Hubertustag: Verantwortung, Respekt und gelebte Jagdkultur

Am 3. November feiern Jägerinnen und Jäger den heiligen Hubertus. Doch was steckt hinter diesem jahrhundertealten Brauchtum? Warum ist der Schutzpatron der Jäger bis heute so bedeutsam? Und was hat das alles mit einer kleinen Kapelle in den Kärntner Bergen zu tun, die ohne den Einsatz einiger Jäger vielleicht längst verschwunden wäre? Eine Geschichte über Weidgerechtigkeit, Verantwortung und gelebte Jagdkultur.
Es gibt Geschichten, die erzählen mehr über die Jagd als jedes erlegte Stück Wild, wie die über eine kleine Kapelle in der Kreuzen im Kärntner Drautal. Dort, unweit des Schlosses Kreuzen, steht ein Gotteshaus, das seine Existenz heute nicht zuletzt einigen beherzten Jägern verdankt. Sie haben vor mehr als 40 Jahren das getan, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: nicht lange geredet, sondern angepackt. Und damit auf ganz besondere Weise gezeigt, was den Hubertusgedanken ausmacht.
Die Legende vom Hirsch mit dem Kreuz

Der 3. November gehört im jagdlichen Kalender zu den besonderen Tagen. Es ist der Gedenktag des heiligen Hubertus von Lüttich, der als Schutzpatron der Jäger verehrt wird. Der Überlieferung nach war Hubertus einst ein leidenschaftlicher Jäger, dem während der Jagd ein mächtiger Hirsch erschien. Zwischen dessen Geweihstangen leuchtete ein Kreuz. Die Begegnung soll Hubertus dazu bewegt haben, sein bisheriges Leben zu überdenken und sich dem Glauben zuzuwenden.
Obwohl die bekannte Hirschlegende erst Jahrhunderte nach seinem Tod mit Hubertus verbunden wurde, ist ihre Botschaft bis heute lebendig. Die Jagd ist kein grenzenloses Recht, sondern verlangt Respekt, Maßhalten und Verantwortung gegenüber der Natur.
Daran erinnern die zahlreichen Hubertusmessen, die alljährlich Anfang November gefeiert werden. Sie sind Ausdruck der Dankbarkeit für die Erlebnisse im Revier, des Gedenkens an verstorbene Jagdkameraden und der Verbundenheit mit einer jahrhundertealten Tradition.
Doch manchmal geht diese Verantwortung weit über das Revier hinaus.
Als eine historische Kapelle zu verfallen drohte
Die kleine Kapelle in der Kreuzen wurde um das Jahr 1705 errichtet. Nach örtlicher Überlieferung war sie ein Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass die Bevölkerung die Pest überstanden hatte. Über viele Generationen wurde das Gotteshaus erhalten und immer wieder instand gesetzt. Doch irgendwann geriet es zunehmend in Vergessenheit.
Die Natur holte sich zurück, was Menschen einst mit viel Mühe geschaffen hatten. Fenster waren beschädigt, Teile des Gebäudes verwittert. Schließlich lag sogar ein umgestürzter Baum auf dem Dach. „Die Kapelle war schon ziemlich heruntergekommen“, erinnert sich Alfred Staber, Obmann des Hubertusverein Kreuzen.
Während das historische Gebäude immer weiter verfiel, konnten einige Jäger diesen Anblick nicht länger ertragen. Sie beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen.

Zwei Jahre lang wurde angepackt
1985 gründeten engagierte Jäger eigens einen Verein, um die Kapelle mit Unterstützung der Familie Foscari zu retten. Es war der Beginn einer bemerkenswerten Gemeinschaftsleistung. In unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden wurde das Gebäude wiederhergestellt. Zwei Jahre dauerten die Arbeiten. 1987 war es schließlich geschafft.
Die historische Kapelle war gerettet.
„Seitdem feiern wir hier auch unseren Hubertus“, erzählt Jagdobmann Alfred Staber. Das kleine Gotteshaus wurde damit nicht nur vor dem Verschwinden bewahrt, sondern auch zu einem besonderen Ort des jagdlichen Brauchtums. Und die Verantwortung endete keineswegs mit der Renovierung. Bis heute kümmern sich engagierte Menschen um den Erhalt der Kapelle. Zu ihnen gehören Erika Schumi und ihre Tochter Manuela, die sich der Pflege des historischen Kleinods angenommen haben.
Hubertus ist mehr als ein Feiertag
Was die Jäger der Kreuzen damals geleistet haben, ist ein schönes Beispiel dafür, dass sich jagdliche Verantwortung nicht allein auf Wildbestände, Abschusspläne und Revierpflege beschränkt. Jagd ist auch Gemeinschaft. Sie verbindet Generationen, bewahrt Traditionen und schafft Verantwortung für die Heimat.
Gerade heute, wo die Jagd zunehmend kritisch betrachtet und öffentlich diskutiert wird, sind solche Geschichten von besonderer Bedeutung. Denn sie zeigen eine Seite der Jägerschaft, die oft zu wenig Beachtung findet. Menschen, die ihre Freizeit opfern, freiwillig arbeiten und Verantwortung übernehmen – ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.
Vielleicht sollten wir uns gerade am Hubertustag daran erinnern, dass Weidgerechtigkeit nicht erst mit dem Ansprechen des Wildes beginnt und auch nicht mit dem letzten Schuss endet. Sie ist eine innere Haltung, die den Umgang mit der Natur, mit Menschen und mit unserer Heimat prägt.



Kommentare