Warum die Almwirtschaft für Wildtiere und Jäger unverzichtbar ist
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Wer an eine Alm denkt, hat meist blühende Bergwiesen, weidende Kühe und urige Hütten vor Augen. Für Jäger sind Almen jedoch weit mehr als eine Postkartenidylle. Sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Alpen – und genau dieser Lebensraum ist heute stärker unter Druck als vielen bewusst ist. „Ohne Weidetiere würden große Teile unserer Almen innerhalb weniger Jahrzehnte verbuschen oder wieder zu Wald werden“, erklärt Josef Obweger, der Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereines.
Und was auf den ersten Blick wie ein rein landwirtschaftliches Thema wirkt, betrifft in Wahrheit zahlreiche Wildarten – von Gams und Reh über Birkhuhn und Schneehase bis hin zu Murmeltier und Alpensteinbock ... und somit auch uns Jäger.
Die Alm ist keine Wildnis
Ein Irrtum hält sich hartnäckig: Viele Menschen betrachten die Almen als unberührte Natur. Tatsächlich handelt es sich um eine über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft, die nur durch die Bewirtschaftung erhalten bleibt.
Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen und zunehmend auch Lamas halten die Flächen offen. Sie verhindern, dass Zwergsträucher, Erlen und später Wald die Bergwiesen zurückerobern.
Die Folgen einer Nutzungsaufgabe sind vielerorts bereits sichtbar. Dort, wo keine Tiere mehr weiden, verschwinden offene Flächen innerhalb weniger Jahre. Was zunächst nach „mehr Natur“ aussieht, bedeutet für viele Tierarten den Verlust ihres Lebensraums.
Wenn die Alm verschwindet, verschwindet auch Wild

Gerade für das Schalenwild sind strukturreiche Almflächen von enormer Bedeutung. Gamswild nutzt die offenen Bergwiesen als Äsungsflächen. Rehwild findet an den Übergängen zwischen Wald und Alm wertvolle Nahrung. Auch Rotwild profitiert von den nährstoffreichen Sommerweiden.
Besonders dramatisch wäre ein Verlust der offenen Flächen jedoch für Arten, die auf lichte Lebensräume angewiesen sind. Birkhühner benötigen mosaikartige Übergangsbereiche zwischen Zwergstrauchheiden, Almweiden und lichten Waldbereichen. Murmeltiere brauchen freie Sicht, um Feinde frühzeitig erkennen zu können. Viele seltene Pflanzenarten wiederum sind direkt auf Beweidung angewiesen. „Manche Arten existieren nur deshalb noch, weil Almen bewirtschaftet werden“, betont Obweger.
Die unterschätzten Landschaftspfleger

Für viele Jäger überraschend: Nicht jede Tierart auf der Alm erfüllt dieselbe Aufgabe.
Während Rinder vor allem Gräser nutzen, fressen Pferde viele Pflanzenarten, die Kühe stehen lassen. Ziegen wiederum gelten als wahre Spezialisten bei der Bekämpfung von Verbuschung. Sie verbeißen junge Erlen, Weiden und andere Gehölze und verhindern damit das Zuwachsen der Flächen.
Selbst die oft belächelten Lamas leisten wertvolle Arbeit. Auf einigen Kärntner Almen werden sie gezielt eingesetzt, um Problempflanzen zurückzudrängen. Das Ergebnis ist eine vielfältige Landschaft mit unterschiedlichen Strukturen – genau jene Vielfalt, von der Wildtiere profitieren.
Almen als Hotspots der Artenvielfalt
Viele seltene Pflanzen gedeihen nur dort, wo regelmäßig beweidet wird. Almrausch, Arnika oder verschiedene Enzianarten profitieren von offenen Flächen und dem Tritt der Weidetiere. Zahlreiche Insektenarten sind wiederum auf diese Pflanzen angewiesen.
Was für den Wanderer eine bunte Blumenwiese ist, stellt für Wildtiere oft einen hochkomplexen Lebensraum dar. Studien zeigen, dass bewirtschaftete Almen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas zählen.
Der Wolf verändert das Verhalten der Weidetiere

Ein Thema, das viele Alm- und Jagdgebiete zunehmend beschäftigt, ist die Rückkehr großer Beutegreifer. Almbauern berichten immer häufiger davon, dass sich das Verhalten von Rindern nach Wolfsbegegnungen verändert. Tiere reagieren nervöser, ziehen sich enger zusammen oder zeigen ein deutlich erhöhtes Schutzverhalten gegenüber Kälbern.
Aus jagdlicher Sicht ist dieser sogenannte „Landschaft-der-Angst-Effekt“ besonders interessant. Er beeinflusst nicht nur Weidetiere, sondern kann langfristig auch Auswirkungen auf Wildtiere und deren Raumnutzung haben. Wie stark diese Veränderungen künftig werden, wird die Forschung erst in den kommenden Jahren beantworten können.
Die Jagd braucht die Alm

Für viele Jäger beginnt die Faszination der Bergjagd dort, wo sich offene Almbereiche mit Fels, Latschen und Wald abwechseln. Genau diese abwechslungsreiche Landschaft ist jedoch keine Selbstverständlichkeit.
Wenn Almen aufgelassen werden, verschwinden nicht nur Weidetiere. Es verschwinden Sichtfenster, Wildäsungsflächen, Lebensräume und letztlich ein Stück alpiner Kulturgeschichte. Wer die Jagd im Gebirge liebt, sollte deshalb auch die Almwirtschaft als unverzichtbaren Partner verstehen.
Denn die Wahrheit ist einfach: Ohne Almbauern gäbe es viele der Landschaften, die wir heute als klassische Jagdreviere kennen, längst nicht mehr.



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