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Walther RS 3: „Kurzrepetierer“ mit Geradezug und Schalldämpfer-System

Franz-Albrecht zu Oettingen-Spielberg hat das Entwicklungsteam praxisnah bei der Entwicklung der Walther RS 3 begleitet (Herstellerfoto).
Franz-Albrecht zu Oettingen-Spielberg hat das Entwicklungsteam praxisnah bei der Entwicklung der Walther RS 3 begleitet (Herstellerfoto).

Wenn ein Hersteller wie Carl Walther nach Jahren, in denen die Marke vor allem mit Kurzwaffen und Sportgewehren verbunden wurde, wieder ein Jagdgewehr als echte Neuentwicklung auf die Bühne stellt, lohnt sich ein genauer Blick. Auf der Jagd & Hund 2026 in Dortmund (27. Jänner bis 1. Februar 2026) soll das neue Walther RS 3 erstmals einem breiten Jagdpublikum präsentiert werden – und es ist bereits absehbar, warum dieses Gewehr für Gesprächsstoff sorgen wird.


Denn Walther setzt beim RS 3 nicht auf „noch ein Repetierer mit anderen Linien“, sondern auf ein Systemkonzept, das ein Problem adressiert, das viele Jäger in Europa längst beschäftigt: Schalldämpfer sind jagdlich angekommen – aber sie machen klassische Büchsen lang und kopflastig. Walther nennt das offen das „Dilemma“ aus „Lauf kürzen“ (mit ballistischen Nachteilen) oder „Gesamtlänge akzeptieren“ (mit Handling-Nachteilen) und positioniert das RS 3 als „kompromisslose Lösung“.



Was ist das RS 3 überhaupt?


Das RS 3 ist eine Geradezug-Repetierbüchse (Geradezugverschluss) in Bullpup-Bauweise – also mit der System-/Verschlussgruppe weiter hinten, wodurch die Büchse bei gleicher Lauflänge deutlich kürzer ausfällt und der Schwerpunkt näher an den Körper rückt.


Walther nennt das Konzept „Kurzrepetierer“: Ein Beispiel aus der eigenen Kommunikation ist ein 58-cm-Lauf mit Schalldämpfer bei 104 cm Gesamtlänge – während ein „herkömmlicher Repetierer“ mit 58-cm-Lauf und Schalldämpfer laut Walther um ca. 128 cm liegt. Der Punkt dahinter ist klar: Länge sparen – aber an der richtigen Stelle, ohne die Lauflänge (und damit Innenballistik und Leistung) zu opfern.

WALTHER RS 3 HERITAGE SEVENSTAR
WALTHER RS 3 HERITAGE SEVENSTAR

Der Sicherheitsgedanke: Handspannung im Pistolengriff


Gespannt wird im Lochschaftbereich, der Geradezug ermöglicht schnelles repetieren.
Gespannt wird im Lochschaftbereich, der Geradezug ermöglicht schnelles repetieren.

Eines der auffälligsten Details ist die Handspannung: Walther integriert das Spannelement in den Pistolengriff (Lochschaftbereich).


Gespannt wird laut Prospekt „intuitiv beim in Anschlag gehen oder direkt im Anschlag“, der Spannzustand sei taktil spürbar und zusätzlich über Signalfarben sichtbar.


Das zielt auf jagdliche Realität: Handschuhe, Kälte, Dunkelheit – und der Wunsch, ohne Umgreifen im sicheren Zustand zu bleiben.




Schalldämpfer als System – QSA, Zerolock, Hitzeschutz


Walther liefert das RS 3 laut ersten Informationen grundsätzlich mit Walther-Schalldämpfer aus – konkret wird ein Walther Jagdschalldämpfer QSA genannt.


Besonders betont wird die patentierte „Zerolock“-Schnellkupplung: Sie lasse sich nur in einer Position aufsetzen, was eine gleichbleibende Treffpunktlage auch nach Abnehmen und Wiederaufsetzen unterstützen soll. Zusätzlich wird ein separater Hitzeschutz erwähnt, der das Abnehmen und Verstauen auch im „heißgeschossenen Zustand“ erleichtern soll.



Abzug, Magazin, Repetieren im Anschlag


Walther nennt den Walther Performance Jagdabzug mit einem Abzugsgewicht von 800 Gramm („trocken wie Glas“) – mit der Begründung: leicht genug für Präzision, aber schwer genug als Sicherheitsreserve unter Stress (z. B. Drückjagd, Handschuhe).


