Hohe Jagd 2026: Zwischen Tradition und digitalem Aufbruch
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Die Hohe Jagd 2026 in Salzburg zeigt einmal mehr, wie breit die Jagd heute aufgestellt ist – und wohin sie sich bewegt. Das Schuss & Stille-Team schlenderte durch die Messehallen, vorbei an den großen Namen der Branche: Blaser, Sauer & Sohn, Mauser, Merkel, Jakele, Steyr Arms – flankiert von Optikschwergewichten wie ZEISS, Swarovski Optik, DDoptics und Leica. Noch bis Sonntag 22. Februar präsentieren sie hier Neuheiten, Produkte und Philosophie – und laden die Jagd-Community zum Austausch.
Zwischen Loden und Laminat, Carbon und Walnussholz, Traditionslogo und Touchscreen lässt sich in diesen Tagen ein Satz immer wieder hören, halb stolz, halb skeptisch: „Die Jagd wird technischer.“ Aber die Hohe Jagd zeigt nicht nur neue Produkte, sie zeigt auch, wie Jäger heute entscheiden, was sie wirklich brauchen, was sie glauben zu brauchen - und was sie sich einfach gönnen, weil Jagd eben auch Emotion, Stolz und Identität ist.
Wärmebild & Nachtsicht überall – und plötzlich wird’s unübersichtlich
Wer durch die Hallen geht, erkennt die neue Hierarchie in Sekunden: Nicht mehr „Welches Glas ist am hellsten?“ dominiert die Gespräche, sondern: Welche Kombination aus Zielfernrohr, Montage, Adapter und Vorsatz funktioniert sauber?

Genau hier setzt das Gespräch mit Jörg Burgstaller (Waffen Burgstaller) an – den österreichischen Generalimporteur namhafter Marken, wie SIGSAUER, Sabatti, GRS, Freyr Devik und mehr und damit jemand, der Trends nicht aus Prospekten liest, sondern an der Nachfrage und an den Rückmeldungen aus der Praxis.
Burgstaller bringt es ohne Umschweife auf den Punkt: „Die Jagdbranche bewegt sich klar in Richtung digitale Optik. Wärmebild- und Nachtsichttechnik prägen das Messebild – monokular wie binokular.“ Die entscheidende Ergänzung ist aber auch sein Warnhinweis: „Es sind viele neue Anbieter am Markt – und nicht jeder neue Name ist automatisch ein neuer Hersteller.“
Im Waffenbereich fehlen Burgstaller die großen Innovationen: „Viele Hersteller hübschen ihre Linien, bringen Varianten, neue Schaftoptionen, Detailupdates – aber selten eine Idee, die das Segment wirklich neu sortiert.“
Die Ausnahme, über die alle sprechen: Walther RS3

Als eine der wenigen konzeptionell spannenden Neuigkeiten nennt Burgstaller die Walther RS3 – vor allem mit Blick auf den Bergjäger. „Das Konzept ist spannend, aber Alltagstauglichkeit und Pflege muss man über Zeit beurteilen.“ Ob sie „für die breite Masse“ ist, lässt er offen.
„Im Munitionssektor habe ich wenig Neues gesehen“, sagt Burgstaller: „Bleifrei ist weiterhin Thema, aber nicht mehr der große Aufreger wie früher.“

Bei den Kurzwaffen nennt Burgstaller dominante Bilder: 1911-Varianten, Glock, viele Polymerpistolen. „Das ist kein Mangel – eher ein Zeichen dafür, dass sich in diesem Segment bewährte Plattformen durchgesetzt haben.“
Die „Glas-Päpste“
steigen tiefer in die Elektronik ein
Einer der spannendsten Sätze von Burgstaller ist eigentlich ein Nebensatz: „Man sieht, dass die großen Optikhersteller auf die Elektronikschiene aufspringen.“ Die Branche, die jahrzehntelang über Transmission, Randschärfe und Absehenphilosophien gestritten hat, akzeptiert nun, dass „Sehen“ in der Jagd zunehmend hybrid wird: Glasoptik plus digitale Unterstützung.
Burgstaller beobachtet auf der Hohen Jagd auch eine wachsende Zahl preisgünstiger Anbieter. Sein Urteil ist differenziert: „Viele tauchen auf, aber wirklich durchgesetzt haben sich jagdlich bislang nur wenige – eher im militärischen oder sportlichen Umfeld.“
Der wichtigste Tipp des Waffenexperten: „Mit Plan kommen – sonst erschlägt dich die Auswahl“
Burgstallers praxisnahester Punkt ist nicht technisch, sondern psychologisch: „Wer ohne Ziel kommt, wird erschlagen. Jeder Stand erklärt dir, warum sein Produkt das beste ist. Und gerade beim Repetierer gilt: Schießen tun sie alle. Ob 700 Euro oder ein Ferlacher Einzelstück um 100.000 – präzise schießen können sie. Die Unterschiede liegen oft in Ergonomie, Haptik, Philosophie – und ja: in Prestige.“
Wo es dann wirklich spannend wurde!
Bixn Andy:„De zum Jågern“ im High-End-Gewand

