Zwischen Wolf und Tradition: Kärntens Jäger vor neuen Herausforderungen
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Wenn sich knapp 300 Jägerinnen und Jäger aus allen Teilen Kärntens versammeln, geht es längst nicht mehr nur um Abschusspläne, Brauchtum oder Verbandsarbeit. Es geht um die großen Fragen unserer Zeit: Wie gehen wir mit der Rückkehr großer Beutegreifer um? Wie schützen wir Almen und Weidetiere? Welche Rolle spielt die Jagd in einer Landschaft, die zunehmend von Klimawandel, Naturkatastrophen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt wird?
Genau diese Themen standen im Mittelpunkt des 77. Landesjägertages der Kärntner Jägerschaft, der am Samstag, dem 20. Juni in Mühldorf im Mölltal über die Bühne ging. Rund 270 Delegierte und Funktionäre kamen zusammen, um die Zukunft des Weidwerks aktiv mitzugestalten.
Die Jagd wird komplexer

Die Zeiten, in denen sich die Aufgaben der Jägerschaft auf Wildhege und Jagdausübung beschränkten, sind längst vorbei. Heute übernehmen Kärntens Jäger zahlreiche Aufgaben, die weit über das eigentliche Weidwerk hinausgehen. Wildtiermonitoring, Seuchenprävention, Lebensraumschutz, Wildschadensvermeidung und nicht zuletzt das Management großer Beutegreifer zählen mittlerweile zum Alltag.
Landesjägermeister Dr. Walter Brunner machte in seinem Bericht deutlich, wie stark sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren verändert haben. „Wolf, Goldschakal und Naturkatastrophen verändern unsere Jagdreviere nachhaltig. Die Herausforderung besteht darin, Traditionen zu bewahren und gleichzeitig auf neue Realitäten zu reagieren“, betonte Brunner.
Tatsächlich erlebt Kärnten derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Während sich die Bestände von Wolf und Goldschakal weiter ausbreiten, stehen viele Almbewirtschafter und Tierhalter vor neuen Herausforderungen. Gleichzeitig verändern Stürme, Borkenkäfer und Extremwetterereignisse die heimischen Wälder und damit auch die Lebensräume des Wildes.
Wolfsmanagement als Schlüsselthema
Kaum ein Thema bewegt Kärntens Jägerschaft derzeit so sehr wie die Rückkehr des Wolfs. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass der Schutz von Almwirtschaft und Weidehaltung ohne ein funktionierendes Management kaum möglich ist.
Jagdreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber unterstrich beim Landesjägertag die zentrale Rolle der Jägerschaft. „Nur durch die verantwortungsvolle Zusammenarbeit der Jägerinnen und Jäger können Risikowolfsverordnung und Alm- und Weideschutzgesetz ihre Wirkung entfalten“, sagte Gruber.
Die Jägerschaft übernimmt dabei eine Schlüsselrolle. Sie dokumentiert Sichtungen, sammelt genetische Proben, unterstützt Behörden bei der Bewertung von Schadensfällen und liefert wichtige Daten für Managemententscheidungen. Ohne diese Informationen wären gezielte Maßnahmen kaum möglich.
Die unsichtbare Arbeit im Hintergrund

Weniger sichtbar, aber mindestens ebenso bedeutend, sind die zahlreichen Monitoring-Projekte der Kärntner Jägerschaft. Dabei erfassen Jäger Bestandsentwicklungen verschiedener Wildarten, dokumentieren Krankheiten und liefern wertvolle Daten für Forschung und Management.
Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Diskussionen über Wildtiere gewinnen solche wissenschaftlich fundierten Daten immer mehr an Bedeutung. Sie bilden die Grundlage für Entscheidungen im Wildtiermanagement und ermöglichen es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Die ehrenamtliche Arbeit tausender Jägerinnen und Jäger stellt dabei einen enormen Wissensschatz dar, der von Wissenschaft, Behörden und Politik gleichermaßen genutzt wird.
Die Stimme Kärntens in Wien
Einer der Höhepunkte des Landesjägertages war der Vortrag von Jörg Binder, Geschäftsführer von Jagd Österreich. Er zeigte auf, wie wichtig die Interessenvertretung auf Bundesebene geworden ist. Denn viele jagdpolitische Entscheidungen werden längst nicht mehr ausschließlich in den Bundesländern getroffen.
Fragen rund um Wolfsmanagement, Naturschutzrecht, Wildtiermonitoring oder europäische Vorgaben betreffen alle Landesjagdverbände gleichermaßen. Für Kärnten bedeutet das: Eine starke Stimme in Wien wird zunehmend wichtiger.
Diskussion statt Stillstand
Im Anschluss nutzten zahlreiche Funktionäre die Gelegenheit, aktuelle Themen offen zu diskutieren. Unter der Moderation von Kerstin De Piero entwickelte sich ein intensiver Austausch über Herausforderungen in den Revieren, die Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirtschaft sowie die zukünftige Ausrichtung der Jägerschaft.
Gerade dieser direkte Dialog zählt zu den großen Stärken des Landesjägertages. Hier treffen Erfahrungen aus den Revieren auf politische Verantwortungsträger und Expertenwissen.

Jagdhornklang und gelebte Gemeinschaft
Trotz aller Zukunftsfragen blieb auch Raum für das, was die Jagd seit Jahrhunderten auszeichnet: Gemeinschaft, Brauchtum und Wertschätzung.
Verdiente Mitglieder wurden für ihren Einsatz geehrt. Die Jagdhornbläsergruppen Drautalklang, Flattach und Maltatal sowie der Chor der Kärntner Jägerschaft sorgten für den feierlichen Rahmen.
Es war ein würdiger Abschluss eines Landesjägertages, der eines deutlich machte: Die Jagd in Kärnten steht vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig verfügt sie über engagierte Menschen, fundiertes Wissen und starke Strukturen, um diesen Weg erfolgreich zu gehen. Oder, wie es Landesjägermeister Walter Brunner formulierte: Die Kärntner Jägerschaft ist für die Zukunft gut gerüstet.



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