ThermTec-Vorsatzgeräte Hunt650L und Hunt635 PRO im Test: Werkzeuge für die Nacht!
- Hans ARC
- vor 3 Tagen
- 5 Min. Lesezeit

Moderne Wärmebildtechnik ist längst kein Spielzeug mehr, sondern ein notwendiges Werkzeug für die Jagd geworden. Vorsatzgeräte ermöglichen Kontrolle, sichere Ansprache und fundierte Entscheidungen. Zwei Geräte, die aktuell stark nachgefragt werden, haben erfahrene Weidmänner und das Schuss & Stille-Team über mehrere Wochen hinweg im Revier getestet: das ThermTec Hunt 650L (mit Entfernungsmesser) und das ThermTec Hunt635 PRO.

Die Nächte im Revier sind voller geworden. Hohe Schwarzwild-Bestände, zunehmende Schäden in Feld und Wald, aber auch die Ausbreitung von Biber und Wolf stellen die Jagd vor neue Herausforderungen. Wer Verantwortung für Wildbestand, Kulturlandschaft und Verkehrssicherheit trägt, kommt immer öfter an den Punkt, an dem Jagd nach Einbruch der Dunkelheit stattfinden muss – ruhig, sicher und waidgerecht.
Ein jagdliches Gerät darf nicht dominieren. Es soll sich einfügen, leise arbeiten und im entscheidenden Moment einfach funktionieren. Gerade bei Vorsatztechnik zeigt sich Qualität nicht am Datenblatt, sondern in der stillen Minute vor der Entscheidung. Beide getesteten ThermTec-Geräte folgen diesem Prinzip. Sie sind kompakt, robust gebaut, klar strukturiert und verzichten auf unnötige Spielereien. Die Bedienung ist logisch, die Geräte starten schnell (ein wirklicher Plus-Punkt) und arbeiten lautlos – ein nicht zu unterschätzender Punkt am Ansitz.
Funktionsweise von Vorsatzgeräten – einfach erklärt
Ein Vorsatzgerät funktioniert im Prinzip wie ein kleiner Bildschirm vor dem Zielfernrohr. Das Wärmebildgerät wird vorne an der Tagesoptik montiert und projiziert sein Bild auf ein internes Display. Der Jäger blickt durch das Zielfernrohr nicht direkt ins Gelände, sondern auf diesen kleinen Bildschirm, der das vom Wärmesensor erzeugte Bild zeigt.
Das Zielfernrohr selbst bleibt unverändert: Vergrößerung, Absehen und Einschießen bleiben gleich. Das Vorsatzgerät liefert lediglich das Bild, auf das gezielt wird – geschossen wird weiterhin über das gewohnte Absehen der Tagesoptik. Da das Wärmebild unabhängig vom vorhandenen Licht arbeitet, sind Wildkörper auch bei völliger Dunkelheit oder schlechter Sicht klar erkennbar. Richtig montiert und eingesetzt, verändert das Vorsatzgerät weder die Treffpunktlage noch das vertraute Schussgefühl, sondern erweitert lediglich die Wahrnehmung des Jägers.
ThermTec Hunt650L – Präzision mit Distanzkontrolle
Das Hunt650L ist ein klassisches Vorsatzgerät für den präzisen Einsatz auf der Waffe. Herzstück ist ein 640 × 512 Pixel VOx-Sensor mit einem Pixelpitch von 12 µm. In Verbindung mit der lichtstarken Optik ergibt sich ein ruhiges, kontrastreiches Bild, das auch bei hoher Luftfeuchtigkeit, Nebel oder geringer Temperaturdifferenz überzeugt. Die thermische Sensitivität (NETD) liegt unter 20 mK, was sich in der Praxis durch sehr feine Detailzeichnung bemerkbar macht.
Wildkörper heben sich klar vom Hintergrund ab, ohne künstlich überzeichnet zu wirken. Läufe, Haupt und Körperhaltung bleiben gut erkennbar – ein entscheidender Vorteil beim sicheren Ansprechen. Ein zentrales Merkmal des Hunt650L ist der integrierte Laser-Entfernungsmesser, der Entfernungen bis 600 Meter zuverlässig erfasst. Gerade bei Nacht, im Feld oder an Waldrändern schafft das zusätzliche Sicherheit. Distanzen müssen nicht geschätzt werden – sie sind bekannt. Das verändert Entscheidungen und erhöht die Verantwortungssicherheit deutlich.