Wenn ein Stand auf dieser Messe beweist, dass technische Tiefe auch ohne Marktschreierei funktioniert, dann jener von Bixn Andy aus dem Tiroler Kufstein.
Weltweit bekannt für Tuningabzüge, nutzt das Bixn Andy-Team die Hohe Jagd 2026, um nicht nur „Abzugskompetenz“ zu zeigen, sondern ein komplettes Jagdwerkzeug: den Repetierer „De zum Jågern“ – inklusive High-End-Variante aus Titan und Carbon mit unter zwei Kilogramm. Das ist Bergjagd-Denken in Reinform.
"Bullpup" ist zurück
Seit der Präsentation der Walther RS3 vor wenigen Wochen wird in der Jagd-Community wieder über Bullpup mehr gesprochen. Aber wer wirklich sehen will, wie aus Bullpup ein vollwertiges, jagdlich vielseitiges System wird, landet bei TTS und der XCEED.

TTS-Mitarbeiter Tobias Weinmann beschreibt die XCEED als kurzen bullpup-basierten Repetierer, der nicht auf Effekt setzt, sondern auf Funktion: Multikaliber bis .375 Holland & Holland. Eine kurze, führige Waffe bei voller Leistungsfähigkeit, schnellem Lauf- und Systemwechsel, umbaubar von taktisch auf sportlich, ergonomisch fein einstellbar, 5-Schuss-Stahlmagazin und 6-Warzen-Verriegelung sowie einem Matchabzug.
Die XCEED ist laut Weinmann bewusst kein Leichtgewicht. Das Gewehr kommt auf rund 4,2 Kilogramm, jagdlich mit Optik und Anbauteilen sind es oft 5-6 Kilogramm. Weinmann: „Dafür ist die XCEED ruhig im Anschlag und angenehm im Schuss, selbst in stärkeren Kalibern.“
Akila: Die leiseste Weltpremiere der Messe
Einer der spannendsten Momente der Hohe Jagd 2026 passierte ohne große Bühne. Akila – bekannt für High-End-Schäfte aus Slowenien – zeigt plötzlich: „Wir sind jetzt auch Waffenhersteller.“

Der in Kärnten lebende Mitgründer Alex Chikin präsentiert das neue Gewehr EWA, in Salzburg erstmals als taktische Version sichtbar. Die Jagdversion soll kommende Woche auf der IWA in Nürnberg präsentiert werden.
Was am EWA technisch auffällt:
Geradezugrepetierer mit Drehwarzen-Verriegelung.
Ein Hebel-/Anschlagmechanismus im Verschluss, der mit einer gehärteten Platte im Systemkasten zusammenarbeitet – gedacht, um den Verschluss auch bei Widerstand sicher schließen und leicht öffnen zu können.
Remington-700-Kompatibilität - damit kompatibel zu vielen Schäften/Komponenten am Markt.
Werkzeuglos zerlegbar, Verschlusskopf sehr einfach zu entnehmen.
Läufe derzeit aus Deutschland (Lothar Walther), mittelfristig eigene Laufproduktion geplant.
Preislich ab ca. 4.000 Euro (je nach Optionen).
Fertigungstiefe: außer Lauf „alles im Haus“.
Akila liefert damit das, was viele Jäger 2026 schätzen: Servicefreundlichkeit und Modularität, ohne dass es nach Bastelprojekt wirkt. Und: Es ist ein Hersteller, der nicht nur „eine Waffe“, sondern eine Plattform denkt.
Schmidt & Bender: „Schlanker werden“
als logische Konsequenz der Vorsatz-Realität

