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Technik mit Verantwortung: Wie Jäger von Halbautomaten profitieren können

  • vor 12 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit
Oberland Arms-Gründer Matthias Hainich in seinem Flagship-Store in Klagenfurt.
Oberland Arms-Gründer Matthias Hainich in seinem Flagship-Store in Klagenfurt.

Oberland Arms ist seit Jahrzehnten ein fixer Begriff, wenn es um präzise gefertigte AR-15-Systeme „Made in Germany“ geht. Doch das Unternehmen wird oft ausschließlich mit Sport- und Behördenwaffen assoziiert. Schuss und Stille sprach mit Firmengründer Matthias Hainich darüber, warum moderne Halbautomaten sehr wohl einen jagdlichen Mehrwert haben können – und weshalb Technik und Weidgerechtigkeit für ihn kein Widerspruch sind.


Matthias Hainich, Jahrgang 1968, verheiratet mit einer Kärntnerin, Vater von drei Kindern, kommt nicht aus dem Marketing, sondern aus der Praxis. Die beruflichen Wurzeln des Bayern liegen im militärischen Bereich – als Soldat in einem Gebirgs-Fernmeldebataillon. Sein früher Kontakt mit Waffen war dabei stets funktional geprägt: Technik musste zuverlässig sein, ergonomisch, sicher.


Hainichs Einstieg in die zivile Waffenbranche erfolgte schließlich über den Fachhandel bei Kettner Deutschland, wo Matthias rasch lernte, „wie man es macht – und wie man es besser nicht macht“. 1998 gründete er schließlich Oberland Arms in Bayern, zunächst als klassisches Waffengeschäft. Jagdlich war der heute 58-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits aktiv: Den Jagdschein machte er Mitte der 1990er-Jahre.

Bei Oberland Arms kristallisierte sich relativ früh eine Spezialisierung heraus: getunte Pistolen – insbesondere Glock – und AR-15-Systeme. Eine Nische, die sich als zukunftsträchtig erweisen sollte.



Vom Import zur Eigenfertigung


Der eigentliche Durchbruch für Oberland Arms kam dann Anfang der 2000er-Jahre. Mit dem Wegfall restriktiver deutscher Regelungen für halbautomatische Selbstladebüchsen begann ein regelrechter Boom. Während andere zögerten, war Oberland Arms früh positioniert. „Anfangs wurden Baugruppen aus den USA importiert, kombiniert mit hochwertigen europäischen Komponenten“, erzählt Matthias im Gespräch mit Schuss und Stille.


Matthias Hainich ist nicht nur Sportschütze, sondern auch ein aktiver Jäger.
Matthias Hainich ist nicht nur Sportschütze, sondern auch ein aktiver Jäger.

Und schon damals setzte man konsequent auf deutsche Präzisionsläufe - bis heute stammen diese von Lothar Walther. Nach dem Terroranschlag 9/11 im Jahr 2011 und dem daraus resultierenden Exportstopp für AR-15-Teile aus den USA blieb Hainich nur ein Weg: die eigene Fertigung.


Heute entstehen bei Oberland-Arms Gewehre in enger Zusammenarbeit mit spezialisierten Zulieferbetrieben, während Kernkomponenten und Endabstimmung unter eigener Kontrolle bleiben. Der Anspruch von Matthias Hainich:

kompromisslose Qualität statt maximaler Stückzahlen.



Jagdliche Praxis statt ideologischer Debatte


Jäger Matthias Hainich mit erlegter Gams.
Jäger Matthias Hainich mit erlegter Gams.

Hainich ist jedoch nicht nur Waffen-Hersteller, sondern selbst auch ein aktiver Jäger – mittlerweile seit zwei Jahren sogar mit gültiger Kärntner Jagdkarte. Genau diese Doppelrolle prägt seine Haltung. „Wer Weidgerechtigkeit ernst nimmt, nutzt technische Vorteile“, sagt Matthias klar. Gerade bei der Raubwildbejagung zeigt der Halbautomat seine Stärken: schnelle Folgeschüsse, hohe Kontrolle, saubere Treffer. Wer einmal mehrere Füchse in kurzer Zeit am Bau oder am Luderplatz erlegt hat, weiß, dass ein Selbstlader große Vorteile gegenüber dem Repetierer bietet.


Auch sicherheitstechnisch sieht Hainich das AR-15 vorne: lautlos bedienbare Sicherung, ergonomische Bedienelemente, hohe Fallsicherheit. Eigenschaften, die im jagdlichen Alltag oft unterschätzt werden.



Der Fangschuss und moderne Kaliber


Besonders deutlich wird der Nutzen moderner Systeme beim Thema Fangschuss. Hainich spricht offen aus, was viele denken: Der Fangschuss ist eine der anspruchsvollsten Situationen der Jagd – Stress, schlechte Lichtverhältnisse, oft, im Falle von Wildunfällen, auch Zuschauer.


Matthias Hainich zwischen "seinen" AR15 Halbautomaten von Oberland Arms
Matthias Hainich zwischen "seinen" AR15 Halbautomaten von Oberland Arms

Hier sieht er das Kaliber .300 AAC Blackout in Kombination mit Schalldämpfer als ideal: subsonische Munition, ausreichende Energie, kontrollierbare Wirkung und eine deutlich reduzierte Lärmbelastung. Nicht zufällig setzen staatliche Forstbetriebe in Deutschland bereits das AR15-System von Oberland Arms offiziell ein.


