Zwei Herzen, ein Revier: Schwanger auf der Pirsch
- Hans ARC
- vor 1 Tag
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Schwanger auf die Jagd? Für Elisabeth war das nie ein Widerspruch – sondern eine der schönsten Phasen ihres Jägerinnenlebens. Die leidenschaftliche Jägerin lebt vor, wie werdende Mütter sicher und entspannt im Revier unterwegs sein können, und gibt jene Tipps weiter, die ihr selbst durch diese besondere Zeit geholfen haben.
Elisabeth ist im neunten Monat schwanger – und dennoch sitzt sie, so oft sie kann, in den Kärntner Nockbergen auf dem Hochsitz. Nicht nur, um Wild zu erlegen. Sondern weil sie etwas weitergeben möchte, das älter ist als jeder Schuss: Die Liebe zur Natur. Die Ruhe. Die Tradition der Jagd.
Warum eine werdende Mutter jagt

Wenn die 33-jährige Jägerin spricht, klingt nichts nach Selbstbeweis, nichts nach Härte. Es klingt nach Erdung. „Für mich ist die Jagd ein Ausgleich. Mein Kopf wird ruhig. Ich komme runter. Gerade jetzt, wo alles im Leben in Bewegung ist“, so die sympathische Jägerin im Gespräch mit „Schuss und Stille“.
Hochschwanger sitzt Elisabeth natürlich nicht im Steilhang und nicht auf wackeligen Leitern - sondern auf vertrauten Hochsitzen, nur 100 Meter vom Auto entfernt. Dort oben, in dieser besonderen Stille, findet sie etwas, das viele Schwangere suchen: einen Ort, an dem Körper und Gedanken synchron atmen.
„Ich will meinem Kind das weitergeben, was mir die Jagd gegeben hat.“
Es ist einer jener Sätze, bei dem man spürt: Elisabeth trägt nicht nur ein Kind. Sie trägt einen Wert in die nächste Generation. „Die Jagd hat mich geerdet. Mir Respekt beigebracht. Geduld. Verantwortung. Das will ich weitergeben – egal, ob’s später ein Jäger oder eine Jägerin wird.“
Und manchmal – wenn der Wald leise wird, wenn ein Ast bricht oder ein Vogel auffliegt – spürt sie etwas Seltsames, Wunderschönes: „Man hat das Gefühl, das Kleine hört mit. Der Herzschlag draußen und der drinnen… irgendwie schwingen sie zusammen.“ In solchen Momenten versteht man, dass Tradition nicht in Büchern weitergegeben wird. Sondern in Gefühl. In Erlebnissen. In Stille.

Sicherheit – das unsichtbare Netz um Elisabeth
Hochschwanger allein im Wald? Nie. Und genau das ist ihr wichtig. „Ich kläre vorher immer mit meinem Partner Gregor, meinem Papa oder meinem Bruder ab, ob jemand erreichbar ist.“ Das ist kluge, verantwortungsvolle Vorbereitung. Und Elisabeth weiß genau, wo ihre Grenzen sind. Und sie respektiert sie – so wie sie das Wild respektiert.
Der Bauch, die Atmung und das Adrenalin
Wenn Wild austritt, spürt Elisabeth das heute anders. Intensiver. Weicher. Verantwortungsvoller. „Klar wird man etwas nervöser. Und man versucht sofort, den Bauch ruhig zu halten. Ruhig atmen. Nicht zu viel Adrenalin.“
Elisabeth lacht. Weil sie weiß, dass Jagd immer Herzklopfen ist – aber heute eben eines mehr. Und doch bleibt sie dabei: „Ich fühle mich auf der Jagd entspannter als irgendwo sonst. Das Sitzen, das Schauen, das Atmen – das tut mir gut.“
Missverständnisse zwischen Weidfrauen und Außenwelt

