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Landesjägermeisterkonferenz: Die Jagd von morgen beginnt heute

  • 24. Juni
  • 4 Min. Lesezeit
Vertragsunterzeichnung zwischen der Österreichischen Wildtierstiftung und Unidata. Unidata wird das Projekt der Wildtierdatenbank umsetzen. Max Mayr Melnhof, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Wildtierstiftung und Landesjägermeister Salzburg, Felix Kroismayr, Unidata Forst- und Jagdinformationssysteme, Nikolaus Pedarnig, Unidata Geschäftsleitung, Herbert Sieghartsleitner, Vorstand Österreichische Wildtierstiftung und Landesjägermeister Oberösterreich (v. l. n. r.) Foto: Jagd Österreich
Vertragsunterzeichnung zwischen der Österreichischen Wildtierstiftung und Unidata. Unidata wird das Projekt der Wildtierdatenbank umsetzen. Max Mayr Melnhof, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Wildtierstiftung und Landesjägermeister Salzburg, Felix Kroismayr, Unidata Forst- und Jagdinformationssysteme, Nikolaus Pedarnig, Unidata Geschäftsleitung, Herbert Sieghartsleitner, Vorstand Österreichische Wildtierstiftung und Landesjägermeister Oberösterreich (v. l. n. r.) Foto: Jagd Österreich


Wie sieht die Zukunft der Jagd in Österreich aus? Die Antwort darauf wurde Ende Mai in Salzburg gesucht – und in vielen Bereichen bereits gefunden. Bei der Landesjägermeisterkonferenz und der anschließenden Frühjahrsdelegiertenkonferenz von Jagd Österreich trafen sich die Spitzenvertreter der heimischen Jägerschaft, Wissenschaftler, Digitalisierungsexperten und zahlreiche Partnerorganisationen, um über jene Themen zu diskutieren, die die Jagd in den kommenden Jahren prägen werden.


Im Zentrum standen dabei nicht nur klassische jagdliche Fragestellungen, sondern vor allem die großen Zukunftsthemen: Wildtiermonitoring, Forschung, Digitalisierung, Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit anderen Naturnutzern.



Daten werden zum wichtigsten Werkzeug der Jagd


Die Zeiten, in denen jagdliche Entscheidungen ausschließlich auf Erfahrung und Beobachtung beruhten, sind längst vorbei. Moderne Jagd braucht belastbare Daten – und genau hier setzt die Österreichische Wildtierdatenbank an.


Einer der Höhepunkte der Konferenz war die Vertragsunterzeichnung zwischen der Österreichischen Wildtierstiftung und der Unidata Geodesign GmbH, die künftig die technische Umsetzung dieses österreichweiten Großprojekts übernehmen wird. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie wegweisend: Wildtierdaten aus ganz Österreich sollen künftig strukturiert erfasst, wissenschaftlich ausgewertet und für das Wildtiermanagement nutzbar gemacht werden.


„Wer die Zukunft der Jagd gestalten will, braucht belastbare Grundlagen“, war der Tenor der Veranstaltung. Bereits heute laufen intensive Abstimmungen mit den Bundesländern. Bestehende Datenbanken werden analysiert und miteinander verknüpft. Parallel dazu entsteht eine moderne Kartierungssoftware, mit der das Vorkommen prioritärer Wildarten österreichweit dokumentiert werden kann.


Für die Jägerschaft bedeutet das einen gewaltigen Schritt nach vorne. Denn in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Diskussionen über Wildtiere, Lebensräume und Naturschutz werden nachvollziehbare Daten immer wichtiger.



Wildtiermonitoring als Schlüssel zur Akzeptanz


Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema Wildtiermonitoring. Die von Jägerinnen und Jägern erhobenen Daten liefern längst weit mehr als Streckenlisten und Bestandszahlen. Sie bilden die Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen, Managemententscheidungen und politische Diskussionen rund um Wildtiere und deren Lebensräume.


Gerade bei kontroversen Themen wie Wolf, Wildtierkrankheiten oder Klimawandel wird deutlich, wie wichtig ein funktionierendes Monitoring ist.


Die österreichische Jägerschaft verfügt hier über einen Datenschatz, der in Europa seinesgleichen sucht. Ziel ist es nun, dieses Wissen noch besser nutzbar zu machen.



Ein neuer Landesjägermeister in der Runde


Einen besonderen Moment erlebte die Konferenz mit der offiziellen Begrüßung von Manfred Vonbank, der wenige Wochen zuvor das Amt des Landesjägermeisters von Vorarlberg übernommen hatte.


Als Zeichen der Verbundenheit innerhalb der österreichischen Jägerschaft überreichte Präsident Anton Larcher dem neuen Landesjägermeister das traditionelle Jagd-Österreich-Sakko. Eine Geste mit Symbolkraft – und ein sichtbares Zeichen für den Zusammenhalt der heimischen Jagd über Landesgrenzen hinweg.



