top of page

Geweih gebrochen? Ein bisschen Weißleim, schon ist alles wieder gut

vor 17 Stunden
3 Min. Lesezeit
Das völlig zerstörte Geweih eines Einserhirsches wird von Präparatormeister Eric Leitner wieder gefixt.
Das völlig zerstörte Geweih eines Einserhirsches wird von Präparatormeister Eric Leitner wieder gefixt.

Ein falscher Sturz, ein unglücklicher Aufprall und schon ist die schönste Hirsch-Trophäe beschädigt. Doch eine abgebrochene Geweihstange oder ein zerbrochener Schädel müssen noch lange nicht das Ende sein. „Schuss & Stille“-Präparatormeister Eric Leitner zeigt, wie sich solche Schäden mit überraschend einfachen Mitteln reparieren lassen.


Hirsch mit abgebrochenem Geweih
Hirsch mit abgebrochenem Geweih

Der Hirsch ist erlegt, die Freude über das Jagdglück groß. Doch dann passiert es: Das schwere Stück stürzt über eine Felskante, schlägt auf einen Stein und plötzlich ist die Geweihstange abgebrochen. Was eben noch eine prächtige Trophäe war, liegt in mehreren Teilen am Boden. Besonders im steilen Gebirge kann ein solcher Absturz verheerende Folgen für Geweih und Schädel haben.

Auch beim Bergen, Transportieren oder späteren Auskochen können Schäden entstehen. Ein Augenbogen bricht heraus, ein Stück Nasenbein löst sich oder die empfindlichen Knochenverbindungen reißen.

Was nun? Wegwerfen? Wohl kaum! Denn was für den Jäger wie ein Totalschaden aussieht, ist für einen erfahrenen Präparator oft eine durchaus lösbare Aufgabe.

Eine Schraube rettet die Geweihstange


Präparatormeister Eric Leitner
Präparatormeister Eric Leitner

Präparatormeister Eric Leitner aus der Kreuzen bei Paternion in Kärnten kennt solche Fälle aus seiner jahrzehntelangen Praxis. Für „Schuss & Stille“ zeigt er in seiner Werkstatt, wie selbst ein massiver Geweihbruch repariert werden kann.


Das Geheimnis liegt nicht allein im Klebstoff, sondern vor allem in der stabilen Verbindung beider Bruchstücke. Zunächst müssen die Teile möglichst genau zusammenpassen. Sind die Bruchflächen stark beschädigt, wird es schwieriger. Deshalb sollten sämtliche Bruchstücke sorgfältig eingesammelt und aufbewahrt werden.


Dann greift der Meister zum Bohrer. In eine ausreichend starke Geweihpartie wird eine passende Schraube eingedreht. Im gegenüberliegenden Bruchstück wird eine entsprechende Aufnahme gebohrt. Die Schraube übernimmt dabei die Funktion einer inneren Verstärkung. Anschließend kommt ein Zweikomponentenkleber zum Einsatz. Er verbindet die beiden Teile dauerhaft miteinander und füllt kleinere Hohlräume. Wichtig ist, dass die Stange exakt in ihrer ursprünglichen Position sitzt.


Während der Klebstoff aushärtet, werden die Geweihteile mit Kabelbindern oder einer geeigneten Fixierung zusammengehalten. Erst nach vollständiger Aushärtung darf die Verbindung wieder belastet werden.


Bei dünnen Geweihenden oder ungünstigen Bruchstellen braucht es allerdings mehr Fingerspitzengefühl. Nicht überall lässt sich problemlos eine Schraube einsetzen. Wer hier unbedacht bohrt, riskiert zusätzliche Schäden. Bei fachgerechter Ausführung entsteht eine stabile Reparatur, die später kaum mehr auffallen muss.




Knochen gebrochen? Finger weg vom Superkleber!


Während massive Geweihstangen eine mechanische Verstärkung benötigen, verlangt ein beschädigter Schädel eine völlig andere Behandlung. Gerade die dünnen Knochen rund um Augenhöhlen und Nasenbereich sind besonders empfindlich. Beim Absturz eines Hirsches oder Rehbocks können sie leicht brechen. Manchmal lösen sich kleine Knochenstücke auch erst während der Präparation.


Und hier hat Eric Leitner einen überraschend einfachen Tipp: „Bitte nehmt einen normalen Weißleim.“ Richtig gelesen! Kein Sekundenkleber, kein kompliziertes Spezialprodukt. Für kleinere, nicht tragende Knochenfragmente verwendet der Meister ausschließlich gewöhnlichen Weißleim. Dieser lässt sich sparsam auftragen und trocknet je nach Produkt hell bis weitgehend transparent aus. Dadurch bleiben die Verbindungen auf dem weißen Schädel relativ unauffällig.



Erst auskochen, dann kleben!


Die Reihenfolge ist entscheidend. Zunächst wird der Schädel fachgerecht ausgekocht und von Geweberesten befreit. Anschließend folgt die schonende Behandlung mit Wasserstoffperoxid, die dem Knochen seine helle Farbe verleiht.


Erst wenn die Teile sauber und ausreichend trocken sind, beginnt die eigentliche Reparatur.

Die Bruchflächen werden vorsichtig zusammengesetzt, mit wenig Weißleim verbunden und bei Bedarf mit Klebeband oder kleinen Hilfsmitteln fixiert, bis der Klebstoff ausgehärtet ist.

Dabei gilt: Weniger ist oft mehr. Herausquellender Klebstoff, verschobene Bruchstücke oder unnötiger Druck können das Ergebnis beeinträchtigen.


Bei größeren Fehlstellen, einem zertrümmerten Schädel oder schweren Geweihstangen reicht gewöhnlicher Weißleim hingegen nicht aus. Dann muss der Präparator entscheiden, ob eine zusätzliche Verstärkung oder eine aufwendigere Rekonstruktion erforderlich ist.


Eine Trophäe ist schließlich mehr als Knochen


Für Eric Leitner ist die Arbeit mit Jagdtrophäen weit mehr als bloßes Handwerk. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Wildtieren, ihren anatomischen Besonderheiten und der Kunst, sie möglichst naturgetreu zu erhalten. Dabei muss nicht jede Trophäe perfekt aussehen. Entscheidend ist, ihren ursprünglichen Charakter zu bewahren.


Denn für den Jäger erzählt jedes Geweih seine eigene Geschichte. Von einem besonderen Morgen, einem unvergesslichen Anblick oder einer schwierigen Jagd. Auch ein Sturz oder ein gebrochener Knochen kann Teil dieser Geschichte sein. Und genau darum lohnt sich die Mühe einer fachgerechten Reparatur.






Kommentare


bottom of page