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Die stille und vielfach verbotene Jagd mit Pfeil und Bogen

Eine Besonderheit der Bogenjagd ist die Nähe zum Wild, weshalb eine gute Tarnung sehr wichtig ist.
Eine Besonderheit der Bogenjagd ist die Nähe zum Wild, weshalb eine gute Tarnung sehr wichtig ist.

Es gibt Jagdformen, die wirken wie aus einer anderen Zeit. Die Bogenjagd gehört zweifellos dazu. Kein Donnern eines Schusses, kein Pulverdampf – nur gespannte Sehne, volle Konzentration und das leise Surren des Pfeils. Wer mit dem Bogen jagt, tritt in eine archaische Verbindung mit der Natur, die uns an die Anfänge der Menschheitsgeschichte erinnert.



Zwischen Tradition und Moderne


Bogenjagd verlangt viel Können und Disziplin.
Bogenjagd verlangt viel Können und Disziplin.

Der Bogen war über Jahrtausende das wichtigste Jagdgerät des Menschen. Erst mit der Verbreitung von Schusswaffen trat er in den Hintergrund. Heute erlebt die Bogenjagd eine Renaissance – vor allem in Ländern wie den USA, Kanada oder Ungarn und Frankreich, aber auch in einigen osteuropäischen Staaten. Dort ist sie gesetzlich erlaubt und streng reglementiert. In Österreich und Deutschland hingegen ist die Jagd mit dem Bogen derzeit nicht zugelassen – obwohl es immer wieder Debatten darüber gibt.




Psychologie der Nähe


Anders als mit der Büchse bedeutet Bogenjagd, auf kürzeste Distanz an das Wild heranzukommen. Zwanzig, dreißig Meter – manchmal weniger. Das erfordert nicht nur lautlose Pirschkünste, sondern auch innere Ruhe. Jeder Muskel, jeder Atemzug zählt. Wer den Bogen spannt, weiß: Ein Zögern, ein kleiner Fehler – und die Chance ist vertan. Gerade diese Intensität macht die Bogenjagd so faszinierend. Sie zwingt den Jäger, vollkommen im Moment aufzugehen, und lässt ihn Wildtiere in einer Nähe erleben, die mit dem Gewehr kaum möglich ist.


Bei Schussdistanzen unter 30 Metern: Ein Zögern, ein kleiner Fehler und die Chance ist vertan.
Bei Schussdistanzen unter 30 Metern: Ein Zögern, ein kleiner Fehler und die Chance ist vertan.

Technik und Verantwortung


Eine moderne Pfeilspitze für die Jagd im Vergleich mit einer Gewehrpatrone im Kaliber 30.06 Spring.
Eine moderne Pfeilspitze für die Jagd im Vergleich mit einer Gewehrpatrone im Kaliber 30.06 Spring.

Moderne Compoundbögen mit Präzisionspfeilen haben nichts mehr mit den einfachen Holzbögen vergangener Jahrhunderte gemein. Sie sind technisch hochentwickelt, mit enormer Durchschlagskraft und Präzision. Dennoch bleibt die entscheidende Frage: Kann der Pfeil einen schnellen, tierschutzgerechten Tod herbeiführen? Befürworter verweisen auf Studien, die belegen, dass ein gut platzierter Pfeil tödlich und schmerzarm wirkt. Kritiker hingegen argumentieren, dass Fehler bei der Schussplatzierung zu langem Leiden führen können.



Eine Jagdform für Könner


Ein Bogenjäger muss ständig üben und hunderte Pfeile auf Trainingsziele verschießen, um im entscheidenden Moment auf seine Fähigkeiten vertrauen zu können.
Ein Bogenjäger muss ständig üben und hunderte Pfeile auf Trainingsziele verschießen, um im entscheidenden Moment auf seine Fähigkeiten vertrauen zu können.

Die Bogenjagd ist kein einfacher Einstieg in die Jagd, sondern die wohl anspruchsvollste Disziplin. Die Bogenjagd verlangt vom Jäger perfekte Wildkenntnis, absolute Geduld, körperliche Fitness und eine ständige Übung im Bogenschießen. Wer den Pfeil löst, trägt nämlich eine besonders große Verantwortung – mehr noch als mit der Jagdbüchse.