Die Montage vor der Tagesoptik gelang in unserem Test unkompliziert, die Treffpunktlage bleibt stabil – auch nach mehrmaligem Ab- und Ansetzen. In der jagdlichen Praxis ist das eine Grundvoraussetzung. Das Hunt650L kostet aktuell zwischen 2999 – 3099 Euro, je nach Händler und Lieferumfang (Adapter/Zubehör)
ThermTec Hunt635 PRO
Auch das Hunt635 PRO ist ein Vorsatzgerät und arbeitet ebenfalls mit einem 640er-Sensor bei 12 µm Pixelpitch. Die Bildcharakteristik ist etwas weiter gefasst, das Gerät kompakter und sehr ausgewogen gebaut. Bewegungen lassen sich ruhig verfolgen, Verhalten gut lesen. Gerade bei Schwarzwild, aber auch bei Raubwild, ist das ein klarer Vorteil. Die Detailerkennbarkeit reicht aus, um auch bei weiteren Distanzen sicher zu beurteilen, ob ein Stück zieht, steht oder äst. Gehandelt wird das ThermTec Hunt635 Pro aktuell zwischen 2299 – 2449 Euro.

Energieversorgung – praxisgerecht gelöst
Ein Detail, das sich im jagdlichen Alltag rasch als entscheidend erweist, ist die Akkulösung. Beide ThermTec-Vorsatzgeräte arbeiten mit wechselbaren Akkus, die von unten einfach auf das Gerät aufgeschoben werden.
Der Wechsel gelingt lautlos, auch bei Dunkelheit und mit Handschuhen – ohne Schrauben, ohne Fummeln, ohne das Gerät von der Waffe nehmen zu müssen. Gerade bei langen Nächten oder tiefen Temperaturen ist das ein großer Vorteil. Die Akkulaufzeit liegt je nach Nutzung bei rund sechs Stunden, lässt sich aber durch den schnellen Wechsel problemlos verlängern.
Praxiserfahrungen aus dem Revier
Neben dem Schuss & Stille-Team wurde insbesondere das Hunt650L auch von Johannes Leitner, dem langjährigen Jagdobmann der Jagdgesellschaft Feistritz an der Gail, intensiv getestet. Leitner nutzte das Vorsatzgerät nicht nur auf der Waffe, sondern bewusst auch zur Beobachtung. Leitner: „Die Bildqualität ist so gut, dass man eigentlich kein zusätzliches Handgerät benötigt.“

Beim Ansitz konnte Leitner einen brandigen Hirsch beobachten, der im letzten Büchsenlicht am Waldrand stand. Das Stück war klar erkennbar, ruhig im Bild, das Verhalten eindeutig zu deuten. Natürlich müsse man bei einem Vorsatzgerät, das man auch auch als Handgerät verwendet, gewisse Abstriche machen – im jagdlichen Alltag sei das Hunt650L jedoch ein wirklich großartiges Gerät, zudem preislich sehr interessant.
Auch der Gailtaler Aufsichtsjäger Peter Hebein hebt ein oft unterschätztes Detail hervor: die Bedienung. Besonders überzeugt ihn die Ein- und Ausschaltfunktion beim Hunt650L. Das Gerät ist sofort einsatzbereit, der kleine Hebel am linken Rand lässt sich auch in völliger Dunkelheit problemlos ertasten. Gerade am Ansitz, wenn Sekunden zählen, schaffen solche Details Vertrauen.
Kontrollschuss – technisch nicht nötig, jagdlich Pflicht
Nach der Montage der Vorsatzgeräte wurde in allen Fällen ein Kontrollschuss abgegeben. Das Ergebnis war eindeutig: Der Treffer saß jedes Mal punktgenau, ohne erkennbare Abweichung zur bekannten Treffpunktlage. Rein technisch wäre ein Kontrollschuss nicht notwendig gewesen – die Montage war reproduzierbar, die Systeme arbeiteten absolut stabil. Jagdlich ist ein Kontrollschuss dennoch unerlässlich. Er schafft Vertrauen, bestätigt die eigene Ausrüstung und gehört zur weidgerechten Praxis.
Klare Bewertung aus jagdlicher Sicht
Nach mehreren Wochen im praktischen Reviereinsatz lässt sich eine klare Einschätzung treffen: Die Vorsatzgeräte von ThermTec zählen unserer Meinung nach aktuell zu dem Besten, was in dieser Preisklasse am Markt erhältlich ist. Bildqualität, Bedienung, Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit stehen in einem sehr stimmigen Verhältnis zum aufgerufenen Preis.
Wer ein leistungsfähiges, praxisorientiertes Vorsatzgerät sucht, das technisch überzeugt und gleichzeitig jagdlich sinnvoll bleibt, findet im Hunt650L und im Hunt635 PRO zwei äußerst ausgewogene Lösungen mit sehr hoher Preis-Leistungs-Stärke.
Transparenz-Hinweis
Die für diesen Test verwendeten Geräte wurden von Thermfox, dem Generalimporteur von ThermTec-Geräten in Österreich und der Schweiz sowie von Alpe Adria Jagd Villach zur Verfügung gestellt. Die Bewertung erfolgte unabhängig, praxisbezogen und ausschließlich im jagdlichen Einsatz.