Es gibt natürlich auch Stimmen – meist von Leuten, die weder Jagd, Revier noch Verantwortung kennen – die fragen: Warum jagt man hochschwanger? Will man etwas beweisen?
Elisabeth schüttelt den Kopf. „Ich will nichts beweisen. Ich brauche die Natur. Das Draußensein hilft mir. Und das war schon vor der Schwangerschaft so.“
Und dann kommt der Satz, der ihre Geschichte zusammenfasst: „Dass dann bei meinem Ansitz plötzlich ein passender Hirsch ausgetreten ist, dass ist der Bonus. Primär geh ich raus, um zur Ruhe zu kommen.“
Elisabeths Tipps für andere schwangere Jägerinnen
Nähe zum Auto - dein Sicherheitsnetz
„Nicht zu weit weg, wenn was wäre, musst du sofort loskönnen.“ Elisabeth plant ihre Ansitze so, dass sie in wenigen Minuten beim Auto ist – egal ob Wehen, Unwohlsein oder einfach ein ungutes Gefühl auftreten. Kurze Wege bedeuten auch weniger Belastung, weniger Risiko und viel mehr Ruhe im Kopf. In der Schwangerschaft gilt: Barrierefreie, gut erreichbare Plätze sind Gold wert.
2. Nur Hochsitze, denen du absolut vertraust
Wackelige Leitern, unbekannte Aufstiege oder improvisierte Sitze sind tabu. „Ich nehme nur Hochsitze, die ich in- und auswendig kenne. Ich weiß, wie die Leiter steht, wie der Sitz sich verhält und wo jeder Tritt ist“, so Elisabeth. Verlässliche Sitze mit stabilem Einstieg, breiten Stufen und einer sicheren Brüstung geben Sicherheit – und verhindern Situationen, in denen man abrutschen oder ausgleichen müsste.
3. Wärme am Bauch – immer und überall
„Der Bauch darf nie auskühlen“, sagt die Jägerin. In der Schwangerschaft reagiert der Körper empfindlicher. Elisabeth setzt auf ein zusätzliches, weiches Layer direkt über dem Bauch, kombiniert mit winddichter Außenbekleidung. Wichtig: Auch im Frühherbst oder an vermeintlich milden Tagen kühlt man im Sitzen schneller aus. Lieber einmal mehr etwas überziehen als einmal frieren.
4. Die richtige Waffenwahl – Rückstoß und Lärm minimieren
Eine moderne, gut eingestellte Ausrüstung hat für Elisabeth einen großen Unterschied gemacht: „Ein Schalldämpfer nimmt Rückstoß und Lärm – das ist angenehmer für mich und für’s Baby.“ Sie setzt auf leichte Systeme, wenig Gewicht und eine absolut präzise abgestimmte Waffe. Schweres Gerät, unnötiger Rückstoß oder Schüsse aus instabilen Positionen kommen nicht infrage.
5. Atmung kontrollieren, wenn Wild erscheint
Mit Babybauch schlägt das Herz schneller, und Adrenalin baut sich anders auf. „Gerade wenn Wild austritt, wird man nervös. Da hilft nur: bewusst atmen.“ Elisabeth macht es so:
einmal tief einatmen, langsam ausatmen, Bauch entspannen, Herzschlag beruhigen. Diese ruhige Atmung tut nicht nur ihr gut, sondern auch dem Kind – und sorgt dafür, dass der Schuss, falls er kommt, sauber und kontrolliert sitzt.
6. Immer jemandem sagen, wo du bist – niemals alleine bergen
„Alleine bergen? Kommt gar nicht in Frage.“ Egal ob Partner, Vater, Bruder oder eine Freundin im Revier – jemand muss immer abrufbereit sein. Elisabeth gibt genaue Informationen durch: Welcher Hochsitz. Welche Uhrzeit. Welcher Rückweg.
Wann sie sich wieder meldet. Diese Absicherung bringt nicht nur Sicherheit, sondern auch eine enorme mentale Ruhe.
7. Und das Wichtigste: Hör auf dein Bauchgefühl – im wahrsten Sinne des Wortes
„Wenn es sich nicht gut anfühlt, breche ich ab. Ohne Diskussion.“ In der Schwangerschaft ist jeder Tag anders. Müdigkeit, Druckgefühl im Bauch, Wetterwechsel oder einfach ein ungutes Gefühl sind völlig legitime Gründe, den Ansitz zu verkürzen oder ganz bleiben zu lassen. Elisabeth betont: Es geht nicht um Strecke, nicht um Ehrgeiz – es geht um dich. Und um euch beide.

Vielleicht der Geburtsort einer neuen Leidenschaft
Elisabeth ist in den vergangenen Monaten oft im Revier in den Nockbergen gesessen: Die Hände über dem Bauch. Der Blick weit hinaus. Und sie spürt, dass dort oben etwas passiert, das mehr ist als Jagd:
Es ist ein Band, das geknüpft wird. Ein leiser Übergang. Ein Versprechen an die nächste Generation.




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