Weihnachten: Wenn der Wald plötzlich leise wird!
- Hans ARC
- 24. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Ein Weihnachtsansitz über Verantwortung, Stille und richtige Maß. Es ist der 24. Dezember, ich bin im Bergrevier und es hat geschneit. Der Wald liegt unter einer weichen, weißen Decke, als hätte jemand jedes Geräusch zugedeckt. Schritte sind kaum zu hören, selbst das Atmen klingt gedämpft. Weiße Weihnachten, so wie man sie sich wünscht – still, klar und ehrlich.
Der Hochsitz ist kalt, das Holz trägt den Winter in sich. Ich richte mich ein, ziehe den Kragen höher, lege das Gewehr zur Seite. Nicht alles muss sofort bereit sein. Manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Der Morgen vor dem Weihnachtsfest ist eine besondere Zeit. Der Heilige Abend selbst gehört der Familie – da ruht die Jagd. Kein Ansitz, kein Schuss. Ein stiller Brauch, der nicht niedergeschrieben ist und doch gilt. Der Morgen davor hingegen schenkt Raum zum Nachdenken.
Frischer Schnee verändert alles. Spuren erzählen Geschichten, der Wald wirkt näher, fast vertraut. Jeder Laut hätte Gewicht – doch es gibt keinen. Nur diese tiefe Stille, die man nicht hört, sondern spürt.
Warum sitzt man hier?
Was erwartet man?
Und was ist man bereit, auch nicht zu tun?
Wild zeigt sich vorsichtig, zurückhaltend, wie es diese Zeit verlangt. Ein kurzer Moment, der alles verändern könnte. Doch der Finger bleibt ruhig. Nicht aus Unsicherheit. Sondern aus Überzeugung.
Jagd ist nicht das Abdrücken.
Jagd ist das Erkennen des richtigen Moments.
Und manchmal ist der richtige Moment, keinen Schuss abzugeben.

Nach dem Abbaumen, wenn der Tag langsam heller wird und der Heimweg beginnt, freue ich mich auf das, was kommt. Auf Wärme. Auf Familie. Auf den Heiligen Abend, an dem die Jagd ruht. Ein alter Brauch meines Schwiegervaters, den ich tief in mir trage.
Und ich denke an sein stilles Zeichen: den kleinen Fichtenast, den er in jede Trophäe steckt. Kein Schmuck, kein Wort. Nur ein Stück Wald.
Ein Symbol für Dankbarkeit. Für Respekt. Für das Wissen, dass nichts selbstverständlich ist.
Frohe Weihnachten




Kommentare