Wo Bogenjagd erlaubt ist – und welche Regeln gelten


Nachfolgend die wichtigsten, klar belegbaren Länderregelungen in (und rund um) Mitteleuropa sowie Referenzländer, die häufig als Vorbild dienen. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf weltweite Vollständigkeit, deckt aber die für mitteleuropäische Jäger realistisch relevanten Destinationen ab.


Frankreich – erlaubt, mit Pflichtschulung und Materialregeln


  • Status: Erlaubt.

  • Kernregeln: Teilnahme an einer Spezial-Schulung zur Bogenjagd (organisiert von den Departementsjägerverbänden) ist Pflicht; zulässige Bogenarten nur, wenn Armierung/Halten ausschließlich Muskelkraft; für Hochwild nur schneidende Jagdspitzen (≥25 mm Schnittdurchmesser oder ≥40 mm Klingenlänge); Pfeilkennzeichnung mit Jagdscheinnummer. Nicht-Residenten mit kurzzeitiger Permis-Validierung sind von der Schulungspflicht ausgenommen..


Italien – erlaubt (nationaler Rahmen), Details regional


  • Status: Erlaubt im nationalen Jagdrecht; Ausgestaltung via Regionen und Reviere.

  • Kernregeln: Das italienische Grundgesetz zur Jagd (Legge 157/1992) zählt Arco explizit zu den zulässigen Jagdmitteln. Regionale Jagdkalender und Disziplinare regeln, wo/auf was gejagt werden darf (z. B. Selektionsjagd auf Schwarzwild/Huftiere).


Dänemark – erlaubt, seit 2024 auch auf „großes“ Schalenwild


  • Status: Erlaubt; seit 1. Januar 2024 auch Rot-, Dam- und Sikawild dauerhaft freigegeben (vorher nur Versuch).

  • Kernregeln: Gültiger Jagdschein plus Buejagt-Prøve; für Großhirscharten u. a. Mindestpfeilgewicht, E₀≥80 J, mind. 3-blättrige, feststehende Broadheads (≥25 mm); Schuss-/Abschuss-Meldepflicht via Online-Fragebogen.


Finnland – erlaubt, aber nicht auf Bär und Elch


  • Status: Erlaubt für Kleinvögel/-wild und für Huftiere unter Elchgröße (z. B. Weißwedel-, Reh-, Dam-/Rot-/Sikawild, Wildschwein, Mufflon); Elch und große Prädatoren sind als Bogenjagd-Wild derzeit nicht freigegeben.

  • Kernregeln: Mindestzugkraft 180 N, Broadhead-Pflicht (≥22 mm) bei Schalenwild/Wildschwein/Mufflon; Pflicht-Schießtest vor Jagd auf Schalenwild/Wildschwein/Mufflon; Nationaler Jagdschein obligatorisch.


Benelux – politischer Durchbruch 2025, nationale Umsetzung beachten


  • Status: Der Benelux-Ministerrat hat 2025 eine gemeinsame Höchstliste zulässiger Jagdausrüstung verabschiedet; die Europäische Bogenjagd-Föderation (EBF) und Fachmedien melden die Einbeziehung von Bogen & Pfeil. Für die Praxis zählt die nationale Umsetzung (Kalender/Arten/Prüfungen).


Tschechien – nicht erlaubt


  • Status: Laut EBF (European Bowhunting Federation) „Not possible“.


Slowakei – nur in umfriedeten Gehegen


  • Status: Bogenjagd derzeit auf umfriedete Areale begrenzt; Mindestzugkraft ≥220 N (~50 lbs). (Nicht-Residenten können grundsätzlich über Veranstalter jagen.)


Polen – de facto nicht erlaubt


  • Status: Das polnische Jagdrecht sieht Jagd mit Schusswaffen vor; Bogenjagd ist nicht als zulässiges Jagdmittel eingeführt.


Deutschland – praktisch untersagt (zumindest auf Schalenwild)


  • Status: Das Schießen mit Pfeilen/Bolzen auf Schalenwild verboten; damit ist die Bogenjagd auf die in Deutschland jagdrechtlich relevanten Hauptarten rechtlich ausgeschlossen.


