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Geweihe auf dem Prüfstand: Die Wahrheit der Jagd

Hegeschauen sind weit mehr als das öffentliche Präsentieren von Geweihen, Hörnern und Trophäen.
Hegeschauen sind weit mehr als das öffentliche Präsentieren von Geweihen, Hörnern und Trophäen.

Wenn ein Jagdjahr endet und ein neues in der Schonzeit leise heranwächst, beginnt für viele Jäger eine Phase der Rückschau und Einordnung. Revierinhaber, Aufsichtsjäger, Jäger und auch Jagdgäste treffen sich in Gemeindesälen, Wirtshäusern und Schießstätten zu Hegeschauen und Hegeringversammlungen. Es sind Abende ohne Pulverdampf, aber mit Gewicht - fachlich, menschlich und jagdlich.


Hegeschauen sind weit mehr als das öffentliche Präsentieren von Geweihen, Hörnern und Trophäen. Sie sind das sichtbare Protokoll eines vergangenen Jagdjahres. Jedes Stück erzählt eine Geschichte: vom Lebensraum, von Äsung und Klima, von Jagddruck, Wilddichte und Hege. Wer genau hinsieht, erkennt Trends – nicht nur schöne Enden.



Die Trophäe als Spiegel des Reviers


Trophäen verraten dem kundigen Blick viel über die Gesundheit der jeweiligen Wildtier-Population.
Trophäen verraten dem kundigen Blick viel über die Gesundheit der jeweiligen Wildtier-Population.

Gerade deshalb werden Trophäen gezeigt. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Verantwortung. Die Bewertung von Geweihen, Krickeln oder Hauern ermöglicht Rückschlüsse auf Altersstruktur, genetische Qualität und Bestandsentwicklung. Schwache Trophäen können auf Nahrungsmangel oder zu hohen Wildstand hinweisen, außergewöhnlich starke auf gutes Habitat und ausgewogene Bejagung. Die Trophäe wird damit zum Diagnoseinstrument – nüchtern, ehrlich, überprüfbar.


Die Hegeschau ist damit Kontrolle und Transparenz zugleich. Sie macht Jagd öffentlich, nachvollziehbar und überprüfbar – nicht nur für Jäger, sondern auch für Behörden und oft für interessierte Nichtjäger. Wer hier steht, steht mit seiner jagdlichen Arbeit. Ohne Ausreden.



Austausch, der über das Revier hinausgeht


Noch tiefer geht der Austausch bei den Hegeringversammlungen. Hier wird nicht geschaut, sondern gesprochen. Abschusszahlen werden analysiert, Wildschäden diskutiert, Seuchenlagen bewertet. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse fließen ebenso ein wie regionale Beobachtungen aus dem Revier. Themen wie Geschlechterverhältnisse, Kälbergewichte, Fallwild, Prädatorendruck oder klimatische Verschiebungen stehen längst fix auf der Tagesordnung.


Gerade in Zeiten zunehmender Herausforderungen – vom Wolf über den Borkenkäfer bis zu milderen Wintern – sind diese Versammlungen unverzichtbar. Sie sind das Bindeglied zwischen Forschung, Verwaltung und Praxis. Was im Labor oder auf dem Papier entsteht, muss draußen bestehen. Und umgekehrt: Was der Jäger im Revier erlebt, muss gehört werden.


Hegeschauen erinnern daran, dass Jagd nie Selbstzweck ist, sondern Dienst am Lebensraum.
Hegeschauen erinnern daran, dass Jagd nie Selbstzweck ist, sondern Dienst am Lebensraum.

Hegeringversammlungen sind somit auch ein Ort der Selbstvergewisserung. Hier wird Jagd als Handwerk, als Verantwortung und als Kulturgut verhandelt. Jungjäger hören zu, Altjäger widersprechen, Aufsichtsjäger ordnen ein. Nicht immer harmonisch, aber meist ehrlich. Genau darin liegt ihre Stärke.


Wer Hegeschauen als Jäger einfach als Pflichttermin abtut, verkennt ihre Bedeutung. Sie sind ein Spiegel – manchmal schmeichelhaft, manchmal unbequem. Sie zeigen, ob Hege funktioniert hat oder ob nachgeschärft werden muss. Und sie erinnern daran, dass Jagd nie Selbstzweck ist, sondern Dienst an Wild und Lebensraum.


In einer Zeit, in der Jagd zunehmend unter Beobachtung steht, sind Hegeschauen und Hegeringversammlungen ein starkes Zeichen: für Fachlichkeit statt Bauchgefühl, für Verantwortung statt Romantik.

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