Digitaler Revierabend. Foto: Jagd Österreich
Digitaler Revierabend. Foto: Jagd Österreich

Digitale Revierübersicht: Das Revier objektiv bewerten


Wie stark die Digitalisierung mittlerweile in die Jagdpraxis Einzug hält, zeigte Dominik Dachs vom Projekt „Bündnis pro Niederwild“ des Oberösterreichischen Landesjagdverbandes.


Mit der „Digitalen Revierübersicht“ wurde ein Werkzeug vorgestellt, das Lebensräume anhand objektiver Kriterien analysiert und bewertet. Welche Struktur weist ein Revier auf? Wo bestehen Defizite? Welche Maßnahmen könnten Niederwildarten fördern?


Fragen wie diese sollen künftig nicht mehr allein auf Basis persönlicher Einschätzungen beantwortet werden, sondern mithilfe belastbarer Daten. Das Ziel: Lebensräume besser verstehen und gezielt verbessern. Gerade für Niederwildreviere könnte die Anwendung künftig zu einem wertvollen Instrument werden.



Die Jagd braucht Sichtbarkeit


Dass moderne Öffentlichkeitsarbeit heute weit mehr bedeutet als Pressemitteilungen und Broschüren, zeigte Wolfgang Holzinger mit seiner Präsentation der Plattform 4ONE.TV.

Filme, Reportagen und digitale Formate gewinnen zunehmend an Bedeutung, wenn es darum geht, die Leistungen der Jägerschaft sichtbar zu machen.


Denn viele Menschen wissen kaum, welche Aufgaben Jäger heute tatsächlich erfüllen – vom Wildtiermonitoring über Biotopverbesserungen bis hin zum Seuchenmanagement. Moderne Medien bieten die Chance, diese Arbeit transparent und verständlich zu vermitteln.



Wenn Jäger und Paragleiter miteinander reden


Ein besonders spannender Programmpunkt widmete sich dem Verhältnis zwischen Jagd und Flugsport. Johannes M. Damisch vom Österreichischen AeroClub präsentierte die Hike-&-Fly-Initiative, die den Dialog zwischen Jägerschaft und Paragleitern verbessern soll.

Im Mittelpunkt steht dabei eine einfache Erkenntnis: Konflikte entstehen häufig dort, wo Wissen fehlt.


Künftig sollen Piloten bereits während ihrer Ausbildung über Wildschutzgebiete, sensible Lebensräume und Schutzzeiten informiert werden. Gleichzeitig sollen direkte Ansprechpartner zwischen Jagd und Flugsport den Austausch vor Ort erleichtern. Ein Ansatz, der zeigt, dass Naturschutz oft dort beginnt, wo unterschiedliche Nutzergruppen miteinander sprechen statt übereinander.



Forschung für die Jagd von morgen


Einen Blick in die Zukunft der Wildtierforschung gewährte FIWI-Direktorin Univ.-Prof. Dr. Claudia Bieber. Mit dem neuen Förderpreis des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie werden wissenschaftliche Projekte unterstützt, die wichtige Erkenntnisse für Jagd und Wildtiermanagement liefern.


Ausgezeichnet wurden drei Forschungsarbeiten, die aktueller kaum sein könnten: Die Untersuchung sozialer Strukturen von Rebhühnern in Agrarlandschaften, die Erforschung grenzüberschreitender Wanderbewegungen von Rotwild sowie Studien zur Wildtiergesundheit und zu den Auswirkungen von Umweltveränderungen auf Wildtierpopulationen.


Parallel dazu wächst auch die Forschungsinfrastruktur. Am Standort Wilhelminenberg entsteht derzeit ein moderner Neubau mit Laboren, Forschungseinrichtungen und Räumlichkeiten für Tierhaltungs- und Genetikprojekte. Die Fertigstellung ist für 2028 geplant.


Delegiertenkonferenz 2026 in Salzburg Foto: Jagd Österreich
Delegiertenkonferenz 2026 in Salzburg Foto: Jagd Österreich

Die Zukunft wird datenbasiert


Die Landesjägermeisterkonferenz 2026 machte deutlich, dass die österreichische Jagd vor großen Herausforderungen steht – aber auch über enorme Chancen verfügt.


Ob Wildtierdatenbank, wissenschaftliche Forschung, digitale Revieranalyse oder neue Formen der Kommunikation: Die Jagd entwickelt sich weiter.


Dabei bleibt eines unverändert: Der verantwortungsvolle Umgang mit Wildtieren und ihren Lebensräumen steht weiterhin im Mittelpunkt. Die Werkzeuge ändern sich. Die Verantwortung bleibt. Und genau deshalb könnte Salzburg einmal als jener Ort in Erinnerung bleiben, an dem wichtige Weichen für die Jagd von morgen gestellt wurden.






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