Oberland Arms bietet seine AR-15-Plattformen in mehreren Kalibern an, darunter .223 Remington, .300 Blackout, 9 mm Para sowie .22lfb – letztere vor allem als Trainingsplattform.



Technologie mit Maß


Ein zentrales Thema bei der Jagd ist mittlerweile der Einsatz von Schalldämpfern. Bei Selbstladebüchsen gelten jedoch völlig andere physikalische Anforderungen als bei Repetierern. Oberland Arms entwickelte deshalb spezielle, gasdruckoptimierte Dämpfer, die den Rückstoßimpuls kontrollieren und Gasbelastung für den Schützen minimieren. Moderne Fertigungsmethoden wie Titan-3D-Druck gehören hier zum Standard. „Technik muss dem Schützen helfen“, bringt es Hainich auf den Punkt.



Flagship Store Klagenfurt


Mit dem Flagship Store in Klagenfurt wagte Oberland Arms bewusst einen Schritt über die Grenze. "Österreich war stets ein wichtiger Markt, und Kärnten bot den passenden Rahmen", so Hainich. Den Store sieht der Unternehmer nicht als reiner Verkaufsraum für Eigenprodukte, sondern als kuratierte Boutique: Waffen, Zubehör, Messer, Lampen – ausgewählt nach persönlicher Überzeugung, nicht nach Kataloglogik. Und die Reaktionen? Unterschiedlich, aber lebendig. Und genau das war gewollt.


Obwohl mehrere österreichische Jäger einen Halbautomaten besitzen, werden diese nicht jagdlich eingesetzt, während in Deutschland immer öfters Weidmänner zu AR15-Systemen greifen.  Hainich sieht den Unterschied zwischen österreichischen und deutschen Jägern weniger in der Einstellung zur Weidgerechtigkeit als im rechtlichen und praktischen Umfeld.



Ein Waffengeschäft, das vielmehr an eine modische Boutique erinnert. Zu finden in der Klagenfurter Innenstadt.
Ein Waffengeschäft, das vielmehr an eine modische Boutique erinnert. Zu finden in der Klagenfurter Innenstadt.

Während deutsche Jäger Halbautomaten selbstverständlich jagdlich nutzen, sind österreichische Jäger traditioneller geprägt und gegenüber „militärisch“ wirkender Technik deutlich zurückhaltender. Nicht aus Ablehung, sondern weil Recht, Gewohnheit und Ausbildung andere Wege gegangen sind. Für den Waffenproduzenten ist jedoch klar: Wo moderne Technik erlaubt und sinnvoll ist, soll diese auch eingesetzt werden. Gerade in Verbindung mit Nachtsicht- oder Wärmebildtechnik bieten AR15-Systeme laut Hainich große Vorteile.


Denn Oberland Arms steht für Schuss und Stille für eine nüchterne, praxisorientierte Sicht auf moderne Jagd- und Sportwaffen. AR-15-Systeme sind für Hainich ein Werkzeug – eines, das bei verantwortungsvollem Einsatz Präzision, Sicherheit und Waidgerechtigkeit verbessern kann.



FACHWISSEN

Die .300 AAC Blackout – leise Kraft auf kurze Distanz


Die .300 AAC Blackout ist kein Kaliber für Zahlenfetischisten oder Weitschussromantiker. Entwickelt für kurze Läufe, schwere Geschosse und den Einsatz mit Schalldämpfer. Wer sie jagdlich führt, tut das bewusst – und genau darin liegt ihre Stärke.


Die Vorteile: Die .300 Blackout spielt dort ihre Trümpfe aus, wo andere Kaliber bereits zu viel des Guten sind. Schwere .30-Geschosse, moderates Tempo, saubere Energieabgabe auf kurze Distanzen. Besonders mit Schalldämpfer zeigt sie, was sie kann: leise Schussabgabe, angenehmer Rückstoß, hohe Kontrolle. Bis etwa 120–150 Meter liefert sie präzise, berechenbare Wirkung, ohne unnötige Wildbretentwertung - ideal für Waldjagden, wenn auch die Hintergrundgefährdung ein Thema oder auch der Lärm, etwa bei Jagd nahe urbanen Gebieten sowie für den Fangschuss.


Die Nachteile: Man muss ehrlich sein: Reichweite ist nicht ihre Welt. Die Flugbahn ist deutlich steiler als bei klassischen .30-Kalibern, die Energie nimmt rasch ab. Wer jenseits der 150 Meter jagt, ist mit .308 Win., 7×64 oder .30-06 klar besser bedient. Auch die Munitionsauswahl ist – zumindest jagdlich – noch überschaubar und verlangt genaues Hinsehen bei Geschosswahl und Laborierung.

Im Größenvergleich: .223 Rem (li.) mit .300 ACC Blackout (mi.) und einer .308 Win (re.).
Im Größenvergleich: .223 Rem (li.) mit .300 ACC Blackout (mi.) und einer .308 Win (re.).

Die .300 AAC Blackout basiert auf einer stark verkürzten Hülse. Im Vergleich zur .308 Winchester wirkt sie fast kompakt, beinahe gedrungen. Genau das ist ihr Konzept: viel Geschoss, wenig Geschwindigkeit, kurze Systeme. Gegenüber einer .223 Remington bringt sie deutlich mehr Masse ins Ziel, bleibt aber in einem ähnlichen Systemrahmen.

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