Beim Magazin setzt Walther auf ein Reihenmagazin (hinter dem Pistolengriff) mit 6 Patronen Kapazität in Standardkalibern und 5 Patronen in Magnumkalibern; ein zweifacher Rastflügel soll unbeabsichtigtes Lösen verhindern.


Der Geradezug wird als System beschrieben, das linear läuft und den Folgeschuss im Anschlag erleichtern soll – Auge am Ziel, Repetieren ohne „aus dem Bild“ zu fallen.

In der Jagdpraxis ist das kein Sportargument, sondern ein Drückjagd- und Pirschargument: weniger Bewegung, mehr Kontrolle.



„Monocoque“-Systemgehäuse: Steifigkeit als Präzisionsversprechen


Walther beschreibt das Herzstück der Jagdwaffe als 64 cm langes Single-Frame-Systemgehäuse aus gefrästem Aluminium, „in Anlehnung an das Monocoque-Prinzip“ aus der Formel 1: maximale Steifigkeit, minimale Toleranzen, Schutz aller beweglichen Teile – explizit mit dem Anspruch „Sub-MOA-Präzision“.


Das ist ein hoher Anspruch – und zugleich ein Hinweis, wohin Walther das RS 3 positionieren will: nicht als Nischenidee, sondern als technisch ernsthafte Plattform.



Montage-Lösung: Fixlock als jagdliches Detail


Wichtig ist auch die Montagethematik. Walther bewirbt seine Fixlock-Montagen als wiederholgenaues System, robust, ausgelegt für „alle gängigen Optiken“ und ausdrücklich stabil für Vorsatzgeräte mit speziellen Gewichts- und Hebelanforderungen.


Das ist ein klarer Seitenhieb auf einen Alltag, den viele Jäger kennen: moderne Optik-Setups sind schwerer, „kopflastiger“ und belasten Montagen stärker als klassische Gläser.



Varianten und Preisbild: Pro und Heritage – plus konkrete UVP


Walther führt das RS 3 in mehreren Ausführungen, u. a. RS3 Pro (z. B. „Pine“, „Chestnut“) und RS3 Heritage (u. a. „Fourstar“, „Sevenstar“).


Für eine konkrete Preisorientierung ist die Walther-Produktseite zur RS3 Pro Chestnut besonders belastbar, weil sie einen unverbindlichen Verkaufspreis von 3.999 € (inkl. MwSt.) nennt – ausdrücklich „Preis inklusive Walther QSA Schalldämpfer“. Genannt wird dort zudem als Beispielkaliber .308, ein Gewicht inkl. Schalldämpfer von 3,8 kg sowie eine Magazinkapazität/Schusszahl von 6.


Frankonia listet bereits RS-3-Produkte und Zubehör wie Magazine (z. B. für Magnum Action .300 Win. Mag., Kapazität 4).



Warum das RS 3 einschlagen könnte


Das Walther RS 3 trifft mehrere Realitäten gleichzeitig:


  • Schalldämpferpraxis: In vielen Regionen ist der Dämpfer nicht mehr Ausnahme, sondern Standard – und jeder Zentimeter Gesamtlänge wird plötzlich relevant.

  • Drückjagd-Fokus: Walther argumentiert selbst mit „Pointability“ (jagdlich besser: Deutverhalten) – also dem instinktiven, schnellen „Zeigen“ der Büchse auf bewegtes Wild. Schwerpunkt und Gesamtlänge sind dafür entscheidend.

  • Sicherheit/Bedienung: Handspannung im Griff, taktiler Spannzustand, Repetieren im Anschlag – alles Elemente, die nicht am Messestand glänzen, sondern draußen helfen.


Außerdem hat Franz-Albrecht zu Oettingen-Spielberg das Entwicklungsteam praxisnah begleitet habe – ein Signal, dass Walther das RS 3 nicht im „Ingenieursvakuum“ gebaut sehen will, sondern als jagdlich validiertes Konzept.



Was man vor dem Kauf wissen sollte


So überzeugend das Konzept klingt: Ein Bullpup bleibt ein Bullpup. Die Bauweise verändert die Handhabung gegenüber klassischen Repetierern (Magazinposition, Balancegefühl, Schaftlänge am Körper). Ob das im persönlichen Anschlag „passt“, entscheidet sich nicht in Datenblättern, sondern am Stand – idealerweise mit Trockenanschlag, Repetierablauf und einem Blick auf Optikmontage und Abzugscharakter.


Genau deshalb ist die Messepremiere in Dortmund der richtige Ort: anfassen, repetieren, Balance spüren – und dann erst urteilen. Auch das "Schuss & Stille"-Team hofft, das Walther RS 3 einmal jagdlich testen zu können.

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