Die neue Jagdpraxis hat ein klares Bild: Vorsatzgeräte sind Alltag. Das verändert Optikdesign. Schmidt & Bender reagiert – und zwar bewusst. Detlef Zeller macht klar: „Der internationale Ruf von Schmidt & Bender“ basiert stark auf Militär/Behörden – aber genau davon profitiert der Jäger, weil Robustheit und Bedienbarkeit dort entstehen."
Temperaturtauglichkeit etwa – 40 bis +60/70 °C, Öle harzen nicht, Dichtungen hochwertig.
Wasserdicht serienmäßig 7 m, optional 10 m oder sogar 25 m.
Türme (v. a. PM-Serie) so ausgelegt, dass sie mit Handschuhen bedienbar sind; haptisches Feedback: jeder 10. Klick stärker spürbar.
Türme meist sperrbar (Lock), um Einstellungen zu fixieren (Ausnahme: Klassiklinie).
META 3–18×42: Schlank, weil Vorsatz mitdenkt
Zeller stellt Schuss & Stille die neuen META 3–18×42 vor, als bewussten Schritt zurück zur schlanken Bauform: nicht mehr maximal lichtstark „um jeden Preis“, weil viele Jäger ohnehin Vorsatz nutzen. META gibt es in 1. und 2. Bildebene: 1. BE: moderner, auch sportlich interessant (modernes Absehen, Turmhaptik näher an PM). 2. BE: klar jagdlich (klassische Absehen, schlankere ASV/Schnellverstellung).
Zeller betont, dass die Zielfernrohre vollständig in Deutschland gefertigt werden, von der kleinsten Schraube bis zur Linse und dass man auf starkwandige Rohrkörper sowie höchste Linsenqualität setzt. Schmidt & Bender zeigt auf der Hohen Jagd etwas, das man selten so offen hört: Nicht „immer größer, immer heller“ ist das Ziel – sondern passend zur realen Jagdpraxis.
Zwischen Stahl und Bildschirm: Way of the Hunter 2 – virtuelle Jagd als Teil der Jagdkultur

Und dann ist da diese Ecke, wo es leuchtet und klickt. THQ Nordic – gemeinsam mit Waffenhersteller Strasser – lädt zur virtuellen Pirsch. Jonathan Riedler zeigt auf der Hohen Jagd erste Einblicke in das Videospiel Way of the Hunter 2.
Die größten Neuerungen sind dabei ein Jagdhund, der bei der virtuellen Nachsuche hilft. Mehr Realismus: Jungtiere sehen sichtbar jüngerer aus. Way of the Hunter 2 ist kein Ersatz für Jagd. Aber es ist ein Spiegel dafür, wie stark jagdliche Ethik, Wildbiologie und Trophäenrealismus inzwischen auch digital diskutiert werden. Das Spiel soll 2026 für PC, Playstation und XBox erscheinen.
Hohe Jagd 2026: Weniger Lärm, mehr Richtung
Die Hohe Jagd ist heuer keine Messe der großen Showeffekte. Sie ist eine Messe der leisen, aber nachhaltigen Entscheidungen. Wer Sensationen sucht, muss genauer hinsehen. Wer zuhören kann, nimmt viel mit.

Zwischen Wärmebild-Welle und Leichtbau-Philosophie, zwischen modularen Systemen und bewusst schlanker Optik wurde eines klar: Die Jagd wird nicht neu erfunden – sie wird präziser. Technischer, ja. Aber auch reflektierter. Die Hersteller, die 2026 überzeugen, sind nicht jene mit dem lautesten Marketing, sondern jene mit Antworten auf reale Fragen draußen im Revier: Gewicht, Bedienbarkeit, Service, Haltbarkeit – bei Tag wie bei Nacht, bei Hitze wie bei Kälte.
Auffällig war auch, was fehlte: der Zwang zur Übertreibung. Statt immer größer, heller, schwerer zu werden, kehren viele Produkte zu dem zurück, was Jagd im Kern ausmacht – Funktion vor Effekt. Ein Repetierer muss kein Statussymbol sein, eine Optik kein Leuchtturmprojekt. Sie müssen funktionieren, verlässlich, still und ohne Aufmerksamkeit zu verlangen.
So bleibt von dieser Hohen Jagd vor allem eines hängen: Orientierung. Nicht als fertige Antwort, sondern als Einladung, genauer hinzuschauen – auf das eigene Jagdprofil, die eigenen Bedürfnisse und die eigenen Grenzen. Wer mit Plan kommt, geht mit Klarheit.
Und genau deshalb bleibt die Hohe Jagd ein Pflichttermin. Nicht, um sofort zu kaufen – sondern um zu verstehen, wohin sich die Jagd bewegt. Still. Schritt für Schritt. Und mit immer mehr Bewusstsein dafür, dass gute Ausrüstung nicht immer auffallen muss.




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