Schweiz – verboten


  • Status: Die eidgenössische Jagdverordnung (JSV) zählt „Armbrüste, Pfeilbögen“ zu den verbotenen Hilfsmitteln.


Österreich – verboten


  • Status: Landesjagdgesetze führen Pfeil/Pfeilbogen als verbotene Jagdmittel.


Bogenjäger auf einem mobilen Baumstand - der schnell auf- und wieder abgebaut werden kann.
Bogenjäger auf einem mobilen Baumstand - der schnell auf- und wieder abgebaut werden kann.

Ungarn nimmt in Mitteleuropa eine Sonderstellung ein


In Ungarn ist die Bogenjagd bereits seit den 1990er-Jahren gesetzlich verankert und gilt als reguläre Jagdmethode. Voraussetzung ist neben der normalen Jägerprüfung eine zusätzliche Spezialprüfung für die Jagd mit dem Bogen, bei der auf verschiedene Distanzen praxisnah geschossen wird.


Für Schalenwildarten wie Rot-, Dam- oder Rehwild sowie für Schwarzwild gelten Mindestzugkräfte – in der Praxis rund 220 Newton. Armbrüste sind hingegen verboten.


Seit 2023 dürfen zudem bereits Jugendliche ab 16 Jahren unter Aufsicht erfahrener Jäger mit dem Bogen auf die Jagd gehen. Damit bietet Ungarn Jägern aus Nachbarländern, in denen die Bogenjagd verboten ist, eine nahegelegene Möglichkeit, diese traditionsreiche und zugleich moderne Jagdform legal auszuüben.



Was eint: Ausbildung, Ausrüstung, Nachweis


Wo Bogenjagd erlaubt ist, finden sich drei Konstanten:


  1. Qualifikation – Pflichtschulungen (Frankreich) oder Bogenjagd-Prüfungen (Dänemark); in Finnland Pflicht-Schießtest für Reh/Schalenwild/Wildschwein/Mufflon.

  2. Materialstandards – Mindestzugkraft (Finnland: ≥180 N; Slowakei: ≥220 N), Broadheads mit Mindestmaßen.

  3. Dokumentation – Kennzeichnungspflichten (Frankreich) und teils Schuss-/Abschuss-Meldungen (Dänemark).



Bogenjäger im Sonnenaufgang.
Bogenjäger im Sonnenaufgang.

Wo man heute in Mitteleuropa von der Bogenjagd konkret profitieren könnte


Die Kernprobleme in Mitteleuropa ähneln sich: Schwarzwild-Schäden in Feld-/Weinbauregionen, Reh-/Damwild-Verbiss in Forst-Jungbeständen, sowie Konflikte in Siedlungsnähe. Bogenjagd kann – dort, wo sie rechtlich erlaubt ist – helfen:


  • Siedlungsnahe Rot-/Damwild-Bestände (DK, seit 2024): Der lautlose Schuss mindert Störung/Risiko und erlaubt Eingriffe, wo Kugelschüsse aus Sicherheitsgründen heikel sind. Dänemark koppelt das an strenge Energie-/Broadhead-Standards und Meldepflicht – ein Modell auch für dicht besiedelte Räume.

  • Landwirtschaftliche Brennpunkte (Norditalien): In Regionen mit Schwarzwild-Druck kann ein selektiver, leiser Abschuss an Wechseln und im Einstandsbereichen eine Lücke schließen, wo etwa Drück-/Nachtjagd mit Kugel logistisch/sicherheitsbedingt begrenzt ist .

  • Umfriedete Reviere (Slowakei): In Gehegen lässt sich Bogenjagd rechtssicher erproben – inklusive Messung von Strecken-, Flucht- und Nachsucheparametern als belastbarer Datenbasis.


Für Österreich/Deutschland/Schweiz gilt: Solange die Rechtslage Bogenjagd verbietet, sind solche Einsätze hier nicht zulässig. Wer fachlich profitieren will kann dennoch eine Bogenjagd-Ausbildung in Österreich machen und Nachbarländer, wo die Bogenjagd erlaubt ist, als Lern-/Vergleichsräume nutzen – etwa Ungarn, Frankreich, Dänemark oder Finnland.


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