Die wichtige Frage ist, ob ein Büchsenmacher, der tagtäglich Systeme in der Hand hat, nach den ersten Schüssen das Gesicht verzieht oder nickt. Beim VR1 war eindeutig Letzteres der Fall zu sein.




Was der VR1 sein will – und was nicht


Der VR1 will keine Luxuswaffe sein. Er will auch nicht das exzentrische Technik-Statement für die Vitrine geben. Sein Anspruch ist ein anderer: vertrauenswürdig, unkompliziert, solide, bezahlbar.


Damit trifft der Volksrepetierer einen Nerv. Denn jagdliche Realität besteht nicht nur aus perfekt ausgeleuchteten Messeständen und hochglanzpolierten Schaftsilhouetten. Sie besteht aus Nässe, Schweiß, Kanzelaufstieg, Rucksackdruck, Einschießen, Kontrollschüssen, Drückjagdtagen, Pirschgängen und dem Wunsch, eine Waffe zu führen, die nicht nur gut aussieht, sondern gut arbeitet.



Wer steckt hinter Kelten Arms?


Eingeschossen wurde der Volksrepetierer mit dem Bondstrike Geschoss von Norma und das Schussbild kann sich wirklich sehen lassen.
Eingeschossen wurde der Volksrepetierer mit dem Bondstrike Geschoss von Norma und das Schussbild kann sich wirklich sehen lassen.

Der VR1 ist zweifellos einer der interessanteren Neuzugänge im aktuellen Repetierermarkt – gerade weil er sich nicht als Waffe für Sammlerträume inszeniert, sondern als Volksrepetierer. Hinter dem VR1 steht Kelten Arms mit Sitz im österreichischen Ried im Innkreis, wo die Waffe auch zusammengebaut wird. Geschäftsführer ist Bernhard Gschwendtner, der auch hinter dem Waffengroßhändler GMG Austria steht, über den der Volksrepetierer auch vertrieben wird. Die Teile für den VR1 werden übrigens in Tschechien gefertigt.


Ob der VR1 am Ende auch wirklich zum Volksrepetierer wird, entscheidet nicht der Name. Das entscheiden Schlossgang, Schussleistung, Langzeithaltbarkeit und das, was Jäger nach einer Saison im Revier über ihn sagen. Aber unser erster Eindruck ist klar: Dieser Neue meint es ernst.



Kommentare


bottom of page